Berlin

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Berlin entwickelt sich zu einem dynamischen Standort der Bioökonomie: Getrieben durch starke Forschung, innovative Start-ups und enge Kooperationen mit Brandenburg entstehen Lösungen für nachhaltiges Wirtschaften im urbanen Raum. Hochschulen, Cluster und internationale Netzwerke verbinden Wissenschaft und Praxis und machen die Hauptstadt zu einem zentralen Knotenpunkt der bioökonomischen Transformation.

Politischer Rahmen & strategische Ausrichtung

Die politische Ausrichtung Berlins im Bereich Bioökonomie ist in übergeordnete Innovations- und Nachhaltigkeitsstrategien eingebettet. Die gemeinsame Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg innoBB 2025 fokussiert zentrale Cluster wie die Gesundheitswirtschaft, in der insbesondere die Biotechnologie als wichtiger Bestandteil bioökonomischer Wertschöpfung verankert ist. Die Zusammenarbeit erfolgt dabei zunehmend über Clusterstrukturen, interdisziplinäre Forschungsverbünde und gemeinsame Förderprogramme, insbesondere im Rahmen des Clusters HealthCapital Berlin-Brandenburg. Perspektivisch erfolgt eine Weiterentwicklung hin zu stärker missionsorientierten Ansätzen, die Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Resilienz integrieren.

Darüber hinaus setzt das Land Berlin im Koalitionsvertrag 2023–2026 auf die Transformation hin zu einer klimaneutralen, ressourceneffizienten und zirkulären Wirtschaft. Im Mittelpunkt stehen die Förderung nachhaltiger Produktionsweisen, die effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen sowie die Reduktion fossiler Rohstoffe. Auch wenn die Bioökonomie nicht explizit als eigenständiges Politikfeld hervorgehoben wird, werden ihre zentralen Prinzipien damit implizit adressiert und durch innovations- und wirtschaftspolitische Maßnahmen unterstützt.

Eine eigenständige Bioökonomie-Strategie existiert in Berlin derzeit nicht. Aktuell wird eine neue, eigenständige Innovationsstrategie für Berlin entwickelt, die künftig auch bioökonomierelevante Themen stärker bündeln könnte. Insgesamt zeigt sich, dass die Bioökonomie in Berlin vor allem als querschnittliches Handlungsfeld verstanden wird, das über Clusterpolitik, Innovationsförderung und Nachhaltigkeitsstrategien in verschiedene Politikbereiche integriert ist.

Forschung & wirtschaftliche Dynamik

Die Bedeutung der Bioökonomie als Wirtschaftszweig spiegelt sich auch in der Anzahl der in Berlin ansässigen Technologieparks wider. Auf dem Campus Berlin-Buch eröffnete 2023 mit dem BerlinBioCube ein neues Gründerzentrum für Biotechnologie-Start-ups. Die Chemical Invention Factory (CIF) an der TU Berlin, ein chemiespezifisches Vorgründerzentrum für Grüne Chemie soll ab 2026 in Betrieb gehen, um den Technologietransfer zu beschleunigen. 

Der Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof gilt als ausgewiesener Standort für die Bereiche Erneuerbare Energien, Mikrosysteme und Materialien, Biotechnologie und Umwelt, Informationstechnik (IT), Photonik und Optik sowie Photovoltaik. Elf außeruniversitäre Forschungsinstitute und sieben wissenschaftliche Institute der Humboldt-Universität sind dort ansässig. 

Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel entsteht mit der Urban Tech Republic ein Forschungs- und Industriepark für Zukunftstechnologien. Der Standort befindet sich im Aufbau und soll Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups in Bereichen wie klimaneutrale Energiesysteme, nachhaltige Mobilität, Wasser, Recycling, neue Materialien und digitale Vernetzung zusammenbringen. Zu nennen sind auch der BerlinBiotechPark in Charlottenburg, der Innovationspark Wuhlheide sowie das SEE:LAB in Teltow, ein Kompetenzzentrum für Biomaterialien. 

Mit dem Food Campus Berlin entsteht ein Innovationsstandort für nachhaltige Ernährung und bioökonomie-nahe Wertschöpfung. Geplant ist ein multifunktionaler Campus mit Flächen für Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen aus dem Lebensmittelbereich. Das Projekt befindet sich derzeit in der Umsetzung und soll in den kommenden Jahren schrittweise realisiert werden.

Die Bioökonomie in Berlin ist geprägt durch eine enge Verzahnung von Hochschulen, außeruniversitärer Forschung und Innovationsnetzwerken mit wachsender Ausrichtung auf Anwendung und Kreislaufwirtschaft. Zentrale Akteure sind die Technische Universität Berlin mit Schwerpunkten in Bioprozesstechnologien, grüner Chemie und biobasierten Materialien sowie die Humboldt-Universität zu Berlin, insbesondere im Bereich nachhaltiger Agrar- und Ressourcensysteme. Das Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der an der Humboldt-Universität zu Berlin arbeitet interdisziplinär an der Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktische Anwendungen.

Ergänzt wird dies durch außeruniversitäre Einrichtungen wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik und das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, die insbesondere die anwendungsnahe Forschung und industrielle Umsetzung bioökonomischer Ansätze vorantreiben. Netzwerke wie Bio-PAT, BIOKON und HealthCapital Berlin-Brandenburg stärken die Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Start-ups.

Im Rahmen der Exzellenzstrategie stärkt die Berlin University Alliance (BUA) die Zusammenarbeit der Berliner Universitäten und unterstützt deren Beteiligung am EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa. Dabei werden auch Themen der Bioökonomie adressiert, insbesondere im Kontext der Säule II („Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas“).

Berlin ist ein bedeutender Standort für nationale und internationale Veranstaltungen zur Bioökonomie. Neben früheren Formaten wie dem vom Bioökonomierat der Bundesregierung initiierten Global Bioeconomy Summit finden auch aktuell einschlägige Konferenzen statt. So bringt die Bioeconomy Conference 2026 Akteure aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Start-ups und Investoren zusammen, um die industrielle Bioökonomie und ihre Umsetzung in Wertschöpfungssysteme zu diskutieren.

Auch die Verwertung biogener Reststoffe spielt in Berlin eine wichtige Rolle. Insbesondere die Berliner Stadtreinigung nutzt organische Abfälle zur Biogasproduktion und integriert diese in zirkuläre Wertschöpfungssysteme, etwa zur Energiegewinnung im öffentlichen Fuhrpark.