Bioökonomie in Deutschland

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Bioökonomie in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwar bislang keine spezifische Bioökonomiestrategie, dennoch möchte das Land seinen Beitrag zur Umsetzung der nationalen Strategie leisten. 2013 wurde daher ein Expertengremium berufen, um die bioökonomischen Potenziale Mecklenburg-Vorpommerns zu analysieren. Das dünn besiedelte Land ist geprägt durch Ackerbau, Holzwirtschaft und Fischfang, hat aber auch großes Potential in den Life Sciences. Außerdem verfügt Mecklenburg-Vorpommern über exzellente Forschungseinrichtungen, vorwiegend im Bereich der Agrarwirtschaft.

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Politische Grundlagen

Bereits seit 2001 fördert BioCon Valley, eine Initiative für Gesundheitswirtschaft und Life Sciences in Mecklenburg-Vorpommern, mit Unterstützung der Landesregierung die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft. Zwischen 2011 und 2014 war BioCon Valley federführender Partner im Projekt „Eco4Life“, Projektziel war die regionalen Kompetenzen der Küstenregionen Polens, Litauens und Mecklenburg-Vorpommerns im Bereich der Bioökonomie zu vernetzen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu fördern. Im Rahmen dieses Projektes wurde 2013 eine „Potenzialanalyse Portfolio Bioökonomie Mecklenburg-Vorpommern“ erstellt. Mecklenburg-Vorpommern ist ländlich geprägt, etwa 20% des Landes sind mit Wald bedeckt, zudem verfügt das Land über eine etwa 2000 km lange Küstenlinie. Vorherrschend sind Ackerbau, Holzwirtschaft und Fischfang, ergänzt durch Aquakultur, Algen- und Seegrasnutzung – sowohl pflanzliche als auch tierische und marine Biomasse ist demnach ausreichend vorhanden.

Im März 2014 wurde die Regionale Innovationsstrategie 2020 des Landes vom Strategierat Wirtschaft-Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern verabschiedet. Mit dieser Strategie legt die Landesregierung ein Gesamtkonzept für die Ausgestaltung der Förderpolitik bis 2020 vor, das sich an den Besonderheiten des Landes orientiert. Der Rat identifizierte sechs Zukunftsfelder für Mecklenburg-Vorpommern – alle haben einen relevanten Bezug zur Bioökonomie.

  • Gesundheit/Life Sciences
  • Energie und Klima
  • Information und Kommunikation
  • Ernährung
  • Mobilität
  • Nachhaltige Produktionstechniken und neue Werkstoffe, insbesondere im Maschinenbau

Diese Zukunftsfelder sollen gefördert und perspektivisch zu Innovationsclustern entwickelt werden. Die Forschungs- und Innovationspolitik Mecklenburg-Vorpommerns setzt auf Vernetzung, Interdisziplinarität und die enge Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft.

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Forschungslandschaft

Mecklenburg-Vorpommern verfügt über exzellente universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Zwei Universitäten und fünf Fachhochschulen sind im Land angesiedelt. Dazu kommen Institute der Fraunhofer- und der Max-Planck-Gesellschaft, sowie der Leibniz- und der Helmholtz-Gemeinschaft. Als besonders relevant für die Bioökonomie sind hier zu nennen das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie, das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie sowie das Leibniz-Institut für Ostseeforschung. Relevante Bundes- und Landesforschungsanstalten sind beispielsweise das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems oder das Julius-Kühn-Institut (JKI).

An der Universität Rostock befasst sich insbesondere die Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät mit bioökonomischen Themen. Hier startete im Januar 2017 das Projekt „WETSCAPES“. Im Mittelpunkt der Forschung stehen die Ökosysteme – die Projektpartner untersuchen die Grundlagen für eine nachhaltige, schonende Bewirtschaftung der Niedermoore und feuchten Küstenstandorte. Das Projekt wird im Rahmen des Exzellenzforschungsprogramms des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit ca. 5 Mio. Euro bis 2021 gefördert.

Auch die Universität Greifswald ist an diversen Projekten im Bereich Bioökonomie beteiligt. Sie ist Partner im Norddeutschen Zentrum für Mikrobielle Genomforschung (NZMG), ein Zusammenschluss von sechs norddeutschen Forschungseinrichtungen. Ziele des NZMG sind die mikrobielle Genomforschung voranzutreiben, die gemeinsame Nutzung von Technologieplattformen sowie eine vernetzte Nachwuchsförderung.

Anfang 2016 wurde der Bau eines Zentrums für Life Science und Plasmatechnologie auf dem Campus  Greifswald bewilligt. Ein Schwerpunkt des Zentrums, das bis 2019 fertiggestellt sein soll, ist neben Plasmatechnologie die Bioökonomie.

Gemeinsam mit der IHK Neubrandenburg organisiert die Universität Greifswald im November 2017 bereits die dritte BioÖkonomieKonferenz in Anklam.

      

WEITERE INFORMATIONEN

Länderübergreifende Projekte im Bereich Bioökonomie:

Baltic Blue Biotech Alliance

InnoAquaTech

Bioökonomie in Hessen

Hessen verfügt als traditionell starker Standort der Chemie- und Pharmaindustrie, mit den ansässigen Unternehmen und Verbänden, Forschungseinrichtungen sowie einer sehr guten Infrastruktur über ideale Voraussetzungen, eine Vorreiterrolle in der Bioökonomie einzunehmen. Derzeit sind in Hessen im Bereich der Bioökonomie über 60 Unternehmen mit 16.000 Mitarbeitern tätig, die einen Umsatz von rund 8 Mrd. Euro erwirtschaften. Das Bundesland Hessen sieht in der Bioökonomie eine zentrale Aufgabe und Chance für Politik und Wirtschaft und hat die Weichen entsprechend gestellt.

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Politische Grundlagen

Die vom Wirtschaftsministerium und Hessen Trade & Invest in Auftrag gegebene Studie „Die wirtschaftliche Bedeutung der wissensbasierten Bioökonomie in Hessen“ belegt die ausgezeichneten Voraussetzungen für einen Ausbau der Bioökonomie in Hessen. Um die Potenziale stärker zu nutzen, haben Vertreter aus Politik und Wirtschaft gemeinsam ein Positionspapier zur Bioökonomie entwickelt, das im Juni 2016 vom Wirtschaftsministerium veröffentlich wurde. Die hessische Strategie folgt dem europäischen Konzept einer wissensbasierten Bioökonomie, das heißt sie setzt auf Technologien und Innovationen zu effizienten Nutzung biologischer Ressourcen.

In der Broschüre „Bioökonomie in Hessen“ sind die wichtigsten Ziele, Vorteile, Beispiele und Schwerpunkte zusammengefasst. Der Themenfokus der hessischen Bioökonomie liegt auf innovativen Technologien der Bereiche Chemie, Pharma, biobasierte Funktionsmaterialen, Bioenergie und Anlagenbau. Neben einer sehr gut ausgebauten Infrastruktur verfügt Hessen über 14 für die Bioökonomie relevante Kommunikationsplattformen.

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Forschungslandschaft

In Hessen wird an 20 Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur Bioökonomie geforscht. Eine wichtige Fördermaßnahme ist die hessische Landesoffensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökologischer Exzellenz (LOEWE). Damit unterstützt das Land unter anderem das Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO), das seit 2010 gemeinsam von der Philipps-Universität Marburg und dem Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie betrieben wird.

Das LOEWE-Zentrum für Insektenbiotechnologie und Bioressourcen (ZIB) ist europaweit das erste Zentrum für „gelbe Biotechnologie“ (Insektenbiotechnologie). Ihm kommt deshalb eine Vorreiterrolle in dem sehr jungen und innovativen Forschungsfeld mit hohen Wachstumsprognosen zu. An insgesamt sechs Standorten in Gießen und Frankfurt werden hier basierend auf Insekten neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt, die biotechnologisch in der Medizin, dem Pflanzenschutz oder zu industriellen Zwecken eingesetzt werden können. Weitere Förderschwerpunkte der Landesregierung sind Biotechnologie und Umwelttechnologie.

Bioökonomie in Hamburg

Hamburg ist nach Berlin der zweitgrößte Stadtstaat in Deutschland und ein wichtiges Zentrum für nachhaltige Entwicklung und Innovation. Die Politik hat entsprechende Ziele und Fördermaßnahmen definiert, um den Markt für nachhaltige Produkte und die Forschung zu stärken.

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Politische Grundlagen

Im Juli 2017 hat der Hamburger Senat einen Fahrplan zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele für die nächsten Jahre mit konkreten Zielen und Maßnahmen beschlossen. Er richtet sich inhaltlich nach der Agenda 2030, in der die Vereinten Nationen im Jahr 2015 insgesamt 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung definiert haben. Die Förderung der Bioökonomie stellt dabei keine eigenständige Rubrik dar, ist aber indirekt Bestandteil verschiedener Ziele und Maßnahmen. Hamburg kommt dabei in verschiedener Hinsicht eine Vorreiterrolle innerhalb Deutschlands zu. So hat Hamburg als erstes Bundesland 2017 die Förderung von Mietwohnungen in Holzbauweise beschlossen, womit erstmals der Gesamtenergiebilanz von Gebäuden Rechnung getragen wird. Im Bauwesen werden zudem Gründächer vom Senat gefördert. Bis 2019 stellt die Behörde für Umwelt und Energie (BUE) dazu 3 Mio. Euro für freiwillige Maßnahmen zur Verfügung.

