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08.05.2019

Wie Renaturierung gelingen kann

Ein beeinträchtigtes Ökosystem wiederherzustellen, erfordert stets individuelle Lösungen, wie eine aktuelle Studie zeigt. 

Der Fluss Peene und die Überschwemmungsgebiete beim Anklamer Stadtbruch in Deutschland sind ein Beispiel für eine gelungene Renaturierung.
Der Fluss Peene und die Überschwemmungsgebiete beim Anklamer Stadtbruch in Deutschland sind ein Beispiel für eine gelungene Renaturierung.
Quelle: 
Solvin Zankl/Rewilding Europe

Ob Stadtwachstum oder Landwirtschaft: Die menschliche Aktivität beeinträchtigt viele Naturräume und hat schon manches Ökosystem komplett zerstört. Das hat oft auch Folgen für die Menschen, wie Biodiversitätsforscher Henrique Pereira von der Universität Halle-Wittenberg (MLU) berichtet: „Viele Ökosysteme sind deshalb heute nicht mehr in der Lage, wichtige Aufgaben wie den Hochwasserschutz, zu erfüllen.“ Renaturierungsmaßnahmen sollen dem entgegenwirken. Aber wie gestaltet man diese, damit sie möglichst erfolgversprechend sind?

Blaupause für erfolgversprechende Ansätze

„Beim Rewilding richtet man den Blick auf das Ökosystem als Ganzes und versucht durch gezielte Maßnahmen, seine Funktionalität wiederherzustellen. Ziel ist ein Ökosystem, das sich auf lange Sicht weitgehend ohne menschliche Hilfe regeneriert und selbst erhält“, erklärt Andrea Perino von der MLU. Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung und internatinalen Partnern haben die MLU-Forscher im Fachjournal „Science“ eine Blaupause für erfolgreiche Naturierungen präsentiert.

Die Menschen mitnehmen

Ihre zentrale Botschaft: Es gibt nicht das eine ideale Ökosystem, das bei solchen Maßnahmen angestrebt werden sollte. „Es geht nicht darum, alle Aktionen auf eine bestimmte Zielvorstellung eines idealen Ökosystems auszurichten. Ökosysteme sind dynamisch und deshalb müssen es auch die Maßnahmen sein“, begründen die Forscher. Vielmehr müsse man das konkrete Ökosystem betrachten, seine jeweiligen Funktionen und die vorliegenden Störungen analysieren. Dann müsse man diesen Störungen entgegenwirken und dabei möglichst den menschlichen Eingriff minimieren. Bei einer Renaturierung müssten zudem die betroffenen Menschen einbezogen werden, mahnen die Wissenschaftler. Sie sind überzeugt, dass ohne die Akzeptanz der Maßnahmen, Projekte keine Chance auf Erfolg hätten. Dafür seien auch Kompromisse erforderlich.

Gelungenes Beispiel Oder-Delta

Als Beispiel für die individuelle Betrachtung führen die Forscher eine Auenlandschaft an, bei der das Entfernen von Dämmen die natürlichen Überflutungszyklen wiederherstellt und so vertriebenen Tier- und Pflanzenarten die Rückkehr ermöglicht. Ein Vorbild ist demnach die Renaturierung des Oder-Deltas an der Ostseeküste. Dort leben wieder Seeadler, Wisente und Biber in freier Wildbahn. Parallel ist ein sanfter Naturtourismus entstanden. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Rewilding Vorteile für die Umwelt und die Gesellschaft gleichzeitig entwickeln kann“, freut sich Perino.

bl

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