Thüringen

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Eine spezifische Bioökonomiestrategie gibt es in Thüringen nicht. Das Potenzial der Bioökonomie wurde jedoch erkannt und soll entsprechend genutzt werden. Dies zeigt sich in verschiedenen relevanten Strategiepapieren. Bei der Umsetzung der Strategien setzt die Landesregierung in Thüringen auf die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Politik.

Politische Grundlagen

Bereits im November 2011 wurde die Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet. Nachhaltiges Handeln wird hier erstmals als wichtige Querschnittsaufgabe aller Politikbereiche der Landespolitik definiert.

Die Potenziale der Bioökonomie vor allem in der Nutzung einheimischer, nachwachsender Rohstoffe und biogenen Abfalls zu erschließen, ist Teil des ebenfalls 2011 formulierten Energiekonzepts Thüringen. Bis 2018 soll eine Integrierte Energie- und Klimaschutz-strategie des Freistaates Thüringen erarbeitet und von der Landesregierung verabschiedet werden. Darin sollen Maßnahmen aufgezeigt werden, wie u. a. der Energiebedarf Thüringens bis zum Jahr 2040 zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann.

Im Juni 2014 wurde die Regionale Forschungs- und Innovationsstrategie für intelligente Spezialisierung für Thüringen (RIS3 Thüringen) beschlossen. Vorhandene Potentiale sollen demnach für intelligentes und nachhaltiges Wachstum genutzt und weiterentwickelt werden.
Vier Spezialisierungsfelder (Industrielle Produktion und Systeme, Nachhaltige und intelligente Mobilität und Logistik, Gesundes Leben und Gesundheitswirtschaft, Nachhaltige Energie und Ressourcenverwendung) und ein Querschnittsfeld wurden identifiziert (Informations- und Kommunikationstechnologien, innovative und produktionsnahe Dienstleistungen). Die Bioökonomie findet sich im Spezialisierungsfeld Nachhaltige Energie und Ressourcenverwendung.
Elementarer Baustein der RIS3 Thüringen ist die Vernetzung aller Akteure. Wirtschaft, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Politik sollen kooperieren und Cluster bilden.  Koordiniert wird die Umsetzung der Innovationsstrategie durch das Thüringer Clustermanagement (ThCM), das bei der LEG Thüringen angesiedelt ist. Es fördert die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft und unterstützt den Clusterausbau im Freistaat.

Darüber hinaus beschloss der Landtag im Dezember 2016, die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen sowie den Weltklimavertrag zu unterstützen. Zusammen mit der Fortschreibung der Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie werden dafür geeignete Rahmenbedingungen und konkrete Maßnahmen, wie eine Thüringer Energie- und Klimaschutzstrategie, ein Aktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung und die Fortschreibung der Entwicklungspolitischen Leitlinien benannt.

Schon 2009 hat sich der Beirat für Nachhaltige Entwicklung in Thüringen konstituiert. Das Gremium besteht aktuell aus 15 Personen und befindet sich in seiner dritten Arbeitsperiode (bis 2020). Eine der Hauptaufgaben des Beirats ist die Mitwirkung bei der Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie Thüringens von 2011.

Forschungslandschaft

Zur Thüringer Forschungslandschaft zählen neun staatliche Universitäten und Fachhochschulen, mehrere Institute außeruniversitärer Einrichtungen wie der Fraunhofer- und Max-Planck-Gesellschaft oder der Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft, außerdem weitere wirtschaftsnahe Forschungsinstitute.
Siebzehn Forschungsinstitute befassen sich unter anderem mit Bioökonomie-relevanten Themen. Entsprechend der Regionalen Forschungs- und Innovationsstrategie RIS3 Thüringen liegt der Fokus im Spezialisierungsfeld Nachhaltige Energie und Ressourcenverwendung, hier spielt auch die Materialforschung eine zentrale Rolle.

Richtlinie zur Förderung der Forschung
Der Aufbau der Forschungsinfrastruktur sowie wissenschaftliche Forschungsvorhaben werden über die Richtlinie zur Förderung der Forschung durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft gefördert. Voraussetzung ist, dass die Projekte den nachhaltigen Ausbau von Forschungsschwerpunkten in Thüringen unterstützen und sich der Regionalen Forschungs- und Innovationsstrategie für intelligente Spezialisierung RIS3 zuordnen lassen.