Seit Dezember 2016 ist Hamburg Mitglied im Netzwerk Bio-Städte. Damit einher gehen die Förderung des Öko-Landbaus und der Einsatz ökologischer Produkte in städtischen Institutionen. Politik und Verwaltung wollen zudem ihre Vorbildfunktion auch in ökologischer Hinsicht verstärkt wahrnehmen. So richtet sich die Hamburger Verwaltung bereits seit Januar 2016 nach dem Leitfaden für umweltverträgliche Beschaffung, der die Anschaffung verschiedenster Produktgruppen regelt. Damit haben sich Behörden, Ämter und Landesbetriebe beispielsweise verpflichtet Recyclingpapier zu verwenden, öffentlichen Einrichtungen wird es ebenfalls nahegelegt. Als verlässlicher und großer Abnehmer sorgt Hamburg durch stete und große Nachfrage somit für eine Verstärkung der Marktaktivitäten für ökologische Produkte und unterstützt aktiv eine nachhaltige Wirtschaftsweise.

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Forschungslandschaft

Hamburg ist ein etablierter Innovationsstandort mit Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und zahlreichen Unternehmen. Im Jahr 2016 wurde es als „innovation leader“ von der Europäischen Kommission ausgezeichnet. Mit der Einrichtung von Clustern verfolgt der Senat die Umsetzung seiner Innovationspolitik.

Das Bundesland ist mit 40% an der Clusteragentur „Life Science Nord“ beteiligt. Das dazugehörige Netzwerk schafft für über 500 Biotechnologie-, Pharma- und Medizintechnik-Unternehmen aus Hamburg und Schleswig-Holstein hervorragende Kooperations- und Fördermöglichkeiten. In dem Förder- und Industrieverein Life Science Nord e.V. haben sich zusätzlich rund 220 Institutionen und Unternehmen der Biomedizin zusammengeschlossen. Der Verein bietet in Zusammenarbeit mit dem Clustermanagement seinen Mitgliedern ein exklusives Partnerprogramm.

Die starke Biotechnologie-Branche ist in Hamburg aber nicht nur auf Gesundheitsthemen ausgerichtet. Am Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft (IUE) der Technischen Universität Hamburg (TUHH) gibt es Forschungsschwerpunkte zu Bioenergie, Bioökonomie/Bioraffinerie, der Nutzung biogener Reststoffe und Mikroalgenbiotechnologie. Im Sommer 2017 startete zudem ein deutsch-russisches Kooperationsprojekt der TUHH mit der Universität St. Petersburg zur Entwicklung und Implementierung einer aquatischen Bioraffinerie, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

An einer besseren Verwertung und energetische Nutzung von biologischen Rohstoffen und Abfallprodukten forscht auch das Institut für molekulare Phytopathologie der Universität Hamburg. Im BMBF-geförderten Projekt „NEMBO“ werden dazu Mikroorganismen aus Vietnam gezielt auf neue Enzyme und Metaboliten für die Bioökonomie getestet.

Bioökonomie in Bremen

Bremen ist das kleinste Bundesland. Zu dem Zwei-Städte-Staat gehören Bremen und Bremerhaven. Viele bekannte Marken der Lebens- und Genussmittelbranche stammen aus Bremen. Das Spektrum der Produktsorten ist breit, die Produkte selbst biobasiert. Um den Standort weiter auszubauen, investiert die Lebens- und Genussmittelbranche jährlich mehrere Millionen Euro. Vereinzelte weitere bioökonomische Aktivitäten stammen vor allem aus den Bereichen der Biotechnologie und Nutzung mariner Ressourcen. Die landeseigene Förderung konzentriert sich auf anwendungsbezogene Umwelttechnik und -forschung.

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Politische Grundlagen

Um die Entwicklung und Anwendung neuer umweltverträglicher Produkte zu fördern, hatte Bremen bereits 2008 eine Richtlinie veröffentlicht, mit der entsprechende Demonstrationsvorhaben gefördert wurden. Im Zentrum stand dabei die Kreislaufwirtschaft inklusive der Verwertungs- und Vermeidungstechnologien. Seit Juni 2017 gibt es zwei neue Förderprogramme, die bioökonomische Themenfelder abdecken: Sie zielen auf anwendungsnahe Umwelttechniken (PFAU) und die angewandte Umweltforschung (AUF). Eine spezielle auf Bioökonomie ausgerichtete Förderung gibt es derzeit nicht.

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Forschungslandschaft

Die Bioökonomie-Forschung in Bremen umfasst vor allem die Bereiche „Lebensmittel“ und „Gesundheit“. Ein eigens ausgewiesener Bioökonomie-Forschungsschwerpunkt fehlt aber bislang. Forschungsstandorte sind die Hochschulen in Bremen und Bremerhaven sowie Zusammenschlüsse von Unternehmen zu Kompetenzzentren oder Clustern.

Die Hochschule Bremerhaven, die Universität Bremen und die Hochschule Bremen (HSB) forschen in verschiedenen Abteilungen und Arbeitsgruppen zur Nutzung biologischer Ressourcen. So wird beispielsweise an der HSB in der Arbeitsgruppe „Biologische Werkstoffe“ des Bionik-Innovations-Centrums (B-I-C) die verbesserte Nutzung von Pflanzenfasern und Biopolymeren erforscht oder in der Bioverfahrenstechnik werden Mikroalgenstämme für industrielle Prozesse optimiert.

In Bremen gibt es mehrere Gründer- und Start-up-Zentren: Im Fischereihafen in unmittelbarer Nähe zum Meer befindet sich das Biotechnologiezentrum Bio Nord. Mit einer Auslastung von rund 70% sind dort Start-ups der Lebenswissenschaften ansässig. Der Schwerpunkt liegt auf der sogenannten „Blauen Biotechnologie“, bei der Stoffe marinen Ursprungs beispielsweise für die Herstellung von Nahrungsmitteln, kosmetischen oder medizinischen Produkten genutzt werden. Durch die Konzentration der Unternehmen und der Forschung an einem Standort wurde ein Kompetenznetzwerk geschaffen und der Wissenstransfer und die Entwicklung innerhalb gemeinsamer Projekte beschleunigt. Auch das Bremer Innovations- und Technologiezentrum BITZ unterstützt Biotech-Start-ups und junge Unternehmen der Lebensmittel- und Umwelttechnologie auf dem Weg in die Selbständigkeit.

Sowohl im Biotechnologiezentrum Bio Nord als auch im BITZ befindet sich ein Büro des i3-Life Science Clusters Nordwest, zu dem sich 2015 acht kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie zwei Forschungseinrichtungen mit dem Schwerpunkt „Molekulare Analytik und Diagnostik“ zusammengeschlossen haben. Das Netzwerk wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert und laufend erweitert.

Mit der Initiative „Green Economy“ setzt die Bremerhavener Wirtschaftsförderung den Fokus auf nachhaltige Industrieprojekte, darunter auch solche aus der Genuss- und Lebensmittelbranche. Die Herstellung biobasierter Produkte oder die Nutzung biologischer Ressourcen machen bei der Initiative jedoch nur einen kleinen Teil des gesamten Projektspektrums aus.

Bioökonomie in Brandenburg

Brandenburg umschließt das Bundesland Berlin. Mit Berlin und Potsdam im Zentrum und wirtschaftlich wichtigen Forschungs- und Industriestandorten im Umland haben sich länderübergreifende Fördermaßnahmen als sinnvoll erwiesen. Darüber hinaus bietet Brandenburg mit untereinander vernetzten Forschungszentren und Industriestandorten ideale Voraussetzungen für die Bioökonomie-Forschung. Brandenburgs Potenzial ist groß und sollte in Zukunft deshalb auch noch besser sichtbar werden.

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Politische Grundlagen

Im Jahr 2011 ist eine „Potenzialanalyse zur regionalen Bioökonomie in Berlin und Brandenburg“ durchgeführt worden. Seit dieser Zeit verfügen die beiden Bundesländer Brandenburg und Berlin mit der innoBB auch über eine gemeinsame Strategie zur Förderung verschiedener Wirtschaftszweige. So wird beispielsweise in dem länderübergreifenden Cluster zur Gesundheitswirtschaft/Life Science zu vielen Biotechnologie- und Bioökonomie-Themen geforscht (s. dazu auch das Dossier: Bioökonomie in Berlin). Neben den fünf länderübergreifenden Clustern mit Berlin fokussiert sich die landeseigene Förderung zur Bioökonomie vor allem auf drei Zentren zu Ernährungswirtschaft, Kunststoffe/Chemie und Metall. Sie werden von der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB, vormals ZukunftsAgentur) verwaltet.

Im Cluster Kunststoffe und Chemie wird die wertschöpfende stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe und biologischer Reststoffe gefördert. Auf der Kooperationsbörse des Clusters wird aktiv und öffentlich nach spezialisierten Partnern für Projekte gesucht und die Vernetzung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen gefördert. Kooperationsverbünde mit überregionalen Netzwerken aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind ein weiteres Zeil des Clusters.

Auch mit dem Cluster Ernährungswirtschaft Brandenburg wird die Bioökonomie in Brandenburg gefördert. Es sollen regionale Wertschöpfungsketten verbessert, innovative Produkte und Verfahren entwickelt und die Bevölkerung für die bewusste und gesunde Ernährung sensibilisiert werden. Das Regionalimage soll zusätzlich gestärkt werden, um dadurch regionaler Produkte noch attraktiver zu machen.

Kernanliegen der Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg sind der weitere Ausbau Erneuerbarer Energien, die Steigerung der Energieeffizienz sowie die drastische Senkung der CO2-Emissionen. Grundaussagen zur stofflichen und energetischen Nutzung von Biomasse sind in der Biomassestrategie des Landes Brandenburg von 2010 enthalten.

Im Rahmen der 2013 formulierten Hochschulentwicklungsplanung 2025 soll in Brandenburg das Lehrangebot auf dem Gebiet der nachhaltigen Landnutzung und der Bioökonomie geprüft und ausgebaut werden. Im Zentrum des Interesses stehen dabei der Kreislaufgedanke und Möglichkeiten zur Kaskadennutzung. Dies war auch Thema der zweiten „Biobased Economy Conference“ 2017 in Potsdam. Mit dieser und weiteren Konferenzen wird der Dialog zur Bioökonomie gefördert.

