Bremen

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In Bremen ist Bioökonomie kein eigenes Politikfeld, sondern Teil von Innovations- und Klimastrategien. Schwerpunkte liegen in der marinen Forschung, industriellen Biotechnologie und der Nutzung biogener Reststoffe. Wirtschaftlich entsteht Bioökonomie vor allem an Schnittstellen bestehender Branchen, unterstützt durch enge Kooperationen, Transferstrukturen und gezielte Förderprogramme.

Politischer Rahmen & strategische Ausrichtung

Eine zentrale Rolle spielt die 2022 beschlossene Klimaschutzstrategie 2038 in Bremen. Bioökonomische Ansätze zeigen sich hier vor allem dort, wo Ressourcen effizient genutzt und in Kreisläufe integriert werden, etwa in der Abfallwirtschaft, bei biogenen Reststoffen oder in nachhaltigen Ernährungssystemen. Der Aktionsplan Klimaschutz konkretisiert diese Ziele mit einem Maßnahmenkatalog für ökologische Innovation und eine ressourcenschonende, kreislauforientierte Wirtschaft. Biomasse wird zwar einbezogen, spielt jedoch aufgrund begrenzter Verfügbarkeit nur eine ergänzende Rolle. Stattdessen setzt Bremen verstärkt auf Reststoffe. Maßnahmen wie die Ausweitung von Grünflächen sollen zudem CO₂ binden und die Biodiversität stärken.

Den wirtschaftspolitischen Rahmen bildet die Innovationsstrategie Land Bremen 2030. Sie bündelt zentrale Programme und zielt darauf ab, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum zu verbinden. Bioökonomie ist hier vor allem im Schlüsselinnovationsfeld „Nachhaltiges Wirtschaften und Ressourceneffizienz“ verankert, mit Fokus auf biologische Ressourcen, umweltfreundliche Technologien und regionale Wertschöpfungsketten. Ergänzt wird dieser Rahmen durch die Wasserstoffstrategie des Landes. Sie zielt auf den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft, insbesondere für Industrie und Hafen, und setzt auf grünen Wasserstoff als Baustein der klimaneutralen Transformation.

Forschung & Entwicklung

Besonders ausgeprägt ist in Bremen die marine Bioökonomie, die sogenannte „Blue Bioeconomy“. Einrichtungen wie das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, das MARUM an der Universität Bremen sowie das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung untersuchen mikrobielle Stoffkreisläufe, Kohlenstoffbindung und die Dynamik mariner Ökosysteme. Ergänzt wird dieses Profil durch das Alfred-Wegener-Institut sowie die Thünen-Institute für Seefischerei und Fischereiökologie, die insbesondere Fragen der nachhaltigen Nutzung mariner Ressourcen und Fischbestände adressieren.

Parallel dazu gewinnt die industrielle und umweltbezogene Biotechnologie an Bedeutung. Am Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien (UFT) der Universität Bremen werden Verfahren entwickelt, die auf eine effizientere Nutzung von Ressourcen abzielen, etwa zur Rückgewinnung von Phosphor und Stickstoff aus Abwasser oder zum Einsatz von Mikroorganismen in technischen Prozessen.

Auch in der Lehre ist Bioökonomie fest verankert. Studiengänge wie „Marine Biology“ und „Environmental Physics“ an der Universität Bremen sowie „Process Engineering and Energy Technology“ an der Hochschule Bremerhaven greifen bioökonomische Fragestellungen auf, etwa im Kontext mariner Systeme, globaler Stoffkreisläufe und nachhaltiger Produktionsverfahren. Ergänzend bietet die Hochschule Bremen praxisorientierte Studiengänge mit Bezug zu Umwelt- und Ressourcenthemen.

Ein weiterer anwendungsnaher Schwerpunkt liegt im Bereich alternative Proteine und Lebensmittelsysteme sowie Aquakultur. Die Hochschule Bremerhaven forscht zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen, alternativen Proteinquellen sowie geschlossenen Aquakultursystemen. Ergänzend bringt die Constructor University interdisziplinäre Perspektiven beispielsweise mit dem Studiengang „Earth Sciences and Sustainable Management of Environmental Resources“ ein.

Ein prägendes Merkmal des Standorts ist die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen. Kooperationsvereinbarungen und gemeinsame Programme, etwa im Rahmen der U Bremen Research Alliance, fördern interdisziplinäre Projekte und erleichtern den Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung. 
 

Innovationen & wirtschaftliche Dynamik

Die wirtschaftliche Umsetzung bioökonomischer Ansätze erfolgt in Bremen überwiegend innerhalb bestehender Branchen. Relevante Anwendungsfelder sind die Lebensmittelwirtschaft, die maritime Wirtschaft sowie Umwelt- und Energietechnologien. Im Zentrum stehen konkrete Anwendungen wie die Verwertung biogener Reststoffe, nachhaltige Produktionsverfahren und neue Ansätze in Aquakultur und Lebensmittelverarbeitung.

Die Gründungsförderung ist zentral organisiert. Mit dem Starthaus Bremen & Bremerhaven existiert eine landesweite Anlaufstelle für Start-ups, ergänzt durch das Netzwerk BRIDGE für Ausgründungen aus der Wissenschaft. Bioökonomiebezogene Gründungen entstehen meist aus Forschungsprojekten und sind häufig technologie- und projektgetrieben. Gezielte Förderprogramme unterstützen die Umsetzung. Das Förderprogramm Angewandte Umweltforschung (AUF) fördert Verbundprojekte zwischen Wissenschaft und Unternehmen, während das Programm zur Förderung anwendungsnaher Umwelttechniken (PFAU) auf marktfähige Produkte und Verfahren abzielt. Beide Programme richten sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen und stärken den Transfer in die Praxis.

Zentrale Standorte sind der Technologiepark Bremen sowie Bremerhaven. Dort arbeiten Forschungseinrichtungen, Start-ups und Unternehmen eng zusammen, insbesondere in den Bereichen Lebensmittelwirtschaft, Aquakultur und Umwelttechnik. Ergänzt wird dies durch Transferstrukturen wie das Bremer Innovations- und Technologiezentrum (BITZ) und das Technologietransfer-Zentrum Bremerhaven (TTZ).