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08.06.2020

Von Fleischersatz und alten Apfelsorten

Der kompakte Medienrückblick: Fleischessen schadet dem Klima  +++ Obstanbau ohne Pestizide +++ Regenwaldabholzung als Corona-Effekt  +++ Fleischersatz im Trend

Freitag 5.6.2020
Süddeutsche Zeitung: Pflanzenpflanzerl

Lebensmittel – Fleischersatzprodukte liegen derzeit im Trend. So verzeichnete der prominente US-Anbieter Beyond Meat im ersten Quartal dieses Jahres ein Plus von 141%. Fakt ist: Weniger Fleisch zu essen, ist nachhaltig und gut fürs Klima. Doch wie gut ist der pflanzliche Fleischersatz tatsächlich und was steckt dahinter? Diesen Fragen geht Kathrin Zinkant in der Süddeutschen Zeitung nach. Viele Hersteller setzen auf Sojaeiweißkonzentrate und -isolate oder andere proteinreiche Pflanzen wie Erbsen oder Lupinen als Grundlage. Weil jedoch Pflanzeneiweiße weder in Struktur noch Geschmack Fleisch ähneln, werden zahlreiche Zutaten beigemischt. Einige Anbieter nutzen rote Beete, um dem Imitat die rote Fleischfarbe zu geben. Andere nutzen eisenhaltiges Häm, das in Pflanzen vorkommt, aber auch einen metallischen Geschmack hat. Dieser Stoff wird mittels gentechnisch veränderten Mikroben in Laboren erzeugt, da er in der Natur nur in geringer Konzentration vorhanden ist. Der im Pflanzenblut getränkte Impossible Burger ist auf Grund des europäischen Gentechnikurteils hierzulande aber nicht erhältlich. Der Geschmack bei diesen Fleischersatzprodukten bleibt in der Regel jedoch auf der Strecke.  Auch die Konsistenz lässt häufig noch zu wünschen übrig. Israelische Forscher haben nun eine Sojafaser aus Abfällen der Sojaölproduktion vorgestellt, auf der Muskelzellen wachsen und dem Laborfleisch die bisher fehlende fasrige Struktur verleihen. Der auf tierischen Muskelstammzellen basierende Fleischersatz soll bereits für die Massenproduktion geeignet sein.

Donnerstag 4.6.2020
Frankfurter Allgemeine Zeitung: Der Obstrebell

Landwirtschaft – Mit 9,1% ist der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen im Vergleich zur gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland noch relativ gering. Doch die Zahl der Ökobauern steigt seit Jahren an. Andreas Frey stellt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen „Obstrebellen“ vor, der Landwirtschaft so betreibt, wie sie vor der Erfindung von Pestiziden und Co. funktionierte. Vor zehn Jahren kaufte Martin Geng verwilderte Streuobstwiesen im Markgräflerland südlich von Freiburg, die als nicht wirtschaftlich galten. Er wollte beweisen, dass ein Obstanbau auch ohne Pestizide rentabel sein kann – und war erfolgreich. Er pflanze alte Apfelsorten auf grünen Wiesen und produzierte gezielt ungespritztes Obst. Mehltau oder Schorf nahm er in Kauf. Sein Problem sind nicht die Schädlinge. Die zunehmende Trockenheit bereitet dem Obstbauern größere Sorge. Obwohl seine Erträge nicht so hoch wie die anderer Landwirte sind, ist sein „Obstparadies“ inzwischen rentabel. Im Vergleich zum Intensivanbau fallen bei Geng pro Hektar nur ein Sechstel der Kosten an, die Verkaufspreise im Laden sind höher als im Supermarkt, liegen aber nicht über denen anderer Biolandbetriebe. Mit dem Verzicht auf Pestizide und Co. kehrte auch die Natur wieder zurück. Gengs Obstwiesen sind heute ein Hort der Artenvielfalt. Im vergangenen Jahr wurde er dafür von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit dem Bundespreis für Ökolandbau ausgezeichnet. Nun hofft er, dass sein Modell Schule macht.

Dienstag 26.5.2020
Deutschlandfunk: Wie wir uns klimafreundlicher ernähren können

Ernährung – Fleisch aus artgerechter Tierhaltung oder Gemüse und Obst aus regionalem Anbau: Verbraucher achten beim Einkauf immer öfter auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Doch sind Tomaten und Äpfel aus der Region tatsächlich klimafreundlicher? Antworten liefert Guido Reinhardt vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) im Gespräch mit Georg Ehring in der Deutschlandfunk-Sendung Forschung aktuell. In einer aktuellen Studie hat das ifeu den ökologischen Fußabdruck von 200 Lebensmitteln und typischen Gerichten ermittelt. Das Ergebnis: Obst und Gemüse aus der Region müssen nicht unbedingt besser für Umwelt und Klima sein. Entscheidend sind die Produktionsbedingungen. Tomaten, die außerhalb der Saison in Treibhäusern hierzulande angebaut werden, haben demnach eine schlechtere CO2-Bilanz als die in Spanien angebauten und nach Deutschland importierten Sorten. Die höchste CO2-Belastung hat jedoch Fleisch, da enorme Mengen an Futtermittel und Anbaufläche dafür benötigt werden. Vor allem Fleisch von Rindern und Kühen schneidet in der Studie schlecht ab. Grund dafür ist der extrem hohe Methanausstoß der Tiere, der 30-mal höher ist als der CO2-Fußabdruck. Ersatzprodukte aus Soja und Weizen sind da deutlich klimafreundlicher.

Donnerstag 21.5.2020
Zeit: Nicht mal die Pandemie kann den Regenwald retten

Umwelt – Der coronabedingte Stillstand hat der Natur eine vorübergehende Erholungspause spendiert. Erste Studien melden, dass die Treibhausgaswerte in diesem Jahr zurückgegangen sind. Doch nicht überall konnte sich die Natur erholen. Im Regenwald ging die Abholzung trotz Corona ungehindert weiter, wie Paul Blickle und Maria Mast in der Zeit berichten. Einer Studie des WWF zufolge wurde im März sogar mehr Regenwald abgeholzt als in den Jahren zuvor. Als Datengrundlage dienen Satellitenbilder von 18 Ländern mit tropischem Regenwald in Asien, Afrika und Südamerika. Insgesamt soll im März 2020 eine Waldfläche von rund 645.000 Hektar zerstört worden sein, also mehr als 900.000 Fußballfelder. Damit liegen die Verluste mit 150% über dem März-Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019. Die Umweltschützer gehen davon aus, dass die explodierende Waldzerstörung ein Corona-Effekt ist mit Folgen für die ökologische Vielfalt, das Klima und die Menschen vor Ort.

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