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Forschungslandschaft

Brandenburg verfügt über fünf Universitäten, neun Fachhochschulen und weitere außeruniversitäre Forschungsinstitutionen, der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF), der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Davon forschen mehrere Einrichtungen zu bioökonomischen Themen beispielsweise das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam. Neben den Standorten in Potsdam und Berlin sind auch die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE) und die Technische Hochschule Wildau (TH Wildau) wichtige Bioökonomie-Forschungszentren.

Um vorhandenes Wissen und die Ressourcen zu bündeln wurde die Initiative Innovationszentrum Bioplastics Lausitz im Süden des Landes Brandenburg vom des Kunststoff-Verbund Brandenburg Berlin (KuVBB), dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) in Potsdam-Golm, der BASF Schwarzheide GmbH und der Energieregion Lausitz-Spreewald GmbH gegründet. Die Initiative wurde zusätzlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Vom Innovationszentrum Bioplastics wurde ein „Innovationsforum“ gegründet. Dadurch werden Forschung und Technologieentwicklung stärker vernetzt und Forschungseinrichtungen, Produzenten und Anwender arbeiten gemeinsam an der Herstellung von Biopolymeren und biobasierten Kunststoffen. Neben den Kooperationen mit Berlin bestehen auch überregionale Forschungskooperationen mit Institutionen anderer Bundesländer. So arbeiten beispielsweise das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie Potsdam und das Max-Planck-Institut für Biochemie in Jena zusammen, um Schnittholz aus Obst- und Weinbau als Energiequelle besser nutzbar zu machen.

Bioökonomie in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein, das Land zwischen Nord- und Ostsee, sieht sein bioökonomisches Potenzial gemäß der geografischen Lage, vorwiegend maritim geprägt. Ein Masterplan Bioökonomie soll entwickelt werden. Wichtige Themen sowohl für den Wirtschafts- als auch für den Wissenschaftsstandort sind nachhaltige Aquakultur, die marine Biotechnologie und eine nachhaltige Energieversorgung. Forschung und Entwicklung in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Bioökonomie sowie die Clusterbildung sollen entsprechend, auch über Landesgrenzen hinweg, gefördert werden.

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Politische Grundlagen

Bereits seit 2003 dient die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Schleswig-Holstein als politischer Handlungsrahmen. 2016 beschließt die Landesregierung, die Landesentwicklungsstrategie und die Fachstrategien des Landes an den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (UN) auszurichten, um so einen Beitrag zur nationalen und internationalen Zielerreichung zu leisten.

In der Regionalen Innovationsstrategie von 2014 wird der Bioökonomie eine wichtige Funktion sowohl beim Ressourcenschutz als auch beim Gelingen der Energiewende zugeschrieben. Der zu entwickelnde Masterplan Bioökonomie Schleswig-Holstein soll als Teilstrategie die Innovationsstrategie ergänzen. Ein wichtiges Element zur Erreichung der strategischen Ziele im Kontext der Energiewende und einer CO2-ärmeren Wirtschaft ist die Positionierung und Weiterentwicklung Schleswig-Holsteins als maritim geprägter Standort. Potenzial wird vor allem in der nachhaltigen, modernen Aquakultur, der marinen Biotechnologie und im Bereich der Anlagentechnik identifiziert.

Bereits im 2007 erstellten MasterplanMaritime Technologien in Schleswig-Holstein wird die Marine Biotechnologie als entwicklungsfähige und zukunftsweisende Querschnittstechnologie genannt. Auch der Masterplan Marine Biotechnologie, der 2012 erstellt wurde, enthält bioökonomische Anforderungen: „Die Marine Biotechnologie soll mit erheblicher Wertschöpfung einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit und Lebensqualität der Menschen leisten und dabei gleichzeitig die Meeresökosysteme und ihre natürlichen Ressourcen schützen und erhalten.“ Allein für Schleswig-Holstein nennt der Masterplan Marine Biotechnologie 14 Wissenschafts- und Forschungseinheiten und 26 zumeist kleine Unternehmen, die sich mit Mariner Biotechnologie beschäftigen.

Die Weiterentwicklung regionaler Aktivitäten und die Clusterbildung wird insbesondere für die Spezialisierungsfelder der Regionalen Innovationsstrategie gefördert, auch über die Landesgrenzen hinaus.

Im Jahr 2015 unterzeichneten Handlungsplan für die regionale Zusammenarbeit 2016/2017 beschließen die Landesregierung Schleswig-Holsteins und die dänische Region Seeland zukünftig enger zusammenzuarbeiten. Ein erster Schritt soll sein, die Akteure aus Bioökonomie, e-Health und Telemedizin zusammenzubringen, um Potenziale und Kooperationsmöglichkeiten zu erschließen.

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Forschungslandschaft

Neun staatliche Hochschulen mit einer breiten Fächerbasis und hochschulspezifischen Forschungsschwerpunkten gibt es in Schleswig-Holstein. Ergänzt wird das Spektrum durch zahlreiche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, wie z. B. das GEOMAR, das Helmholtz-Zentrum Geesthacht, das Forschungszentrum Borstel und die Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik (EMB).

Betrachtet man die Forschungskompetenzen im Land Schleswig-Holstein, so zeigen sich – entsprechend der Spezialisierungsfelder der Regionalen Innovationsstrategie – Stärken insbesondere in den folgenden Gebieten:

Meeresforschung / Maritime Technologien, Medizintechnik/Life Sciences, Erneuerbare Energien, Ernährungswirtschaft, IKT.

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) konnte beispielsweise in zwei Förderperioden der Bundesexzellenzinitiative bereits drei Projekte einwerben. Darunter das Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“. Die Ozeane spielen eine wichtige Rolle für das globale Klima, gleichzeitig bieten sie für den Menschen nutzbare Ressourcen, in Form von Nahrung, Medizin und Energie. Unter Leitung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wird gemeinsam mit den ebenfalls in Schleswig-Holstein ansässigen außeruniversitären Partnern GEOMAR I Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, Institut für Weltwirtschaft (IfW) sowie der Muthesius Kunsthochschule an diesen Themen geforscht.

Biomasse trägt schon heute erheblich zur Energieversorgung Schleswig-Holsteins bei. Um das Potenzial, das in Biomasse steckt – sowohl für die energetische als auch für die stoffliche Nutzung – zu erschließen, wurde bereits seit 2009 das Kompetenzzentrum Biomassenutzung in Schleswig-Holstein aufgebaut. Partner aus Forschung und Wirtschaft erarbeiteten Lösungen für die nachhaltige Biomassenutzung. 2015 wurde das Kompetenzzentrum Biomassennutzung Teil des Kompetenzzentrums Erneuerbare Energien und Klimaschutz.

Bioökonomie in Thüringen

Eine spezifische Bioökonomiestrategie gibt es in Thüringen nicht. Das Potenzial der Bioökonomie wurde jedoch erkannt und soll entsprechend genutzt werden. Dies zeigt sich in verschiedenen relevanten Strategiepapieren. Bei der Umsetzung der Strategien setzt die Landesregierung in Thüringen auf die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Politik.

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Politische Grundlagen

Bereits im November 2011 wurde die Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet. Nachhaltiges Handeln wird hier erstmals als wichtige Querschnittsaufgabe aller Politikbereiche der Landespolitik definiert.

Die Potenziale der Bioökonomie vor allem in der Nutzung einheimischer, nachwachsender Rohstoffe und biogenen Abfalls zu erschließen, ist Teil des ebenfalls 2011 formulierten Energiekonzepts Thüringen. Bis 2018 soll eine Integrierte Energie- und Klimaschutz-strategie des Freistaates Thüringen erarbeitet und von der Landesregierung verabschiedet werden. Darin sollen Maßnahmen aufgezeigt werden, wie u. a. der Energiebedarf Thüringens bis zum Jahr 2040 zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann.

Im Juni 2014 wurde die Regionale Forschungs- und Innovationsstrategie für intelligente Spezialisierung für Thüringen (RIS3 Thüringen) beschlossen. Vorhandene Potentiale sollen demnach für intelligentes und nachhaltiges Wachstum genutzt und weiterentwickelt werden.
Vier Spezialisierungsfelder (Industrielle Produktion und Systeme, Nachhaltige und intelligente Mobilität und Logistik, Gesundes Leben und Gesundheitswirtschaft, Nachhaltige Energie und Ressourcenverwendung) und ein Querschnittsfeld wurden identifiziert (Informations- und Kommunikationstechnologien, innovative und produktionsnahe Dienstleistungen). Die Bioökonomie findet sich im Spezialisierungsfeld Nachhaltige Energie und Ressourcenverwendung.
Elementarer Baustein der RIS3 Thüringen ist die Vernetzung aller Akteure. Wirtschaft, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Politik sollen kooperieren und Cluster bilden.  Koordiniert wird die Umsetzung der Innovationsstrategie durch das Thüringer Clustermanagement (ThCM), das bei der LEG Thüringen angesiedelt ist. Es fördert die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft und unterstützt den Clusterausbau im Freistaat.

Darüber hinaus beschloss der Landtag im Dezember 2016, die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen sowie den Weltklimavertrag zu unterstützen. Zusammen mit der Fortschreibung der Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie werden dafür geeignete Rahmenbedingungen und konkrete Maßnahmen, wie eine Thüringer Energie- und Klimaschutzstrategie, ein Aktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung und die Fortschreibung der Entwicklungspolitischen Leitlinien benannt.

