Saarland

Saarland

Eine Bioökonomie-Strategie gibt es im Saarland nicht, an relevanten Themen wird dennoch gearbeitet. Im kleinsten Flächenland Deutschlands spielen die Metallbranche, die Fahrzeugproduktion und der Maschinenbau eine große Rolle, diese drei Sektoren erbringen fast drei Viertel des Gesamtumsatzes im verarbeitenden Gewerbe. Im Forschungsbereich hat sich die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zu einem profilgebenden Forschungs- und Innovationsschwerpunkt entwickelt.

Politische Grundlagen

Das Saarland ist ein Industrieland. Schlüsselbranchen sind Automobil- und Maschinenbau sowie die Stahlherstellung. In der Innovationsstrategie 2016-2023 fokussiert das Saarland seine innovationspolitischen Schwerpunkte auf drei Schlüsselbereiche, die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Automotive/Produktion sowie Life Science und Materialien. Alle drei Bereiche haben einen thematischen Bezug zur Bioökonomie. Besonderes Potenzial wird in den branchenübergreifenden Technologiefeldern wie beispielsweise der Informatik, Materialforschung, Nanotechnologie und Werkstoffforschung gesehen.

In der im Januar 2017 vom saarländischen Umweltministerium veröffentlichten Nachhaltigkeitsstrategie wurde der Bereich „Klima- und Ressourcenschutz“ als eines von sechs Handlungsfeldern identifiziert. Ziele sind unter anderem die Reduktion der Treibhausgasemissionen sowie der Ausbau erneuerbarer Energien auf 20% bis 2020. Bedingt durch die große Bedeutung der Stahlindustrie sowie der Energiewirtschaft gehört das Saarland zu den Ländern mit einem hohen CO2-Ausstoß pro Kopf. Die Reduzierung der Treibhausgase stellt daher eine besondere Herausforderung dar. Dennoch wird bereits im Masterplan für eine nachhaltige Energieversorgung im Saarland eine CO2-Einsparung von 80% bis zum Jahr 2050 als langfristiges Ziel angestrebt. Zur Umsetzung dieser Ziele wird die Landesinitiative Energieinnovation Saar (LIESA) – ein Zusammenschluss von Experten aus Forschung, Energiewirtschaft, Industrie und Handwerk von der Landesregierung unterstützt.

Entsprechend der im Saarland identifizierten Schlüsselbereiche wird die Bildung von Netzwerken in den aussichtsreichsten Technologiefeldern von der Landesregierung forciert. In den Clustern it.saarland, biokom.saarland und automotive.saarland arbeiten Bildungs- und Forschungsorganisationen sowie Unternehmen bereits an gemeinsamen Projekten.

Forschungslandschaft

Die Universität des Saarlandes in Saarbrücken verfügt über die Fächerbreite einer kl­­­­­assischen Universität, zeichnet sich jedoch besonders durch die Forschungsschwerpunkte Informatik, Nano-, Biotechnologie und Europa aus.

Der eng mit der Informatik verknüpfte Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) hat sich zu einem Aushängeschild des Saarlandes entwickelt. Namhafte außeruniversitäre Institute wie das Max-Planck-Institut (MPI) für Informatik, das MPI für Softwaresysteme, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und das Leibniz-Zentrum für Informatik arbeiten hier eng mit den universitären Instituten zusammen. Im Bereich Informatik war die Universität des Saarlandes bei der Exzellenzinitiative doppelt erfolgreich. Sowohl ein Exzellenzcluster als auch eine Graduiertenschule wurden bewilligt und mit mehr als 80 Millionen Euro gefördert.

Im Schwerpunkt NanoBioMed – Leben und Materie arbeiten Wissenschaftler aus medizinischen und naturwissenschaftlich-technischen Fakultäten zusammen mit Forschern aus außeruniversitären Forschungsinstituten der Bereiche Nano- und Biotechnologie, der Human- und Molekularbiologie, der Molekularen Medizin und Systembiologie daran, neue Wirkstoffe, Materialien, Verfahren und Prozesse zu entwickeln oder zu optimieren. Im Bereich Life Science und Materialwissenschaft sind vor allem folgende außeruniversitäre Einrichtungen exemplarisch zu nennen, das Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM), das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) sowie das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS).

Auf Initiative des Saarlandes, der Hochschulen und diverser Energieunternehmen wurde 1999 das Institut für ZukunftsEnergieSysteme GmbH (IZES) als An-Institut an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) gegründet. Durch anwendungsnahe Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet nachhaltiger Energie- und Stoffstromsysteme leistet das IZES einen Beitrag zur Energiewende. Unter anderem ist es Partner im länderübergreifenden INTERREG-Projekt „Persephone - Integration von Biogas in das Zukunftsfeld der Bioökonomie“.

Aber auch an anderen Bioökonomie-relevanten Bereichen wird im Saarland geforscht, so beispielsweise am Institut für effiziente Bauwerke der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Hier wird an innovativen Baustoffen, Gebäudetechnik und Baukonstruktionen gearbeitet, ­der Einsatz erneuerbarer Energien, energetische und wirtschaftliche Konzepte bis hin zur Bionik in der Architektur sind relevante Themen.