Aufbauend auf bestehenden Strategien arbeitet die Stadt Hamburg derzeit an einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie, die vorhandene Programme bündelt und stärker an den Zielen der Agenda 2030 ausrichtet. Im Mittelpunkt stehen dabei messbare Indikatoren, eine bessere Abstimmung zwischen den Behörden sowie die stärkere Verknüpfung ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Ziele. Dabei soll Nachhaltigkeit systematisch in alle Politikbereiche integriert und langfristig verankert werden.
Parallel dazu wurde die Klimapolitik deutlich verschärft. Mit der Fortschreibung des Hamburger Klimaplans und der Novellierung des Klimaschutzgesetzes wurden ambitionierte Ziele festgelegt, die eine weitgehende Dekarbonisierung zentraler Bereiche wie Energie, Gebäude und Mobilität vorsehen. Der Klimaplan definiert konkrete Maßnahmen auf dem Weg zur Klimaneutralität und dient als zentrales Steuerungsinstrument der städtischen Klimapolitik. Gleichzeitig wurden die Zielmarken mehrfach angehoben: Während zunächst Klimaneutralität bis 2045 angestrebt wurde, zeichnet sich inzwischen eine weitere Beschleunigung ab.
Eine zusätzliche Dynamik ergibt sich aus dem Hamburger Zukunftsentscheid im Jahr 2025. Eine Mehrheit der Abstimmenden sprach sich dafür aus, Klimaneutralität bereits bis 2040 zu erreichen und verbindliche jährliche Emissionsziele einzuführen. Zudem sollen Zielverfehlungen künftig systematischer überprüft und durch Sofortprogramme ausgeglichen werden, was die Verbindlichkeit der Klimapolitik deutlich erhöht.
Die Hamburger Forschungslandschaft gilt als zentraler Innovationsmotor im Norden Deutschlands. Neben Hochschulen, außeruniversitären Einrichtungen und zahlreichen Unternehmen spielen Clusterstrukturen eine wichtige Rolle für die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft. Hamburg ist maßgeblich an der Clusteragentur Life Science Nord beteiligt, deren Netzwerk über 500 Unternehmen aus Biotechnologie, Pharma und Medizintechnik in Hamburg und Schleswig-Holstein umfasst.
Nachhaltigkeit, Bioökonomie und industrielle Transformation gewinnen auch in der Forschung weiter an Bedeutung. Ein Beispiel ist das Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft (IUE) der Technischen Universität Hamburg, das zu Bioenergie, Bioraffinerien sowie zur Nutzung biogener Reststoffe und Mikroalgenbiotechnologie forscht. An der TU Hamburg wurden außerdem in 2025 zwei neue CampusLabs eröffnet, die sich auf Bodenforschung und Kreislaufwirtschaft konzentrieren. Diese mit Unterstützung der Vereinten Nationen entstandenen Reallabore sollen zur Entwicklung innovativer Lösungen für globale Nachhaltigkeitsherausforderungen beitragen.
Weitere Hochschulen setzen ergänzende Schwerpunkte: An der Universität Hamburg wird unter anderem im Exzellenzcluster „Climate, Climatic Change, and Society (CLICCS)“ zu Klimaforschung, Erdsystemanalyse und Nachhaltigkeitsökonomie gearbeitet. Die HafenCity Universität Hamburg fokussiert sich auf nachhaltige Stadtentwicklung, Ressourcenmanagement und klimafreundliche Infrastruktur. Die Helmut-Schmidt-Universität forscht zu Logistik, Kreislaufwirtschaft und nachhaltigen Energiesystemen, ist zudem Partnerin im Cluster „Biokatalyse 2021“ und kooperiert mit dem Institut für Weltwirtschaft in der Umwelt-, Klima- und Entwicklungsökonomik.
Der Hamburger Senat unterstützt gezielt Projekte im Klima- und Umweltschutz und setzt dabei verstärkt auf clusterbasierte und innovationsorientierte Förderansätze. Ein zentrales Instrument ist die Gründung der Food Cluster Hamburg GmbH im Jahr 2024, die die Transformation der Ernährungswirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit, Innovation und Resilienz vorantreibt. Ergänzend stärkt die Stadt mit Initiativen wie dem Future Hamburg Award gezielt Start-ups mit nachhaltigen Geschäftsmodellen.
Die Dynamik zeigt sich insbesondere in einer wachsenden Zahl innovativer Unternehmen: Das Start-up BLUU Seafood produziert zellbasierten Fisch und baut seine Kapazitäten kontinuierlich aus, während Traceless Materials kompostierbare Biomaterialien aus pflanzlichen Reststoffen als Alternative zu Kunststoff entwickelt. Das Unternehmen COLIPI wandelt mithilfe industrieller Biotechnologie CO₂ und industrielle Reststoffe in sogenannte „Climate Oils“ um, die als nachhaltige Alternative zu Palmöl und fossilen Rohstoffen dienen können. Das Unternehmen LignoPure macht Lignin (ein Nebenprodukt der Zellstoff- und Bioraffinerieindustrie) für industrielle Anwendungen nutzbar und erschließt damit neue biobasierte Wertschöpfungsketten.
Parallel dazu entstehen digitale und infrastrukturelle Innovationen: Breeze Technologies ermöglicht die Echtzeitüberwachung von Luftqualität. Cirplus positioniert sich als digitaler „Managed Marketplace“ für die Kunststoffrecyclingindustrie. Über die Plattform werden Angebot und Nachfrage von recycelten Kunststoffen zusammengeführt, wodurch Handelsprozesse effizienter, transparenter und skalierbar gestaltet werden. Und NATIX entwickelt datenschutzkonforme Lösungen für Smart-City-Anwendungen.
Ergänzt werden diese Entwicklungen durch großskalige Infrastrukturprojekte wie den Hamburg Green Hydrogen Hub (HGHH), bei dem die Hamburger Energiewerke GmbH gemeinsam mit Luxcara am Standort Moorburg einen Elektrolyseur zur Produktion von grünem Wasserstoff errichten, dessen Inbetriebnahme für 2026 vorgesehen ist.
Insgesamt zeigt sich, dass Hamburg Innovation zunehmend systemisch ausrichtet und Bioökonomie, Klimaschutz sowie Digitalisierung eng miteinander verknüpft.
Autorin: ch