Schon 2009 hat sich der Beirat für Nachhaltige Entwicklung in Thüringen konstituiert. Das Gremium besteht aktuell aus 15 Personen und befindet sich in seiner dritten Arbeitsperiode (bis 2020). Eine der Hauptaufgaben des Beirats ist die Mitwirkung bei der Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie Thüringens von 2011.

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Forschungslandschaft

Zur Thüringer Forschungslandschaft zählen neun staatliche Universitäten und Fachhochschulen, mehrere Institute außeruniversitärer Einrichtungen wie der Fraunhofer- und Max-Planck-Gesellschaft oder der Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft, außerdem weitere wirtschaftsnahe Forschungsinstitute.
Siebzehn Forschungsinstitute befassen sich unter anderem mit Bioökonomie-relevanten Themen. Entsprechend der Regionalen Forschungs- und Innovationsstrategie RIS3 Thüringen liegt der Fokus im Spezialisierungsfeld Nachhaltige Energie und Ressourcenverwendung, hier spielt auch die Materialforschung eine zentrale Rolle.

Richtlinie zur Förderung der Forschung
Der Aufbau der Forschungsinfrastruktur sowie wissenschaftliche Forschungsvorhaben werden über die Richtlinie zur Förderung der Forschung durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft gefördert. Voraussetzung ist, dass die Projekte den nachhaltigen Ausbau von Forschungsschwerpunkten in Thüringen unterstützen und sich der Regionalen Forschungs- und Innovationsstrategie für intelligente Spezialisierung RIS3 zuordnen lassen.

Bioökonomie in Sachsen-Anhalt

Bioökonomie und biobasierte Wirtschaft spielen in Sachsen-Anhalt eine wichtige Rolle.
Gemeinsam mit dem Nachbarn Sachsen ist Sachsen-Anhalt Schwerpunktregion des mitteldeutschen Spitzenclusters BioEconomy. Wichtige akademische Impulse liefert der Wissenschaftscampus Halle, an dem die vier Leibniz-Institute der Region mit den entsprechenden Instituten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) interdisziplinär zusammenarbeiten. Jährlich wird vom Campus in Kooperation mit dem Spitzencluster BioEconomy eine internationale Bioeconomy Conference ausgerichtet.

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Politische Grundlagen

In der vom Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft erarbeiteten Regionalen Innovationsstrategie Sachsen-Anhalt 2014 – 2020 des Landes zählt der Bereich „Chemie und Bioökonomie“ zu den fünf identifizierten Leitmärkten. Die Landesregierung verfolgt einen breiten Ansatz, unter anderem werden die Verbreiterung der Rohstoffbasis durch Erschließung der Nutzungsmöglichkeiten der heimischen Braunkohle sowie die stoffliche und energetische Nutzung von nicht ernährungsgeeigneten nachwachsenden Rohstoffen wie Holz genannt. Die Entwicklung einer Landesinitiative zur Biologisierung der Industrie wird in Aussicht gestellt. Dieser Ansatz geht einher mit den regionalen Stärken des Landes in der Landwirtschaft, der Kunststoffverarbeitung und der Chemie sowie dem politischen Ziel, den Verbrauch erneuerbarer Energien zu forcieren.

2012 konnte sich der mitteldeutsche Cluster BioEconomy als einer der Gewinner in der dritten Runde des Spitzenclusterwettbewerbs des BMBF durchsetzen und sicherte sich damit eine Förderung über 40 Millionen bis 2017. Bereits seit 2013 wird der Cluster BioEconomy in Ergänzung zur Spitzenclusterförderung des Bundes auch vom Land gefördert, Mitte 2017 wurde die Verlängerung dieser Unterstützung bis 2026 beschlossen.

Inhaltlich fokussiert der Cluster auf die maximale Wertschöpfung von Holz durch Koppel- und Kaskadennutzung. Um dies zu erreichen und Sachsen-Anhalt als Zentrum der holzbasierten Bioökonomie zu etablieren, soll die regionale und überregionale Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und wirtschaftsnahen Einrichtungen im biobasierten Umfeld unterstützt werden, Forschungsprojekte und die Errichtung von Pilotanlagen sollen angestoßen werden.

Ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit, ist die am Fraunhofer-Zentrum für chemisch-biotechnologische Prozesse CBP bereits in Betrieb genommene Pilotanlage zum Aufschluss von Lignocellulosen.

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Forschungslandschaft

Zwei Universitäten, vier Fachhochschulen und einer Vielzahl außeruniversitäre Forschungseinrichtungen finden sich in Sachsen-Anhalt. Um deren Potenzial auszuschöpfen wird auch in der Forschungslandschaft auf Verbundforschung gesetzt. Kooperationen sollen ausgebaut und Verbundforschung gestärkt werden – dies greift auch die Landesexzellenzoffensive auf. Sie betont ausdrücklich die Notwendigkeit der Vernetzung zwischen den Hochschulen sowie zwischen Hochschulen und außeruniversitärer Forschung, insbesondere in den Bereichen Agrar- und Ingenieurwissenschaften.

Aus bestehenden Kooperationen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind bereits Zentren wie der Wissenschaftscampus für pflanzenbasierte Bioökonomie, das  Interdisziplinäre Zentrum für Nutzpflanzenforschung oder das länderübergreifende Biodiversitätsforschungszentrum (iDiv) hervorgegangen.

Mit der Errichtung des Spitzenclusters BioEconomy wurde auch das Forschungsgebiet Bioökonomie im Land gestärkt. Zu den Partnern des Clusters zählen viele Forschungseinrichtungen. Neben dem Fraunhofer-Zentrum CBP, dem Fraunhofer-Pilotanlagenzentrum für Polymersynthese und Polymerverarbeitung (PAZ) in Schkopau und dem Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik (IWM) in Halle sind die Martin-Luther-Universität (MLU), das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ), das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), die Handelshochschule Leipzig und viele andere eingebunden.

Am Forschungszentrum Dynamische Systeme (CDS) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) arbeiten Wissenschaftler daran, ein grundlegendes Verständnis komplexer dynamischer Systeme in Biomedizin, chemischen Produktionssystemen sowie Prozessen der Energiewandlung zu gewinnen.

Aber auch Politikwissenschaftler beschäftigen sich in Magdeburg mit der Bioökonomie, beispielsweise im Projekt Bio-Ökopoli. Untersucht wird, welche politischen Prozesse in Deutschland dazu beitragen, Konflikte zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umweltschutzbelangen, zwischen Ökonomie und Ökologie, zu lösen und zu einer nachhaltig produzierenden, also bioökonomisch basierten Volkswirtschaft führen.

Nicht nur für den akademischen Nachwuchs ist in Sachsen-Anhalt gesorgt, am Biotechnologie-Campus Gatersleben soll nun zusätzlich zur Meisterausbildung auch eine Berufsausbildung „Pflanzentechnologie“ etabliert werden.

Bioökonomie in Rheinland-Pfalz

Bekannt ist Rheinland-Pfalz vor allem für den Weinanbau. Neben der Land- und Forstwirtschaft prägen die Chemie- und die Pharmaindustrie, die Automobilindustrie sowie der Maschinenbau und die Ernährungsbranche das Land. Eine spezifische Bioökonomie-Strategie gibt es nicht. Lebenswissenschaften und Energie, Umwelttechnik und Ressourceneffizienz werden jedoch als Potenzialbereiche in der 2014 beschlossenen Regionalen Innovationsstrategie genannt.

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Politische Grundlagen

Integraler Bestandteil der rheinland-pfälzischen Innovationsstrategie sind Energie, Umwelttechnik und Ressourceneffizienz. Die Beförderung von Umweltinnovationen unter anderem zur Steigerung der innovationsorientierten Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz der Wirtschaft, ist eines der Querschnittsziele der Innovationsstrategie in Rheinland-Pfalz.

Bereits seit 2001 gibt es in Rheinland-Pfalz eine Nachhaltigkeitsstrategie. Diese wird regelmäßig fortgeschrieben und an aktuelle Entwicklungen angepasst. Zu den Kernthemen der Fortschreibung 2015 zählen nachhaltiges Wirtschaften, Ressourcen- und Klimaschutz sowie der Erhalt der biologischen Vielfalt. Besonderes Augenmerk liegt auf der Nutzung erneuerbarer Energien, auf energie- und ressourceneffizientem Wirtschaften hin zur Schließung von Stoffkreisläufen, also einer echten Kreislaufwirtschaft.

Die Kreislaufwirtschaft wird durch die Landesregierung mit einer Reihe von Maßnahmen gefördert. Im rheinland-pfälzischen Bündnisses „Kreislaufwirtschaft auf dem Bau“ verpflichten sich die Mitglieder, die Kreislaufwirtschaft im Bausektor zu fördern. Bei Landesbaumaßnahmen soll der Einsatz von gütegesicherten recycelten Baustoffen bereits in der Planungsphase sowie bei der Ausschreibung berücksichtigt werden.

Das 2009 eingerichtete Cluster "Holzbau-Cluster RLP" verfolgt das Ziel, die Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz zu stärken und vorhandene Netzwerkstrukturen weiter zu entwickeln. Ein Vorzeigeprojekt für nachhaltige Nutzung ist beispielsweise das Null-Emissions-Sägewerk in Dudeldorf/Eifel. Der Energiebedarf für Strom und Heizung wird vollständig durch regenerative Energien gedeckt, Gebäudehülle und Tragwerk wurden komplett mit Holz aus der heimischen Eifelregion errichtet.

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Forschungslandschaft

Zur Forschungslandschaft in Rheinland-Pfalz zählen vier Universitäten und sieben staatliche Hochschulen. An bioökonomisch relevanten Themen wird vor allem an den Hochschulen gearbeitet. So liegen die Forschungsschwerpunkte der Hochschule Bingen bei den Themen Energie, Mobilität, Informationstechnik sowie Agrarwirtschaft und Umwelt.

