Von Wasser-Rettern und DNA-Synthese
Der kompakte Medienrückblick: Nobelpreisträger diskutieren über Gentechnik +++ Schlechte Klimabilanz von Palmöl +++ Im Kampf für sauberes Wasser +++ Innovative DNA-Synthese
Grüne Gentechnik – Letzte Woche trafen sich in Lindau am Bodensee 600 Nachwuchswissenschaftler und 39 Nobelpreisträger zum jährlichen Treffen. Aus diesem Anlass hat die FAZ eine Sonderbeilage mit dem Titel „Zukunftslabor Lindau“ veröffentlicht. Unter anderem berichtet Hildegard Kaulen darüber, wie die grüne Gentechnik die Welternährung vor allem für Entwicklungsländer sichern könnte. Zum Beispiel mit dem „Goldenen Reis“, der eine Vorstufe des wichtigen Vitamin A enthält, könnten Millionen Kinderleben gerettet oder vor Missbildungen geschützt werden. Doch durch starke Lobbygruppen wie Greenpeace, die gegen die grüne Gentechnik (nicht aber die medizinische Gentechnik zur Medikamentenherstellung) angehen, wird der Anbau solcher Pflanzen immer weiter verzögert. Sehr aktiv im Kampf gegen diesen Lobbyismus ist der britische Medizin-Nobelpreisträger Sir Richard Roberts. Für die FAZ-Sonderbeilage führte Juliette Irmer ein Interview mit ihm. Laut Roberts könnten die gentechnisch veränderten Pflanzen (GMOs) helfen, das oft wenige und karge Land in Entwicklungsländern effizient zu nutzen, denn durch die Gentechnik können Pflanzen ertragreicher und wetterresistenter gezüchtet werden. Als Beispiel nennt Roberts Uganda: Hier sind Bananen Hauptnahrungsmittel, aber zugleich durch eine bakteriell verursachte Welk-Krankheit bedroht. Den dortigen Forschern sei es gelungen, resistente Bananen zu züchten, die ein Paprika-Gen in sich tragen. Die Farmer wollen die Bananen anpflanzen, die aber nicht zugelassen sind, weil die dortige Regierung unter dem Einfluss von Anti-GMO-Propaganda stehe. Laut Roberts gebe es keine Gesundheitsrisiken durch die gentechnisch veränderten Pflanzen: „Nicht ein einziges Ereignis konnte nachgewiesen werden. Alle seriösen wissenschaftlichen Einrichtungen befürworten GMOs. (...) In Europa tragen wir alle Baumwollkleidung aus solchen Pflanzen und nehmen Medikamente zu uns, die von GMOs hergestellt wurden.“ Roberts hat inzwischen bereits 132 Nobelpreisträger überzeugen können, einen offenen Brief zur Unterstützung von GMOs zu unterzeichnen. Roberts: „Ich mache so lange weiter, bis Greenpeace öffentlich erklärt, dass es ein Fehler war, GMOs zu verteufeln.“
Forstwirtschaft – Palmölplantagen stehen schon lange in der Kritik, denn für sie muss Regenwald weichen. Sandra Kirchner berichtet in der Frankfurter Rundschau über eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), die zeigt, dass bei der Umwandlung von Regenwald in Palmöl-Plantagen noch weitaus mehr Kohlendioxid freigesetzt wird als bisher vermutet. Der Ökologe Thomas Guillaume hat über zwei Jahre Proben von Böden und Bäumen im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra gesammelt und die Auswirkungen des intensiven Anbaus von Ölpalmen und Kautschukbäumen auf Plantagen verglichen. Das Ergebnis: Wird ein Hektar Regenwald in intensiv genutzte Palmölplantagen umgewandelt, entweichen 174 Tonnen Kohlenstoff, größtenteils als CO2 in die Atmosphäre. Die von Guillaume ermittelten Emissionen übertreffen die IPCC-Angaben um rund ein Fünftel. Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht auf alle Anbauregionen übertragen. Ein wichtiges Kriterium ist die jeweilige Bodenbeschaffenheit: Regenwälder in Indonesien sind oft auf Torfmoorböden gewachsen, die enorme Mengen CO2 gespeichert haben. Werden die Wälder abgeholzt und die Böden entwässert, setzt der Torf erhebliche Mengen an CO2 frei.
Landwirtschaft – Um Erträge zu steigern und um Schädlinge fernzuhalten, setzen Landwirte unter anderem Dünger und Pestizide ein. Doch diese gelangen teilweise in Flüsse und Grundwasser. In einer 3sat-Doku berichten Bruno Amrein und Arian Bastani über die Schweizerin Franziska Herren, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzt. Dafür geht Herren sogar auf direkten Konfrontationskurs mit den Landwirten und versucht, sie von den Vorteilen einer ökologischen, pestizidfreien Landwirtschaft zu überzeugen.
Synthetische Biologie – Ist die Erbgutsequenz von Pflanzen, Tieren oder Bakterien bekannt, lässt sie sich chemisch nachbauen. Doch die DNA-Synthese ist immer noch vergleichsweise teuer. Michael Lange berichtet im Deutschlandfunk in der Sendung „Forschung aktuell“ über eine vielversprechende Idee zweier Doktoranden, die diese Synthese erheblich vereinfachen und beschleunigen könnte. Ihre Idee beruht auf dem biologischen Enzym TdT-Transferase, die in tierischen und menschlichen Immunzellen DNA-Moleküle verlängert – im Labor allerdings bisher nur nach dem Zufallsprinzip. Deshalb konstruierten die beiden Doktoranden, inzwischen ansässig an der TU Darmstadt, damals aber am Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien, einen kleinen molekularen Anbau für das Enzym, einen sogenannten Linker. Er verknüpft jeweils einen DNA-Baustein mit einem einzelnen Enzym. Das Enzym fügt den zusätzlichen Baustein an die DNA. Anschließend werden Linker und Enzym wieder von der DNA getrennt werden – mittels Licht aus einem Laser. Bisher konnten die beiden hierdurch erst zehn DNA-Bausteine zusammensetzen. Doch sie haben gezeigt, dass der Prozess im Prinzip funktioniert. Ihr nächstes Ziel: der Prozess soll automatisiert und dadurch schneller und günstiger werden.