Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen will zu einem führenden europäischen Standort für Bioökonomie werden. Im Jahr 2012 hat die Landesregierung Eckpunkte einer Strategie entwickelt, die die wissensbasierte Bioökonomie voranbringen sollen. Das Land verfügt über hinreichend nachwachsende Rohstoffe und eine starke wissenschaftliche und wirtschaftliche Basis in bioökonomie-relevanten Bereichen. 

Politische Grundlagen

Unter Federführung des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung veröffentliche die Landesregierung 2013 die Eckpunkte einer Bioökonomiestrategie für Nordrhein-Westfalen. Als erste Region in Europa erweitert Nordrhein-Westfalen, in Übereinstimmung mit der Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), den Begriff der Bioökonomie um den Gesundheitssektor. Besondere landesspezifische Schwerpunkte werden in der starken Life-Science-Branche Nordrhein-Westfalens gesehen, da insbesondere die Biotechnologie technologische Lösungsansätze ermöglicht. Als besondere Schwerpunkte gelten Biopolymere, Raffinerien und Biopharmazeutika.

In insgesamt 15 Branchen- und Technologiefeldern fördert die Landesregierung Nordrhein-Westfalens mit ihrer Clusterpolitik die Zusammenarbeit von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Öffentlicher Hand. Eines, der im Rahmen der Landesclusterinitiative vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (MIWF) getragenen bioökonomie-relevanten Cluster ist Bio.NRW. Bio.NRW bündelt die Stärken der nordrhein-westfälischen Biotechnologie, fördert Kooperationen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf Landesebene, aber auch national und international.

Ein weiteres relevantes Cluster ist CLIB2021. Das Excellenzcluster entstand 2008 als BMBF-Cluster-Projekt und ist inzwischen selbstständig. Es fokussiert auf Themen der Bioökonomie und der industriellen Biotechnologie, von der Grundlagenforschung hin zu internationaler Vernetzung, von Projekten zum Stoffstrommanagement über die Förderung von Start-ups und KMU in der Bioökonomie werden alle Bereiche abgedeckt. Beispielsweise initiierte CLIB2021 das trinationale Mega-Cluster BIG-C (Bioinnovation growth mega-cluster). Das Netzwerk, dem Partner aus Belgien und den Niederlanden angehören, beschäftigt sich mit biobasierten Industrien und Innovationen. 2015 erhielt das Cluster Fördergelder in Höhe von vier Mio. Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), um Projekte zur Verwertung von Biomasse und Stoffströmen aus Industrieabgasen voranzutreiben.

Forschungslandschaft

Nordrhein-Westfalen ist mit 70 Hochschulen und mehr als 50 außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein dynamischer Standort für Forschung und Entwicklung.

Zentraler wissenschaftlicher Akteur der Bioökonomie in NRW ist das 2010 gegründete Bioeconomy Science Center (BioSC) in Jülich. Die Universitäten Aachen, Düsseldorf und Bonn sowie das Forschungszentrum Jülich entwickelten auf Basis einer gemeinsamen Strategie und unter Einbeziehung bestehender Netzwerke und Kooperationen ein Konzept, in dem die relevanten Wissenschaftszweige zur Bereitstellung von Biomasse und biobasierten Produkten und Prozessen in einem Kompetenzzentrum vertreten sind.

Das BioSC fokussiert auf vier Forschungsschwerpunkte:

1. Nachhaltige pflanzliche Bioproduktion und Ressourcenschutz
2. Mikrobielle und molekulare Stoffumwandlung
3. Verfahrenstechnik nachwachsender Rohstoffe
4. Ökonomie und gesellschaftliche Implikationen

Als Querschnittsthemen gelten:

1. Systems Engineering
2. Bioinformatik und Wissensmanagement
3. Strukturbiologie

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das BioSC im Rahmen des NRW-Strategieprojekts zur Entwicklung einer Forschungsinfrastruktur zur Bioökonomie. Es stellt die erforderlichen Mittel zur weiteren Integration der Partner in Forschung, Entwicklung und Ausbildung zur Verfügung.

Das CLIB2021 und BioSC veranstalten jährliche Bioökonomie-Konferenzen.

Im April 2018 nahm das „Kompetenzzentrum Wald und Holz 4.0“ seine Arbeit auf. Das Projekt soll Antworten auf die Frage finden, wie die Industrie 4.0 der Forst- und Holzwirtschaft nutzen kann. Durch intelligente, dezentrale Organisation sollen Abläufe verbessert und neue Geschäftsmodelle entwickelt werden. Der Rohstoff Holz soll nachhaltiger und passgenauer erschlossen werden. Das Projekt ist zunächst für drei Jahre angelegt und wird vom RIF Institut für Forschung und Transfer e.V. aus Dortmund angeführt. Gefördert wird es aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).