An der Hochschule Trier beschäftigen sich die Wissenschaftler und Studierenden mit Technologien für nachhaltige Entwicklung, Stoffstrommanagement, der Energie- und Umwelttechnik, der Informationstechnik und den Lebenswissenschaften. Insbesondere der  Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier verfügt über ein breites Angebot an nachhaltigen und zukunftsorientierten Studiengängen wie z. B. Bio- und Pharmatechnik, nachhaltige Ressourcenwirtschaft, Umwelt- und Wirtschaftsinformatik, Sustainable Change.

Aber auch an der Universität Kaiserslautern widmet man sich bioökonomischen Themen. So war die Technische Universität Kaiserslautern 2013 bei der Ausschreibung der Carl-Zeiss-Stiftung im Programm zur Stärkung der Forschungsstrukturen an Universitäten erfolgreich. Dem Landesforschungsschwerpunkt NanoKat, der bereits seit 2008 durch die Forschungsinitiative des Landes-Rheinland-Pfalz gefördert wird, wurde 1 Million Euro zur Verfügung gestellt, um neue Prozesse zur ressourceneffizienten Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen zu entwickeln. Aus diesem Landesforschungsschwerpunkt heraus entstand das Zentrum für ressourceneffiziente Chemie und Rohstoffwandel (RCR). Ziel des Zentrums ist die Entwicklung innovativer Wege in der Chemie und Verfahrenstechnik im Bereich der Umwandlung biogener Rohstoffe in Wertstoffe.

Das RCR kooperiert eng mit dem FH-Uni-Forschungskolleg MAGNENZ. RCR und MAGNENZ haben die gemeinschaftliche Etablierung neuer Stoffwandlungsketten im Fokus, um nachhaltige Beiträge zur Bioökonomie zu liefern.

Bioökonomie in Sachsen

Nachhaltige Wirtschaft und Bioökonomie gehören in Sachsen zu den zentralen Themen. Gemeinsam mit dem Nachbarn Sachsen-Anhalt ist Sachsen Schwerpunktregion des mitteldeutschen Spitzenclusters Bioeconomy. Die Interessen der Biotechnologie und Medizintechnik im Land bündelt das Cluster biosaxony. In beiden Clustern sind namhafte Partner aus der Wissenschaft vertreten. Sie fördern Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen und organisieren Veranstaltungen.

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Politische Grundlagen

Sachsen integriert die Bioökonomie in der Regionalen Innovationsstrategie, die 2013 beschlossen wurde, in das Zukunftsfeld „Umwelt und Ressourcen“. Traditionelle Bereiche wie Agrar-, Ernährungs- und Forstwirtschaft werden als wichtige Sektoren aus dem Bereich der Bioökonomie in Sachsen genannt. Außerdem vertreten sind Papier- und Zellstoffwirtschaft sowie biobasierte Industrien (Biokraftstoffe, Biochemikalien, Faserstoffe). Zunehmende Bedeutung gewinnt auch der Bereich der Bioenergie. So liegt das Potenzial an nachhaltiger Stromerzeugung aus Biogas bei ca. 10% des Stromverbrauchs in Sachsen. Ein Strategiepapier zur Zukunft der Energieforschung in Sachsen ist in Planung.

In den vergangenen Jahren hat Sachsen durch die Etablierung der modernen Biotechnologie bereits die Weichen gestellt für den Wandel zu einer biobasierten Wirtschaft. Durch den Einsatz biotechnologischer Methoden und Verfahren können erdölbasierte Produkte substituiert und neue Produkte geschaffen werden. Sachsen verfügt nicht nur über eine starke Biotech-Region, sondern auch über eine der dichtesten Biotech-Forschungslandschaften in Deutschland. Mehr als 30 universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen sind auf verschiedenen Themenfeldern der modernen Biotechnologie tätig. Seit 2009 engagiert sich das Cluster Biosaxony e. V. für die Biotechnologie und die angrenzenden Bereiche wie Materialwissenschaft und Medizintechnik in Sachsen.

2012 konnte sich das mitteldeutsche Cluster Bioeconomy als einer der Gewinner in der dritten Runde des BMBF-Spitzenclusterwettbewerbs durchsetzen und sicherte sich damit eine Förderung über 40 Mio. Euro. Inhaltlich fokussiert das Cluster auf die maximale Wertschöpfung von Holz durch Koppel- und Kaskadennutzung. Um dies zu erreichen, soll die regionale und überregionale Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und wirtschaftsnahen Einrichtungen im biobasierten Umfeld unterstützt werden, Forschungsprojekte und die Errichtung von Pilotanlagen sollen angestoßen werden.

Auch über die Landesgrenze hinweg, fördert der Freistaat die Bioökonomie. Als Teil des internationalen Netzwerkes ERA CoBioTech unterstützt Sachsen zusammen mit 21 Förder-organisationen aus 18 Ländern transnationale Verbundprojekte zum Thema „Biotechnology for a sustainable bioeconomy“. Ziel von CoBioTech ist es unter anderem, Chancen, die sich durch die Bioökonomie für die Gesellschaft bieten, hervorzuheben und die globale Position Europas im Bereich der modernen Biotechnologien zu stärken.

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Forschungslandschaft

Die Universitätsstädte Leipzig, Dresden, Chemnitz und Freiberg sowie weitere Hochschulstandorte, an denen zu biotechnologischen und bioökonomischen Themen geforscht wird, zeichnen Sachsen als Forschungsstandort aus. Außerdem sind zahlreiche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Sachsen angesiedelt. Diese sind sowohl untereinander als auch mit der Wirtschaft vernetzt. Wichtiger Innovationstreiber in Sachen Bioökonomie ist auch die Sächsische Akademie der Wissenschaften, die entsprechende Forschungsvorhaben unterstützt und mit Vorträgen und Diskussionen den wissenschaftlichen Austausch fördert.

Einige fachspezifische Netzwerke gibt es im Freistaat. Dazu gehören das bereits erwähnte Netzwerk biosaxony im Bereich der Biotechnologie sowie der angrenzenden Ingenieurwissenschaften, sowie das Cluster Bioeconomy. Neben dem Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) – bei beiden stehen Forschung im Themenbereich Bioökonomie im Mittelpunkt – ist auch das Institut für Holztechnologie sowie die Technische Universität Dresden eingebunden. Ein weiteres Netzwerk ist der Materialforschungsverbund Dresden. Der Verbund ist bereits seit 1993 aktiv und vereint rund 20 universitäre, außeruniversitäre und Industrie-Forschungseinrichtungen vorwiegend aus den Fachbereichen Werkstofftechnik und Materialforschung. Das Spektrum der Forschungstätigkeit erstreckt sich von der Grundlagen- bis hin zur angewandten Forschung und Entwicklung.

2012 bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft nach dem Zentrum für Regenerative Medizin in Dresden, das zweite DFG-Forschungszentrum in Sachsen, das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Getragen wird es von der Universität Leipzig (UL), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU). Beteiligt sind auch acht außeruniversitäre Forschungseinrichtungen: das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) , drei Max-Planck-Institute sowie vier Leibniz-Institute. In einer ersten Förderrunde wurde das Zentrum mit 33.1 Mio. Euro unterstützt, bis 2020 stehen dem iDiv in einer zweiten Förderrunde 36,4 Mio. Euro zur Verfügung. Erforscht werden sollen die natürlichen Lebensgrundlagen. Ziel ist der Schutz der biologischen Vielfalt.

Bioökonomie in Niedersachsen

Eine dezidierte Bioökonomie-Strategie gibt es in Niedersachsen nicht. Die Potenziale der wissensbasierten Bioökonomie wurden dennoch erkannt. Die Landesregierung unterstützt die Bildung von relevanten Netzwerken, und fördert die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Forschung und Öffentlicher Hand. Einen Masterplan Bioökonomie auf regionaler Ebene hat die Region Weser-Ems erstellt.

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Politische Grundlagen

Als Flächenland sieht die Landesregierung Niedersachsens das Potenzial der Bioökonomie vor allem in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Obwohl es keine explizite Bioökonomiestrategie für Niedersachsen gibt, ist das Land bereits seit einigen Jahren entsprechend aktiv und unterstützt die Bildung relevanter Netzwerke.

Bereits 2006 wurde in Niedersachsen mit Unterstützung sowohl des Landwirtschaft- als auch des Umweltministeriums das 3N Kompetenzzentrums eingerichtet. Das Zentrum soll die Entwicklung und den Einsatz nachwachsender Rohstoffe zur stofflichen und energetischen Nutzung unterstützen, Wissenschaft und Forschung fördern und die interdisziplinäre Zusammenarbeit anregen. Außerdem sollen die nationalen und europäischen Ziele zur Etablierung einer nachhaltigen biobasierten Wirtschaft unterstützt werden.

Das niedersächsische Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft (NieKE), das 2010 an den Start ging, ist Teil der Landesinitiative Ernährungswirtschaft und wird ebenfalls durch das niedersächsische Wirtschaftsministerium gefördert. „Bioökonomie und Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette“ ist einer von vier Themenschwerpunkten.

BioRegioN ist Niedersachsens Netzwerk für die Lebenswissenschaften, das aus 260 Akteuren wie Unternehmen, Hochschulen und Institutionen aus dem Bereich der Biotechnologie besteht, und mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums agiert. Themenschwerpunkte sind die industrielle Biotechnologie und die Bioökonomie.

Im Osnabrücker Land wurde 2015, ebenfalls mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums, der Business- und Innovationspark Quakenbrück – BIQ eröffnet. Ziel des BIQ sind u. a. Ansiedlung und Gründung von Start-ups besonders aus Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie die Förderung von Kooperationen.

Um den verschiedenen Regionen des Landes gerecht zu werden und eine jeweils eigenständige und nachhaltige Entwicklung entsprechend der gegebenen Besonderheiten zu gewährleisten, setzte Niedersachsens Landesregierung vier Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung ein. Zu ihren Aufgaben gehört es, regionale Handlungs­strategien zu erarbeiten.

