Bayern

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Nachhaltige Wirtschaft und Bioökonomie spielen in Bayern eine immer größere Rolle. Als erstes Bundesland berief Bayern 2015 einen eigenen Bioökonomierat ein, der die Ausgangssituation und Potenziale evaluierte. Durch den im Sommer 2017 beschlossenen Ausbau des Campus Straubing als Standort der Technischen Universität München mit Forschungs- und Ausbildungsschwerpunkt Bioökonomie hat der Freistaat einen weiteren Schritt unternommen, um die Bioökonomie auszubauen. Unternehmen und Forschungspartner werden über Plattformen miteinander vernetzt. Im November 2020 stellte der Freistaat seine neue Bioökonomiestrategie vor.

Politische Grundlagen

Bayern hat 2015 als erstes Bundesland einen Bioökonomierat für die Initiative „Bioökonomie für Bayern!“ im Auftrag des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einberufen. Die Broschüre zur Initiative kann auf der Website des Staatsministeriums als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Im Frühling 2016 erschien die erste Veröffentlichung des neunköpfigen Experten-Gremiums: „Die Bioökonomie in Bayern: Ausgangssituation und Potenziale“. Demnach muss die Vernetzung von den bioökonomischen Akteuren in der Wirtschaft mit der Politik ausgebaut werden. Neben weiteren Publikationen hat der bayerische Bioökonomierat im Mai 2017 die Broschüre "Die Grundsätze der Bioökonomie in Bayern" veröffentlicht. Der Rat gibt darin Leitlinien für die Entwicklung einer nachhaltigen Bioökonomie. Über Empfehlungen zur Förderung der Bioökonomie in Bayern informiert ebenfalls ein im Mai 2017 erschienenes kurzes Papier des Gremiums. Dabei sollten auch potenzielle Synergien in der Zusammenarbeit zwischen den Ministerien besser genutzt werden. Ebenfalls wichtig ist die Einbindung der Bioökonomie in bayerische Nachhaltigkeitsstrategien und die Sensibilisierung der Verbraucher für das Thema Bioökonomie wie beispielsweise mit dem NAWAREUM in Straubing. Im Juli 2017 hat der bayrischen Landtag zudem einstimmig den Ausbau des Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit mit Schwerpunkt Bioökonomie beschlossen (s. Kapitel Forschungslandschaft). Im November 2020 wurde die Bioökonomiestrategie Bayern vorgestellt.

Forschungslandschaft

In Bayern forschen verschiedene Institutionen zu bioökonomischen Themen. Die bayrische Cluster-Offensive beinhaltet bereits wichtige bioökonomische Teilbereiche. Mit der „Clusterpolitik“ werden auf Initiative des Wirtschaftsministeriums 17 landesweite Plattformen in der High-Tech-Industrie und in traditionellen Branchen gefördert. Diese sollen Unternehmen untereinander sowie mit Forschungseinrichtungen vernetzen. Insbesondere die Rubriken Umwelttechnologie, Biotechnologie/Ernährung, Forst und Holz sowie neue Werkstoffe schließen bioökonomische Themen ein. Das gesamte Netzwerk umfasst rund 8.500 Unternehmen sowie 1.100 Einzelprojekte.

Besonders hervorzuheben ist das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo). Es vereint das Wissenschaftszentrum Straubing (WZS), das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) und das „Centrale Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk“ e.V., kurz C.A.R.M.E.N.. Ab Oktober 2017 wird der Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit zudem als neuer Standort der Technischen Universität München (TUM) im Hinblick auf Bioökonomie ausgebaut. Alleinstellungsmerkmal sollen Forschung und Lehre mit Schwerpunkt auf nachwachsende Rohstoffe, Biotechnologie und Bioökonomie sein. Dazu werden zehn neue, fakultätsübergreifende Studiengänge eingerichtet. Diese beinhalten ab dem Wintersemester 2018/19 auch einen Bachelor- und einen Masterstudiengang Bioökonomie. Zudem finanziert der Freistaat Bayern am Standort Straubing sechs neue Professuren mit Fokus auf Bioökonomie und ein rund 40 Mio. Euro teures Labor- und Hörsaalgebäude.

Die Straubing BioCampus Straubing GmbH, deren Gesellschafter der Zweckverband Hafen Straubing-Sand ist, will den Ausbau der Technologieregion nachwachsender Rohstoffe zu fördern. Als Partner des KoNaRo unterstützt und vernetzt sie Unternehmen aus dem Bereich nachwachsende Rohstoffe. Dazu wurden im Hafen, im Industriepark und im Gründer- und Unternehmerzentrum (BioCubator) entsprechende Standortmöglichkeiten geschaffen. Die BioCampus GmbH ist zudem Netzwerkpartner des internationalen BioEconomy Regional Strategy Toolkit (BERST), einem Zusammenschluss von Regionen verschiedener europäischer Länder zum Ausbau der Bioökonomie. Hier findet auch eine internationale Vernetzung beispielsweise mit dem Madrid Biocluster aus Spanien und der Bio Base Westland aus den Niederlanden statt. Ein weiteres Programm mit bioökonomischen Inhalten ist der Projektverbund Ressourcenschonende Biotechnologie „BayBiotech“. Es wird vom Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit 2 Mio. Euro finanziert. Den Projektverbund bilden die Universitäten Erlangen-Nürnberg, die Universität Bayreuth und die Technische Universität München. Ein Koordinationsprojekt und sechs Fachprojekte überwiegend aus dem Bereich der Verfahrenstechnik werden gefördert.