Biotech-Branche gespannt auf die Bio-Agenda

Der Begriff „Biotechnologie“ feiert in diesem Jahr seinen Hundertsten: 1919 erschien die deutsche Fassung des Buches „Biotechnologie der Fleisch-, Fett- und Milcherzeugung im landwirtschaftlichen Großbetriebe“, in dem der Agraringenieur Karl Ereky erstmals das Wort prägte. Ganz so alt sind die Deutschen Biotechnologietage noch nicht. Erstmals wurde dieses Forum im Jahr 2010 ausgerichtet, mittlerweile hat sich die Konferenz als wichtigster Treff für Unternehmer der Biotech-Branche etabliert.

Designer-Fabrik fürs Zellinnere

Der genetische Code kodiert für 20 Aminosäuren. Diese Moleküle bilden – bis auf wenige Ergänzungen – die Bausteine für alle Proteine in lebenden Zellen. Im Forschungsfeld der Synthetische Biologie haben Biotechnologen jedoch inzwischen mehr als 300 Aminosäuren entwickelt, mit denen Dinge möglich sind, die über die natürlichen Möglichkeiten der Zellen hinaus gehen.

Stärke-Alternative aus Mikroalgen

Stärke ist ein wichtiger Rohstoff. Er wird von Pflanzen erzeugt und ist erneuerbar. Dennoch gibt es ein Problem: „Da Stärke aus Kulturpflanzen wie Kartoffeln, Mais oder Getreide gewonnen wird, gibt es den Konflikt zwischen Teller und Tank. Wenn man aus Stärke Kunststoffe oder Energieträger herstellt, greift man notwendigerweise auf Nahrungsquellen zurück“, erklärt Christian Wilhelm, Biologe an der Universität Leipzig. Angesichts der Ernährungsunsicherheiten habe eine stärkebasierte Biotechnologie keine nachhaltige Zukunft.

DFG setzt auf Elektro-Biotechnologie

Die Schwerpunktprogramme (SPP) der DFG sind so etwas wie ein Seismogramm für die derzeit wohl spannendsten Zukunftsfelder in der akademischen Grundlagenforschung. Im Rahmen eines SPP werden stark interdisziplinär geprägte Forschungsverbünde gebildet, die aktuelle Fragestellungen bearbeiten und innovative Methoden anwenden. Die Beschäftigung mit originellen Themen wird durch ortsübergreifende Zusammenarbeit in einem Netzwerk erreicht. Bis zu 30 Einzelprojekte können Teil eines SPP sein.

Löwenzahn-Kautschuk nachgebaut

Bislang war die Natur unübertroffen: Ging es um abriebfeste Laufflächen für Fahrzeugreifen, führte kein Weg am Naturkautschuk vorbei. In dieser Disziplin ist das Material, das aus Kautschukbäumen gewonnen wird, marktbeherrschend. Doch eine Pilzinfektion vernichtet derzeit große Teile der Pflanze auf den brasilianischen Plantagen. Breitet sich die Krankheit auch auf die asiatischen Anbaugebiete aus, könnte eine globale Gummiknappheit folgen. Genau rechtzeitig haben Forscher mehrerer Fraunhofer-Institute eine Alternative entwickelt, die sie am 4.

Mikrobielle Putzhelfer auf dem Prüfstand

Schmutz oder Nahrung – das ist wohl eine Frage der Perspektive. Fette, Eiweiße, Kohlenhydrate und auch Harnstoff – also jene Stoffe, die einen Großteil des Schmutzes in Küchen und Bädern ausmachen – dienen Bakterien als Nahrung. Einige Putzmittelhersteller werben neuerdings damit, dass ihre Produkte entsprechende Bakterien enthalten, die so die Reinigungswirkung verbessern sollen. Das ist aus mehreren Gründen unglaubwürdig, wie Mikrobiologen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) nun dargelegt haben.