In Sachen Bioökonomie war die Region Weser-Ems richtungsweisend. Sie entwickelte eine Innovationsstrategie mit den Schwerpunkten Bioökonomie, maritime Wirtschaft und Energiewirtschaft. Ein zugehöriger Strategierat Bioökonomie setzt sich aus über 20 Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Im April 2015 veröffentlichte der Rat den Masterplan Bioökonomie 2020.

2016 wurde vom niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erstmals ein Holzbaupreis ausgelobt. Der „Holzbaupreis Niedersachsen“

soll Gebäude auszeichnen, die überwiegend aus Holz und Holzwerkstoffen sowie weiteren nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Ziel des Wettbewerbs ist es, die Verwendung und Weiterentwicklung des ressourcenschonenden, umweltfreundlichen und nachhaltigen Baustoffes zu fördern.

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Forschungslandschaft

Niedersachsen verfügt mit 13 Universitäten, 26 Hochschulen und zahlreichen außeruniversitären Forschungsinstituten über eine vielfältige Forschungslandschaft.

Auch was Forschung im Bereich Bioökonomie angeht, zeigt sich die Region Weser-Ems als Vorreiter. Nicht nur die Geschäftsstelle der Landesinitiative Ernährungswirtschaft (NieKE) ist dort angesiedelt. Unter Federführung der Universität Vechta arbeiten Wissenschaftler der Hochschule Osnabrück, der Universitäten Braunschweig, Göttingen und Hannover sowie des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik (DIL) am Projekt Bioökonomie 2.0. Ziel des Verbundprojektes ist es, neue Wertstoffe (Ballaststoffe, natürliche Aromastoffe und Enzyme) für die Lebensmittelproduktion aus pflanzlichen Nebenströmen zu gewinnen. Das Projekt basiert auf lebensmittel- und biotechnologischen Verfahren zur innovativen Verwertung von pflanzlichen Nebenströmen aus der Kartoffel-, Karotten- und Rapsverarbeitung.

Da die globalen Herausforderungen zur nachhaltigen Ernährung, Energieversorgung und zum Ressourcenerhalt nur interdisziplinär gelöst werden können, wurde 2007 das Kompetenzzentrum COALA an der Hochschule Osnabrück gegründet. COALA verzahnt die Forschungsaktivitäten der verschiedenen Fachgebiete (insbesondere Agrarwissenschaften, Elektrotechnik, Informatik und Maschinenbau) und fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Auch im Projekt "Bio-Ökonomie im Non-Food Sektor" ist die Hochschule Osnabrück Partner. Im Zeitraum 2015 bis 2018 sollen neue biobasierte Materialien entwickelt werden, die dazu beitragen, Rohstoffressourcen und Umwelt zu schonen.

Aber auch in anderen Regionen Niedersachsens wird an bioökonomischen Themen geforscht.

Bereits 2002 entstand das Kompetenznetz für Nachhaltige Holznutzung (NHN). Mitglieder im Kompetenznetz sind die Georg-August-Universität Göttingen, das Fraunhofer-Institut für Holzforschung, die niedersächsischen Landesforsten, die Technische Universität Braunschweig sowie weitere Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft. Auch hier ist das Ziel, interdisziplinäre und institutionsübergreifende Kooperationen zu fördern und anwendungsorientierte Forschungsprojekte zu unterstützen.

Bioökonomie in Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen will zu einem führenden europäischen Standort für Bioökonomie werden. Im Jahr 2012 hat die Landesregierung Eckpunkte einer Strategie entwickelt, die die wissensbasierte Bioökonomie voranbringen sollen. Das Land verfügt über hinreichend nachwachsende Rohstoffe und eine starke wissenschaftliche und wirtschaftliche Basis in bioökonomie-relevanten Bereichen. 

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Politische Grundlagen

Unter Federführung des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung veröffentliche die Landesregierung 2013 die Eckpunkte einer Bioökonomiestrategie für Nordrhein-Westfalen. Als erste Region in Europa erweitert Nordrhein-Westfalen, in Übereinstimmung mit der Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), den Begriff der Bioökonomie um den Gesundheitssektor. Besondere landesspezifische Schwerpunkte werden in der starken Life-Science-Branche Nordrhein-Westfalens gesehen, da insbesondere die Biotechnologie technologische Lösungsansätze ermöglicht. Als besondere Schwerpunkte gelten Biopolymere, Raffinerien und Biopharmazeutika.

In insgesamt 15 Branchen- und Technologiefeldern fördert die Landesregierung Nordrhein-Westfalens mit ihrer Clusterpolitik die Zusammenarbeit von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Öffentlicher Hand. Eines, der im Rahmen der Landesclusterinitiative vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (MIWF) getragenen bioökonomie-relevanten Cluster ist Bio.NRW. Bio.NRW bündelt die Stärken der nordrhein-westfälischen Biotechnologie, fördert Kooperationen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf Landesebene, aber auch national und international.

Ein weiteres relevantes Cluster ist CLIB2021. Das Excellenzcluster entstand 2008 als BMBF-Cluster-Projekt und ist inzwischen selbstständig. Es fokussiert auf Themen der Bioökonomie und der industriellen Biotechnologie, von der Grundlagenforschung hin zu internationaler Vernetzung, von Projekten zum Stoffstrommanagement über die Förderung von Start-ups und KMU in der Bioökonomie werden alle Bereiche abgedeckt. Beispielsweise initiierte CLIB2021 das trinationale Mega-Cluster BIG-C (Bioinnovation growth mega-cluster). Das Netzwerk, dem Partner aus Belgien und den Niederlanden angehören, beschäftigt sich mit biobasierten Industrien und Innovationen. 2015 erhielt das Cluster Fördergelder in Höhe von vier Mio. Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), um Projekte zur Verwertung von Biomasse und Stoffströmen aus Industrieabgasen voranzutreiben.

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Forschungslandschaft

Nordrhein-Westfalen ist mit 70 Hochschulen und mehr als 50 außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein dynamischer Standort für Forschung und Entwicklung.

Zentraler wissenschaftlicher Akteur der Bioökonomie in NRW ist das 2010 gegründete Bioeconomy Science Center (BioSC) in Jülich. Die Universitäten Aachen, Düsseldorf und Bonn sowie das Forschungszentrum Jülich entwickelten auf Basis einer gemeinsamen Strategie und unter Einbeziehung bestehender Netzwerke und Kooperationen ein Konzept, in dem die relevanten Wissenschaftszweige zur Bereitstellung von Biomasse und biobasierten Produkten und Prozessen in einem Kompetenzzentrum vertreten sind.

Das BioSC fokussiert auf vier Forschungsschwerpunkte:

1) Nachhaltige pflanzliche Bioproduktion und Ressourcenschutz,

2) Mikrobielle und molekulare Stoffumwandlung,

3) Verfahrenstechnik nachwachsender Rohstoffe,

4) Ökonomie und gesellschaftliche Implikationen.

Als Querschnittsthemen gelten: 1) Systems Engineering, 2) Bioinformatik und Wissensmanagement, 3) Strukturbiologie

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das BioSC im Rahmen des NRW-Strategieprojekts zur Entwicklung einer Forschungsinfrastruktur zur Bioökonomie. Es stellt die erforderlichen Mittel zur weiteren Integration der Partner in Forschung, Entwicklung und Ausbildung zur Verfügung.

Das CLIB2021 und BioSC veranstalten jährliche Bioökonomie-Konferenzen.

Bioökonomie in Bayern

Nachhaltige Wirtschaft und Bioökonomie spielen in Bayern eine immer größere Rolle. Als erstes Bundesland berief Bayern 2015 einen eigenen Bioökonomierat ein, der die Ausgangssituation und Potenziale evaluierte. Durch den im Sommer 2017 beschlossenen Ausbau des Campus Straubing als Standort der Technischen Universität München mit Forschungs- und Ausbildungsschwerpunkt Bioökonomie hat der Freistaat einen weiteren Schritt unternommen, um die Bioökonomie auszubauen. Unternehmen und Forschungspartner werden über Plattformen miteinander vernetzt. Mit dem NAWAREUM verfügt Bayern außerdem über ein vom Land gefördertes Informations- und Erlebniszentrum zum Energie- und Rohstoffwandel.

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Politische Grundlagen

Bayern hat 2015 als erstes Bundesland einen Bioökonomierat für die Initiative „Bioökonomie für Bayern!“ im Auftrag des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einberufen. Die Broschüre zur Initiative kann auf der Website des Staatsministeriums als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Im Frühling 2016 erschien die erste Veröffentlichung des neunköpfigen Experten-Gremiums: „Die Bioökonomie in Bayern: Ausgangssituation und Potenziale“. Demnach muss die Vernetzung von den bioökonomischen Akteuren in der Wirtschaft mit der Politik ausgebaut werden. Neben weiteren Publikationen hat der bayerische Bioökonomierat im Mai 2017 die Broschüre "Die Grundsätze der Bioökonomie in Bayern" veröffentlicht. Der Rat gibt darin Leitlinien für die Entwicklung einer nachhaltigen Bioökonomie. Über Empfehlungen zur Förderung der Bioökonomie in Bayern informiert ebenfalls ein im Mai 2017 erschienenes kurzes Papier des Gremiums. Dabei sollten auch potenzielle Synergien in der Zusammenarbeit zwischen den Ministerien besser genutzt werden. Ebenfalls wichtig ist die Einbindung der Bioökonomie in bayerische Nachhaltigkeitsstrategien und die Sensibilisierung der Verbraucher für das Thema Bioökonomie wie beispielsweise mit dem NAWAREUM in Straubing. Im Juli 2017 hat der bayrischen Landtag zudem einstimmig den Ausbau des Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit mit Schwerpunkt Bioökonomie beschlossen (s. Kapitel Forschungslandschaft).

