Baden-Württemberg

Baden-Württemberg

Baden-Württemberg zählt zu den Vorreitern der Bioökonomie in Deutschland und verfolgt seit 2013 eine eigenständige Strategie zur Förderung bioökonomischer Forschung und Innovation. Mit der ressortübergreifenden Landesstrategie „Nachhaltige Bioökonomie Baden-Württemberg“, die 2024 für den Zeitraum 2025 bis 2029 fortgeschrieben wurde, richtet das Land den Fokus zunehmend auf den Transfer bioökonomischer Innovationen in die wirtschaftliche Anwendung. Im Mittelpunkt stehen nachhaltige Wertschöpfung, Kreislaufwirtschaft, industrielle Transformation sowie die Entwicklung marktfähiger biobasierter Produkte und Verfahren. Unterstützt wird dies durch Forschungs- und Transferstrukturen, Netzwerke, Kompetenzzentren sowie gezielte Förder- und Innovationsprogramme.

Grundlagen: Politik & Forschung

Baden-Württemberg zählt zu den ersten Bundesländern, die bereits 2013 mit einer eigenen Forschungsstrategie die Entwicklung der Bioökonomie unterstützten (Konzept für eine baden-württembergische Forschungsstrategie »Bioökonomie«, 2013).

Im Jahr 2019 beschloss die Landesregierung die ressortübergreifende „Landesstrategie Nachhaltige Bioökonomie Baden-Württemberg“. Diese wurde 2024 für den Zeitraum 2025 bis 2029 fortgeschrieben (Fortschreibung für die Jahre 2025-2029). Nach dem Aufbau von Forschungs- und Entwicklungsstrukturen liegt der Schwerpunkt nun verstärkt auf der Förderung von Innovationsvorhaben sowie dem Transfer bioökonomischer Lösungen in die praktische Anwendung und wirtschaftliche Wertschöpfung. Die Umsetzung erfolgt gemeinsam durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft sowie das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und wird durch einen wissenschaftlichen Beirat begleitet.

Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz verfolgt im Bereich der Bioökonomie das Ziel, nachwachsende Rohstoffe aus Land- und Forstwirtschaft effizient, ressourcenschonend und umweltgerecht zu erzeugen und hochwertig zu verwerten. Neben der Herstellung von Lebensmitteln bestehen erhebliche Potenziale in der intelligenten Nutzung biogener Rohstoffe und Nebenströme zur Herstellung funktionaler Materialien und biobasierter Produkte. Nicht stofflich verwertbare Reststoffe sollen unter möglichst geschlossener Kreislaufführung der Nährstoffe energetisch genutzt werden. Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft verfolgt das Ziel, eine nachhaltige Bioökonomie insbesondere in industriellen und urbanen Räumen weiterzuentwickeln. Schwerpunkte liegen auf der Nutzung sekundärer Rohstoffquellen wie Abfällen, Abwasser, CO₂ und Abluftströmen sowie deren Rückführung in den Wirtschaftskreislauf. Weitere zentrale Handlungsfelder sind Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und die Systemintegration bioökonomischer Prozesse.

Ziel der Fortschreibung der Landesstrategie ist es, aufbauend auf den Ergebnissen der ersten Umsetzungsphase (2020–2024), Lösungen für den ländlichen Raum, industrielle Regionen und urbane Wirtschaftsräume sowie deren sektorübergreifende Zusammenarbeit weiterzuentwickeln. Das Land unterstützt insbesondere die Etablierung neuer Geschäftsmodelle sowie die Markteinführung nachhaltiger biobasierter Vor- und Endprodukte. Angestrebt wird eine technologieoffene und nachhaltige Bioökonomie im Einklang mit nationalen und internationalen Klima- und Umweltzielen, die zugleich Innovationsimpulse für Wertschöpfung und Beschäftigung setzt. Damit soll die bioökonomische Transformation systematisch vorangebracht werden. Zur Umsetzung der Strategie tragen unter anderem Netzwerke und Clusterinitiativen, Unternehmen und Kommunen sowie Informations-, Beratungs- und Weiterbildungsangebote bei.

Einen Überblick über zentrale Akteure und Angebote bieten die Akteursplattform Bioökonomie sowie der Bioökonomie Markt-Navigator. Als wichtige Anlaufstellen unterstützen die Landesagentur Umwelttechnik BW GmbH (UTBW) und das Kompetenzzentrum „Bioabfall“ der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) die Umsetzung der Landesstrategie im Bereich der urbanen und industriellen Bioökonomie. 

