Proteine sind ein Schlüsselwerkzeug der Bioökonomie. Unter anderem können biokatalytisch aktive Proteine (Enzyme) eine unglaubliche Vielfalt von komplexen Biomolekülen erzeugen, deren mögliche Anwendungen von chemischen Grundstoffen über Treibstoffe bis hin zu Lebensmittelzusätzen und Pharmazeutika reicht. Manchmal sind die Prozesse so attraktiv, weil die Moleküle für eine konventionelle chemische Synthese zu komplex wären. Manchmal sind es die energiesparenden und umweltfreundlichen Prozessbedingungen.
Paneele aus Popcorn für den Trockenbau
Die Bauwirtschaft ist mit 38% für einen Großteil der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Da die Nachfrage nach Wohnraum steigt, sind nachhaltige Baustoffe dringend gefragt, um Umwelt und Klima nicht weiter zu belasten. Mit der Entwicklung eines Verfahrens, mit dem sich zahlreiche Produkte aus Hanf, Flachs und Popcorngranulat herstellen lassen, haben Forschende der Universität Göttingen auch für den Trockenbau eine ökologische Alternative parat.
BASF: Hautpflege mit Bakterien
Auf unserer Haut siedeln Millionen Mikroorganismen, die uns vor Krankheitserregern schützen und das Hautbild prägen. Doch mit dem Alter verändert sich das Mikrobiom der Haut. Die Folge: Die Haut verliert an Elastizität, Falten bilden sich. Mit Probiolift und Postbiolift bringt der Unternehmensbereich Care Creations von BASF zwei neue kosmetische Inhaltsstoffe auf den Markt, die erstmals auf die Kraft hauteigener Bakterien setzen und zum Erhalt einer jugendlicheren und frischen Haut beitragen sollen.
Wichtiger Botenstoff der pflanzlichen Immunabwehr entdeckt
Krankheitserreger, die Pflanzen befallen, sind jedes Jahr für enorme Ernteverluste verantwortlich. Als Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln bemühen sich zahlreiche Teams aus der Pflanzenforschung darum, die Wechselwirkungen zwischen Krankheitserreger und Pflanze besser zu verstehen. Das könnte biologische Schutzmittel ermöglichen oder die Züchtung resistenter Pflanzen.
Abwehr der Weinrebe gegen Pilzbefall gestärkt
Wieder einmal ist es die Klimakrise, die die Pflanzenforschung auf den Plan ruft: Die Pilzkrankheit Esca verursacht im europäischen Weinanbau Millionenschäden. Das klingt für manchen Winzer vielleicht überraschend, ist doch Esca seit dem Mittelalter bekannt und nie ein großes Problem gewesen. Das hat sich jedoch verändert: „Aufgrund des Klimawandels trifft der Pilz nun auf viele geschwächte Pflanzen, die unter Klimastress leiden“, erläutert Alexandra Wolf vom Botanischen Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Holz ist nicht per se nachhaltig
Ob zum Möbel bauen, für Verpackungen oder zum Heizen: Holz ist ein vielseitiger Rohstoff und für die Bioökonomie von besonderer Bedeutung. Doch die Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs sollte wohlüberlegt sein, um den Wald als Ökosystem zu erhalten.
Universität Kassel und WWF (2022): Alles aus Holz
In vielen Bereichen gilt der nachwachsende Rohstoff Holz als Allheilmittel für mehr Nachhaltigkeit – Holz dient als Ersatz für Beton beim Gebäudebau, als Ersatz für Plastik in Verpackungen und es wird auch energetisch zum Heizen und zur Energieerzeugung genutzt. In ihrer Studie zeigen der WWF Deutschland und die Universität Kassel, dass es bereits heute weder in Deutschland noch weltweit genügend Holz gibt, um die Nachfrage nachhaltig zu decken.
Mikrobielles Öl als Palmölersatz
Palmöl ist eines der vielseitigsten und gefragtesten Pflanzenöle: Es steckt in vielen Lebensmitteln wie Eis, Schokolade und Chips. Aber es wird auch zur Herstellung von Kosmetik und Biodiesel genutzt. Doch der Palmölanbau in Ländern wie Malaysia und Indonesien hat wirtschaftliche, soziale und auch ökologische Folgen und ist daher seit langem umstritten.