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Forschungslandschaft

In Bayern forschen verschiedene Institutionen zu bioökonomischen Themen. Die bayrische Cluster-Offensive beinhaltet bereits wichtige bioökonomische Teilbereiche. Mit der „Clusterpolitik“ werden auf Initiative des Wirtschaftsministeriums 17 landesweite Plattformen in der High-Tech-Industrie und in traditionellen Branchen gefördert. Diese sollen Unternehmen untereinander sowie mit Forschungseinrichtungen vernetzen. Insbesondere die Rubriken Umwelttechnologie, Biotechnologie/Ernährung, Forst und Holz sowie neue Werkstoffe schließen bioökonomische Themen ein. Das gesamte Netzwerk umfasst rund 8.500 Unternehmen sowie 1.100 Einzelprojekte.

Besonders hervorzuheben ist das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo). Es vereint das Wissenschaftszentrum Straubing (WZS), das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) und das „Centrale Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk“ e.V., kurz C.A.R.M.E.N.. Ab Oktober 2017 wird der Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit zudem als neuer Standort der Technischen Universität München (TUM) im Hinblick auf Bioökonomie ausgebaut. Alleinstellungsmerkmal sollen Forschung und Lehre mit Schwerpunkt auf nachwachsende Rohstoffe, Biotechnologie und Bioökonomie sein. Dazu werden zehn neue, fakultätsübergreifende Studiengänge eingerichtet. Diese beinhalten ab dem Wintersemester 2018/19 auch einen Bachelor- und einen Masterstudiengang Bioökonomie. Zudem finanziert der Freistaat Bayern am Standort Straubing sechs neue Professuren mit Fokus auf Bioökonomie und ein rund 40 Mio. Euro teures Labor- und Hörsaalgebäude.

Die Straubing BioCampus Straubing GmbH, deren Gesellschafter der Zweckverband Hafen Straubing-Sand ist, will den Ausbau der Technologieregion nachwachsender Rohstoffe zu fördern. Als Partner des KoNaRo unterstützt und vernetzt sie Unternehmen aus dem Bereich nachwachsende Rohstoffe. Dazu wurden im Hafen, im Industriepark und im Gründer- und Unternehmerzentrum (BioCubator) entsprechende Standortmöglichkeiten geschaffen. Die BioCampus GmbH ist zudem Netzwerkpartner des internationalen BioEconomy Regional Strategy Toolkit (BERST), einem Zusammenschluss von Regionen verschiedener europäischer Länder zum Ausbau der Bioökonomie. Hier findet auch eine internationale Vernetzung beispielsweise mit dem Madrid Biocluster aus Spanien und der Bio Base Westland aus den Niederlanden statt. Ein weiteres Programm mit bioökonomischen Inhalten ist der Projektverbund Ressourcenschonende Biotechnologie „BayBiotech“. Es wird vom Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit 2 Mio. Euro finanziert. Den Projektverbund bilden die Universitäten Erlangen-Nürnberg, die Universität Bayreuth und die Technische Universität München. Ein Koordinationsprojekt und sechs Fachprojekte überwiegend aus dem Bereich der Verfahrenstechnik werden gefördert.

Bioökonomie in Baden-Württemberg

Bioökonomie und nachhaltiges Wirtschaften spielen in Baden-Württemberg eine große Rolle. Dies zeigt sich zum einen an der politischen Weichenstellung mit einer landeseigenen Förderstrategie und einem eigenen Förderprogramm für Bioökonomie. Zum anderen befassen sich viele Forschungseinrichtungen mit Bioökonomie und der erste deutsche Masterstudiengang Bioökonomie wurde in Baden-Württemberg eingeführt. Eine enge Verknüpfung von Forschung und Wirtschaft wird durch gemeinsame Projekte von Forschungseinrichtungen mit Unternehmen, verschiedenen – auch internationalen – Konferenzen und einer Akteursplattform ermöglicht.

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Politische Grundlagen

Bereits 2013 hat Baden-Württemberg eine Forschungsstrategie „Bioökonomie im System aufstellen“ entwickelt. Der Strategieprozess wurde vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) initiiert, um Forschungseinrichtungen hinsichtlich ihres bioökonomischen Potenzials zu stärken. Ein Strategiekreis „Bioökonomie“ mit Wissenschaftlern aus allen relevanten Tätigkeitsfeldern entwickelte Schwerpunkte für die neuen Ausrichtungen. Zur Positionierung Baden-Württembergs in der Bioökonomie-Forschung gibt es das landeseigene Forschungsprogramm „Bioökonomie Baden-Württemberg“. Damit werden drei Forschungsverbünde zu den Themen Biogas, Lignocellulose und Mikroalgen sowie ein Kompetenznetz zur Modellierung und das standortübergreifende Graduiertenprogramm BBW ForWerts gefördert. Ebenfalls eingeschlossen sind Projekte in der sozialwissenschaftlichen und ökologischen Begleitforschung. Das umfangreiche Landesforschungsprogramm verbindet 15 Partner und 60 Teilprojekte miteinander. Bis 2019 stellt Baden-Württemberg dafür rund 13 Mio. Euro zur Verfügung. Koordiniert wird das Forschungsprogramm durch eine Geschäftsstelle an der Universität Hohenheim.

Die Landesgesellschaft BIOPRO Baden-Württemberg GmbH hat den Auftrag, Wissenschaft und Wirtschaft in den Bereichen Bioökonomie und Biotechnologie, Pharmazeutische Industrie und Medizintechnik zu vernetzen. BIOPRO hat dazu unter anderem eine Bioökonomie-Akteursplattform eingerichtet. Des Weiteren finden sich bei BIOPRO ein Cluster zu Biopolymeren/Biowerkstoffen und Bioenergie. Das Cluster vernetzt deutschlandweit 150 Unternehmen und 40 Forschungseinrichtungen mit dem Ziel, Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe durch fächerübergreifende Zusammenarbeit zu entwickeln. Die Landesgesellschaft BIOPRO unterstützt zudem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und vertritt sie im „Bio-based Industries Consortium (BIC)“.  Die „Bio-based Industries (BBI)“ ist Teil des Horizon 2020 der Europäischen Kommission. Mit knapp vier Milliarden Euro wird damit die Umsetzung der Bioökonomie in Europa gefördert. Über die Landesgesellschaft können außerdem verschiedene Publikationen der BIOPRO bezogen werden, die über Bioökonomie informieren und teilweise zur Unterrichtsgestaltung entwickelt wurden.

Im Koalitionsvertrag (2016-2021) der grün-schwarzen Landesregierung spielt die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Derzeit wird an einer Landesstrategie „nachhaltige Bioökonomie“ unter Federführung der Ministerien für Umwelt und Ländlichen Raum gearbeitet. Die hochwertige Verwertung von regionalem Holz solle dabei laut Landwirtschaftsminister Peter Hauck eine wichtige Rolle spielen.

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Forschungslandschaft

In Baden-Württemberg gibt es über 120 Einrichtungen, die sich mit bioökonomischen Themen befassen. Einen Überblick gibt der Forschungsatlas auf bioökonomie.de und die Datenbank von BIOPRO. Viele von ihnen sind über das landeseigene Forschungsprogramm „Bioökonomie Baden-Württemberg“ einschließlich der Unterprojekte wie dem Graduiertenprogramm und dem Kompetenznetzwerk miteinander vernetzt. Besonders hervorzuheben ist das Bioökonomie-Forschungszentrum der Universität Hohenheim. An der Universität Hohenheim wurde 2014 der erste Bioökonomie-Studiengang in Europa als internationales Bioökonomie-Masterstudium angeboten; bei Promotionen kann ein bioökonomischer Schwerpunkt gewählt werden.

Neben der eigentlichen Forschung spielen auch Tagungen und Konferenzen für den wissenschaftlichen Austausch eine wichtige Rolle. 2017 fand der zweite Internationale Bioökonomie Kongress in Stuttgart-Hohenheim statt. Das Kompetenzzentrum Umwelttechnik (KURS) veranstaltet zusammen mit weiteren Einrichtungen seit 2013 jährlich das Bioabfallforum Baden-Württemberg. Auf dem vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft geförderten 5. Ressourceneffizienz- und Kreislaufwirtschaftkongress BW 2017 präsentierten über 70 Experten aktuelle Entwicklungen, gelungene Umsetzungsbeispiele wurden vorgestellt und Erfahrungen ausgetauscht.

Bioökonomie in Berlin

Berlin verfügt bislang über keine spezifische Bioökonomie-Strategie. Allerdings macht es sich für nachhaltiges Wirtschaften im städtischen Raum stark und in Zusammenarbeit mit dem Land Brandenburg werden Forschung und Firmengründungen auch aus dem Bereich Bioökonomie gefördert. In Berlin als Hochschulstandort sind viele entsprechende Forschungsprojekte angesiedelt und es bietet diverse Studienmöglichkeiten zu bioökonomischen Kernthemen. Darüber hinaus finden in Berlin nationale und internationale Konferenzen zur Bioökonomie statt.

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Politische Grundlagen

2011 wurde die „Potenzialanalyse zur regionalen Bioökonomie in Berlin und Brandenburg“ durchgeführt. Demnach hat die Region das Potenzial beim Aufbau der Bioökonomie in Deutschland eine führende Rolle zu spielen. Seit 2011 verfügen Berlin und Brandenburg mit der innoBB über eine gemeinsame Strategie für verschiedene Wirtschaftszweige. Im Zentrum steht dabei die länderübergreifende Förderung verschiedener Cluster und Querschnittsthemen. Bislang ist Bioökonomie mit dem Bereich Life Science als Verbundthema vor allem dem Cluster Gesundheitswirtschaft zugeordnet. Biotechnologie ist ein wichtiger Teil der Gesundheitswirtschaft, was auch an der Anzahl der Technologieparks deutlich wird: Campus Berlin-Buch, Biotechnologiepark Luckenwalde, berlinbiotechpark und Berlin Adlershof. Bioökonomische Themen finden sich aber auch in den Clustern Energietechnik sowie Verkehr, Mobilität und Logistik.

