Sachsen-Anhalt

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Bioökonomie und biobasierte Wirtschaft spielen in Sachsen-Anhalt eine wichtige Rolle.
Gemeinsam mit dem Nachbarn Sachsen ist Sachsen-Anhalt Schwerpunktregion des mitteldeutschen Spitzenclusters BioEconomy. Wichtige akademische Impulse liefert der Wissenschaftscampus Halle, an dem die vier Leibniz-Institute der Region mit den entsprechenden Instituten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) interdisziplinär zusammenarbeiten. Jährlich wird vom Campus in Kooperation mit dem Spitzencluster BioEconomy eine internationale Bioeconomy Conference ausgerichtet.

Politische Grundlagen

In der vom Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft erarbeiteten Regionalen Innovationsstrategie Sachsen-Anhalt 2014 – 2020 des Landes zählt der Bereich „Chemie und Bioökonomie“ zu den fünf identifizierten Leitmärkten. Die Landesregierung verfolgt einen breiten Ansatz, unter anderem werden die Verbreiterung der Rohstoffbasis durch Erschließung der Nutzungsmöglichkeiten der heimischen Braunkohle sowie die stoffliche und energetische Nutzung von nicht ernährungsgeeigneten nachwachsenden Rohstoffen wie Holz genannt. Die Entwicklung einer Landesinitiative zur Biologisierung der Industrie wird in Aussicht gestellt. Dieser Ansatz geht einher mit den regionalen Stärken des Landes in der Landwirtschaft, der Kunststoffverarbeitung und der Chemie sowie dem politischen Ziel, den Verbrauch erneuerbarer Energien zu forcieren.

2012 konnte sich der mitteldeutsche Cluster BioEconomy als einer der Gewinner in der dritten Runde des Spitzenclusterwettbewerbs des BMBF durchsetzen und sicherte sich damit eine Förderung über 40 Millionen bis 2017. Bereits seit 2013 wird der Cluster BioEconomy in Ergänzung zur Spitzenclusterförderung des Bundes auch vom Land gefördert, Mitte 2017 wurde die Verlängerung dieser Unterstützung bis 2026 beschlossen.

Inhaltlich fokussiert der Cluster auf die maximale Wertschöpfung von Holz durch Koppel- und Kaskadennutzung. Um dies zu erreichen und Sachsen-Anhalt als Zentrum der holzbasierten Bioökonomie zu etablieren, soll die regionale und überregionale Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und wirtschaftsnahen Einrichtungen im biobasierten Umfeld unterstützt werden, Forschungsprojekte und die Errichtung von Pilotanlagen sollen angestoßen werden.

Ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit, ist die am Fraunhofer-Zentrum für chemisch-biotechnologische Prozesse CBP bereits in Betrieb genommene Pilotanlage zum Aufschluss von Lignocellulosen.

Forschungslandschaft

Zwei Universitäten, vier Fachhochschulen und einer Vielzahl außeruniversitäre Forschungseinrichtungen finden sich in Sachsen-Anhalt. Um deren Potenzial auszuschöpfen wird auch in der Forschungslandschaft auf Verbundforschung gesetzt. Kooperationen sollen ausgebaut und Verbundforschung gestärkt werden – dies greift auch die Landesexzellenzoffensive auf. Sie betont ausdrücklich die Notwendigkeit der Vernetzung zwischen den Hochschulen sowie zwischen Hochschulen und außeruniversitärer Forschung, insbesondere in den Bereichen Agrar- und Ingenieurwissenschaften.

Aus bestehenden Kooperationen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind bereits Zentren wie der Wissenschaftscampus für pflanzenbasierte Bioökonomie, das  Interdisziplinäre Zentrum für Nutzpflanzenforschung oder das länderübergreifende Biodiversitätsforschungszentrum (iDiv) hervorgegangen.

Mit der Errichtung des Spitzenclusters BioEconomy wurde auch das Forschungsgebiet Bioökonomie im Land gestärkt. Zu den Partnern des Clusters zählen viele Forschungseinrichtungen. Neben dem Fraunhofer-Zentrum CBP, dem Fraunhofer-Pilotanlagenzentrum für Polymersynthese und Polymerverarbeitung (PAZ) in Schkopau und dem Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik (IWM) in Halle sind die Martin-Luther-Universität (MLU), das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ), das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), die Handelshochschule Leipzig und viele andere eingebunden.

Am Forschungszentrum Dynamische Systeme (CDS) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) arbeiten Wissenschaftler daran, ein grundlegendes Verständnis komplexer dynamischer Systeme in Biomedizin, chemischen Produktionssystemen sowie Prozessen der Energiewandlung zu gewinnen.

Aber auch Politikwissenschaftler beschäftigen sich in Magdeburg mit der Bioökonomie, beispielsweise im Projekt Bio-Ökopoli. Untersucht wird, welche politischen Prozesse in Deutschland dazu beitragen, Konflikte zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umweltschutzbelangen, zwischen Ökonomie und Ökologie, zu lösen und zu einer nachhaltig produzierenden, also bioökonomisch basierten Volkswirtschaft führen.

Nicht nur für den akademischen Nachwuchs ist in Sachsen-Anhalt gesorgt, am Biotechnologie-Campus Gatersleben soll nun zusätzlich zur Meisterausbildung auch eine Berufsausbildung „Pflanzentechnologie“ etabliert werden.