Niedersachsen

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Eine dezidierte Bioökonomie-Strategie gibt es in Niedersachsen nicht. Die Potenziale der wissensbasierten Bioökonomie wurden dennoch erkannt. Die Landesregierung unterstützt die Bildung von relevanten Netzwerken, und fördert die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Forschung und Öffentlicher Hand. Einen Masterplan Bioökonomie auf regionaler Ebene hat die Region Weser-Ems erstellt.

Politische Grundlagen

Als Flächenland sieht die Landesregierung Niedersachsens das Potenzial der Bioökonomie vor allem in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Obwohl es keine explizite Bioökonomiestrategie für Niedersachsen gibt, ist das Land bereits seit einigen Jahren entsprechend aktiv und unterstützt die Bildung relevanter Netzwerke.

Bereits 2006 wurde in Niedersachsen mit Unterstützung sowohl des Landwirtschaft- als auch des Umweltministeriums das 3N Kompetenzzentrums eingerichtet. Das Zentrum soll die Entwicklung und den Einsatz nachwachsender Rohstoffe zur stofflichen und energetischen Nutzung unterstützen, Wissenschaft und Forschung fördern und die interdisziplinäre Zusammenarbeit anregen. Außerdem sollen die nationalen und europäischen Ziele zur Etablierung einer nachhaltigen biobasierten Wirtschaft unterstützt werden.

Das niedersächsische Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft (NieKE), das 2010 an den Start ging, ist Teil der Landesinitiative Ernährungswirtschaft und wird ebenfalls durch das niedersächsische Wirtschaftsministerium gefördert. „Bioökonomie und Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette“ ist einer von vier Themenschwerpunkten.

BioRegioN ist Niedersachsens Netzwerk für die Lebenswissenschaften, das aus 260 Akteuren wie Unternehmen, Hochschulen und Institutionen aus dem Bereich der Biotechnologie besteht, und mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums agiert. Themenschwerpunkte sind die industrielle Biotechnologie und die Bioökonomie.

Im Osnabrücker Land wurde 2015, ebenfalls mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums, der Business- und Innovationspark Quakenbrück – BIQ eröffnet. Ziel des BIQ sind u. a. Ansiedlung und Gründung von Start-ups besonders aus Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie die Förderung von Kooperationen.

Um den verschiedenen Regionen des Landes gerecht zu werden und eine jeweils eigenständige und nachhaltige Entwicklung entsprechend der gegebenen Besonderheiten zu gewährleisten, setzte Niedersachsens Landesregierung vier Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung ein. Zu ihren Aufgaben gehört es, regionale Handlungs­strategien zu erarbeiten.

In Sachen Bioökonomie war die Region Weser-Ems richtungsweisend. Sie entwickelte eine Innovationsstrategie mit den Schwerpunkten Bioökonomie, maritime Wirtschaft und Energiewirtschaft. Ein zugehöriger Strategierat Bioökonomie setzt sich aus über 20 Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Im April 2015 veröffentlichte der Rat den Masterplan Bioökonomie 2020.

2016 wurde vom niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erstmals ein Holzbaupreis ausgelobt. Der „Holzbaupreis Niedersachsen“

soll Gebäude auszeichnen, die überwiegend aus Holz und Holzwerkstoffen sowie weiteren nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Ziel des Wettbewerbs ist es, die Verwendung und Weiterentwicklung des ressourcenschonenden, umweltfreundlichen und nachhaltigen Baustoffes zu fördern.

Forschungslandschaft

Niedersachsen verfügt mit 13 Universitäten, 26 Hochschulen und zahlreichen außeruniversitären Forschungsinstituten über eine vielfältige Forschungslandschaft.

Auch was Forschung im Bereich Bioökonomie angeht, zeigt sich die Region Weser-Ems als Vorreiter. Nicht nur die Geschäftsstelle der Landesinitiative Ernährungswirtschaft (NieKE) ist dort angesiedelt. Unter Federführung der Universität Vechta arbeiten Wissenschaftler der Hochschule Osnabrück, der Universitäten Braunschweig, Göttingen und Hannover sowie des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik (DIL) am Projekt Bioökonomie 2.0. Ziel des Verbundprojektes ist es, neue Wertstoffe (Ballaststoffe, natürliche Aromastoffe und Enzyme) für die Lebensmittelproduktion aus pflanzlichen Nebenströmen zu gewinnen. Das Projekt basiert auf lebensmittel- und biotechnologischen Verfahren zur innovativen Verwertung von pflanzlichen Nebenströmen aus der Kartoffel-, Karotten- und Rapsverarbeitung.

Da die globalen Herausforderungen zur nachhaltigen Ernährung, Energieversorgung und zum Ressourcenerhalt nur interdisziplinär gelöst werden können, wurde 2007 das Kompetenzzentrum COALA an der Hochschule Osnabrück gegründet. COALA verzahnt die Forschungsaktivitäten der verschiedenen Fachgebiete (insbesondere Agrarwissenschaften, Elektrotechnik, Informatik und Maschinenbau) und fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Auch im Projekt "Bio-Ökonomie im Non-Food Sektor" ist die Hochschule Osnabrück Partner. Im Zeitraum 2015 bis 2018 sollen neue biobasierte Materialien entwickelt werden, die dazu beitragen, Rohstoffressourcen und Umwelt zu schonen.

Aber auch in anderen Regionen Niedersachsens wird an bioökonomischen Themen geforscht.

Bereits 2002 entstand das Kompetenznetz für Nachhaltige Holznutzung (NHN). Mitglieder im Kompetenznetz sind die Georg-August-Universität Göttingen, das Fraunhofer-Institut für Holzforschung, die niedersächsischen Landesforsten, die Technische Universität Braunschweig sowie weitere Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft. Auch hier ist das Ziel, interdisziplinäre und institutionsübergreifende Kooperationen zu fördern und anwendungsorientierte Forschungsprojekte zu unterstützen.