Bioökonomie spielt in der kommunalen Abfallverwertung Berlins ebenfalls eine Rolle. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) erfüllte als erstes öffentliches Unternehmen bundesweit den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Mit seiner Strategie hat Berlin deutschlandweit Maßstäbe in Sachen Effizienz und Nachhaltigkeit gesetzt. Von der BSR getrennt gesammelte Bioabfälle werden in einer Biogasanlage umgewandelt. Mit dem Biogas wiederum werden rund 150 Müllwagen betankt. Auf diese Weise werden pro Jahr 2,5 Millionen Liter Diesel eingespart und der Ausstoß von 9.000 Tonnen CO2 vermieden. Für ihre vorbildliche Biogut-Verwertung wurde die BSR mehrfach ausgezeichnet.

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Forschungslandschaft

Berlin ist ein ausgewiesener Hochschulstandort und verfügt zusätzlich über viele außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, an denen zu bioökonomischen Themen und Nachhaltigkeit geforscht wird. Mit der länderübergreifenden Berlin-Brandenburger Forschungsplattform BB3R einschließlich eines Graduiertenkollegs werden die medizinische und biotechnologische Forschung gefördert. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt und umfasst derzeit 50 Mitarbeiter aus verschiedenen Forschungseinrichtungen. An den Berliner Hochschulen werden verschiedene Studiengänge angeboten, die sich mit Nachhaltigkeit und biobasierter Wirtschaft befassen wie beispielsweise die Studiengänge „regenerative Energien“ an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) oder „Nachhaltiges Management“ an der Technischen Universität Berlin (TUB). Mit einem Nachhaltigkeitszertifikatsprogramm bietet die TUB Studierenden die Möglichkeit, in ihrem regulären Studiengang einen Schwerpunkt Nachhaltigkeit zu setzen. Das Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität Berlin (IASP) befasst sich mit verschiedenen bioökonomischen Themen innerhalb seiner Forschungsschwerpunkte Lebensmitteltechnologie, Nutztierhaltung, Pflanzensysteme und biologische Rohstoffe. Darüber hinaus bietet das IASP verschiedene Dienstleistungen in diesen Bereichen an und trägt zur Vernetzung von Forschung und Unternehmen wie beispielsweise mit der Begrünung von Gleisanlagen bei. Forschungseinrichtungen wie die Charité oder die Freie Universität Berlin (FUB) sind Partner in deutschlandweiten, staatlich geförderten Netzwerken zu Antiinfektionsstrategien (infect control 2020) oder zu Antibiotikaresistenzen (Verbundprojekt RESET).

Hervorzuheben ist auch die Konferenz „Innovationsakademie Lignocellulose“. 2017 laden die beiden Cluster Gesundheitswirtschaft und Kunststoffe/Chemie der innoBB bereits zum dritten Mal zum Dialog über Lignocellulose ein. Berlin ist zudem Veranstaltungsort vieler nationaler und internationaler Konferenzen zum Thema Bioökonomie, sei es auf Initiative von Forschungseinrichtungen oder politischen Gremien.

Bioökonomie im Saarland

Eine Bioökonomie-Strategie gibt es im Saarland nicht, an relevanten Themen wird dennoch gearbeitet. Im kleinsten Flächenland Deutschlands spielen die Metallbranche, die Fahrzeugproduktion und der Maschinenbau eine große Rolle, diese drei Sektoren erbringen fast drei Viertel des Gesamtumsatzes im verarbeitenden Gewerbe. Im Forschungsbereich hat sich die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zu einem profilgebenden Forschungs- und Innovationsschwerpunkt entwickelt.

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Politische Grundlagen

Das Saarland ist ein Industrieland. Schlüsselbranchen sind Automobil- und Maschinenbau sowie die Stahlherstellung. In der Innovationsstrategie 2016-2023 fokussiert das Saarland seine innovationspolitischen Schwerpunkte auf drei Schlüsselbereiche, die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Automotive/Produktion sowie Life Science und Materialien. Alle drei Bereiche haben einen thematischen Bezug zur Bioökonomie. Besonderes Potenzial wird in den branchenübergreifenden Technologiefeldern wie beispielsweise der Informatik, Materialforschung, Nanotechnologie und Werkstoffforschung gesehen.

In der im Januar 2017 vom saarländischen Umweltministerium veröffentlichten Nachhaltigkeitsstrategie wurde der Bereich „Klima- und Ressourcenschutz“ als eines von sechs Handlungsfeldern identifiziert. Ziele sind unter anderem die Reduktion der Treibhausgasemissionen sowie der Ausbau erneuerbarer Energien auf 20% bis 2020. Bedingt durch die große Bedeutung der Stahlindustrie sowie der Energiewirtschaft gehört das Saarland zu den Ländern mit einem hohen CO2-Ausstoß pro Kopf. Die Reduzierung der Treibhausgase stellt daher eine besondere Herausforderung dar. Dennoch wird bereits im Masterplan für eine nachhaltige Energieversorgung im Saarland eine CO2-Einsparung von 80% bis zum Jahr 2050 als langfristiges Ziel angestrebt. Zur Umsetzung dieser Ziele wird die Landesinitiative Energieinnovation Saar (LIESA) – ein Zusammenschluss von Experten aus Forschung, Energiewirtschaft, Industrie und Handwerk von der Landesregierung unterstützt.

Entsprechend der im Saarland identifizierten Schlüsselbereiche wird die Bildung von Netzwerken in den aussichtsreichsten Technologiefeldern von der Landesregierung forciert. In den Clustern it.saarland, biokom.saarland und automotive.saarland arbeiten Bildungs- und Forschungsorganisationen sowie Unternehmen bereits an gemeinsamen Projekten.

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Forschungslandschaft

Die Universität des Saarlandes in Saarbrücken verfügt über die Fächerbreite einer kl­­­­­assischen Universität, zeichnet sich jedoch besonders durch die Forschungsschwerpunkte Informatik, Nano-, Biotechnologie und Europa aus.

Der eng mit der Informatik verknüpfte Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) hat sich zu einem Aushängeschild des Saarlandes entwickelt. Namhafte außeruniversitäre Institute wie das Max-Planck-Institut (MPI) für Informatik, das MPI für Softwaresysteme, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und das Leibniz-Zentrum für Informatik arbeiten hier eng mit den universitären Instituten zusammen. Im Bereich Informatik war die Universität des Saarlandes bei der Exzellenzinitiative doppelt erfolgreich. Sowohl ein Exzellenzcluster als auch eine Graduiertenschule wurden bewilligt und mit mehr als 80 Millionen Euro gefördert.

Im Schwerpunkt NanoBioMed – Leben und Materie arbeiten Wissenschaftler aus medizinischen und naturwissenschaftlich-technischen Fakultäten zusammen mit Forschern aus außeruniversitären Forschungsinstituten der Bereiche Nano- und Biotechnologie, der Human- und Molekularbiologie, der Molekularen Medizin und Systembiologie daran, neue Wirkstoffe, Materialien, Verfahren und Prozesse zu entwickeln oder zu optimieren. Im Bereich Life Science und Materialwissenschaft sind vor allem folgende außeruniversitäre Einrichtungen exemplarisch zu nennen, das Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM), das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) sowie das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS).

Auf Initiative des Saarlandes, der Hochschulen und diverser Energieunternehmen wurde 1999 das Institut für ZukunftsEnergieSysteme GmbH (IZES) als An-Institut an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) gegründet. Durch anwendungsnahe Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet nachhaltiger Energie- und Stoffstromsysteme leistet das IZES einen Beitrag zur Energiewende. Unter anderem ist es Partner im länderübergreifenden INTERREG-Projekt „Persephone - Integration von Biogas in das Zukunftsfeld der Bioökonomie“.

Aber auch an anderen Bioökonomie-relevanten Bereichen wird im Saarland geforscht, so beispielsweise am Institut für effiziente Bauwerke der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Hier wird an innovativen Baustoffen, Gebäudetechnik und Baukonstruktionen gearbeitet, ­der Einsatz erneuerbarer Energien, energetische und wirtschaftliche Konzepte bis hin zur Bionik in der Architektur sind relevante Themen.

In den Bundesländern

Die deutschen Bundesländer verfügen über spezifische politische Strategien und Fördermaßnahmen zu Bioökonomie und Nachhaltigkeit. Damit stärken sie sowohl die nationale Strategie als auch die internationale Vorreiterrolle Deutschlands in der Bioökonomie.

Auf bundespolitischer Ebene hat Deutschland mit der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ 2010 einen wichtigen Schritt in Richtung der biobasierten Wirtschaft unternommen. Auf föderaler Ebene haben die Bundesländer ebenfalls entsprechende politische Strategien und Forschungsförderungen zu Bioökonomie und nachhaltiger Entwicklung ausgearbeitet. Dabei setzen sie unterschiedliche Schwerpunkte. Manche Bundesländer verfügen über eine breit aufgestellte Forschungslandschaft zur Bioökonomie mit Clustern und umfangreichen Forschungsprogrammen, andere – insbesondere kleinere Bundesländer – fördern die Forschung gezielt, indem sie Ausgründungen unterstützen und den landseigenen Absatzmarkt für biobasierte Produkte ausbauen. Auf Initiative des Bioökonomierats wurde eine Übersicht zu den Aktivitäten in den einzelnen Bundesländern erstellt. Die Informationen können über die Karte durch einen Klick auf das jeweilige Land abgerufen werden.

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