Für die gezielte Ansprache, Weiterbildung und Vernetzung der Akteure entlang der Agrar-, Forst- und Lebensmittelwertschöpfungsketten wurde an den Ressortforschungseinrichtungen des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz das Kompetenzzentrum „Angewandte Bioökonomie für den Ländlichen Raum“ eingerichtet. Für den Wissenstransfer und die Vernetzung der Akteure spielen zielgruppenspezifische Tagungen, Kongresse und Workshops eine wichtige Rolle. Beispiele hierfür sind der zweijährig stattfindende Bioökonomiekongress Baden-Württemberg, die Veranstaltungsreihe „Plan B“ des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft sowie Fachveranstaltungen und Bioökonomieformate des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Ergänzt werden diese durch themenbezogene Workshops und Vernetzungsangebote der Anlaufstellen und Kompetenzzentren.

Portal zur Bioökonomie-Landesstrategie Baden Württemberg

Das ressortübergreifende Portal informiert über die Landesstrategie, Fördermöglichkeiten und Wettbewerbe sowie über Definitionen und Praxisbeispiele der Bioökonomie in Baden-Württemberg. Gleichzeitig dient die Plattform als Wegweiser zu aktuellen Themen, Veranstaltungen und Terminen und unterstützt die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure aus Forschung, Wirtschaft und Praxis.

Förderung & Innovation 

Die Landesregierung Baden-Württemberg veröffentlicht regelmäßig Förderaufrufe mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten und unterstützt damit Forschung, Entwicklung sowie den Transfer bioökonomischer Innovationen in die praktische Anwendung. Informationen zu Förderprogrammen und aktuellen Ausschreibungen werden über die Informationsplattform der Landesstrategie Nachhaltige Bioökonomie Baden-Württemberg bereitgestellt.

Marktreife und marktnahe Innovationen werden im Rahmen des Ideenwettbewerbs Innovationspreis Bioökonomie des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Im Jahr 2025 wurden unter anderem Projekte zu Naturfaser-Leichtbauwerkstoffen, kreislauffähigen Materialien, biobasierten Verbundwerkstoffen sowie innovativen Verfahren der industriellen Bioökonomie prämiert. Der Wettbewerb unterstützt marktfähige bioökonomische Produkte, Verfahren und Geschäftsmodelle mit Beiträgen zu Ressourceneffizienz, Klimaschutz und regionaler Wertschöpfung.

Der Innovationsraum NewFoodSystems, eines von vier bundesweiten Programmen der Fördermaßnahme „Innovationsräume Bioökonomie“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), wird vom Max Rubner-Institut in Karlsruhe gemeinsam mit der Technischen Universität München koordiniert. Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger und marktfähiger Ernährungs- und Lebensmittelsysteme. Im Mittelpunkt stehen neue Produktionsverfahren, innovative Lebensmittel- und Futtermittelzutaten sowie ressourceneffiziente und kreislauforientierte Ansätze entlang der Wertschöpfungskette.

Forschung & Entwicklung

Die Forschung zur Bioökonomie wird in Baden-Württemberg durch Universitäten, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen getragen: Die Universität Hohenheim zählt zu den zentralen Forschungseinrichtungen des Landes im Bereich der Bioökonomie. Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere in den Bereichen Agrar- und Lebensmittelwissenschaften, Pflanzenforschung, Biomasse, Bioverfahrenstechnik sowie nachhaltige Ernährungs- und Produktionssysteme („Bioökonomie – Leitthema der Universität Hohenheim“). Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) forscht unter anderem zu industrieller Bioökonomie, Kreislaufwirtschaft, CO₂-Nutzung, Bioverfahrenstechnik sowie nachhaltigen Energie- und Ressourcensystemen. Die Universität Stuttgart ist insbesondere in der Materialforschung sowie bei biobasierten Werkstoffen und nachhaltigen Produktionssystemen aktiv. Das Max Rubner-Institut als Bundesforschungseinrichtung für Ernährung und Lebensmittel nimmt eine zentrale Rolle bei der Erforschung nachhaltiger Ernährungs- und Lebensmittelsysteme ein und koordiniert unter anderem den Innovationsraum NewFoodSystems. Mehrere Institute der Fraunhofer-Gesellschaft in Baden-Württemberg forschen an biobasierten Materialien, industrieller Biotechnologie sowie ressourceneffizienten und kreislauforientierten Produktionsprozessen. Wichtige Beiträge leisten insbesondere das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA sowie das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT. Die Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf sind insbesondere in den Bereichen Naturfasern, biobasierte Verbundwerkstoffe und technische Textilien von Bedeutung.