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25.05.2018

Baggerseen ökologisch aufwerten

Gemeinsam mit Anglern wollen Berliner Forscher Baggerseen für Tier-und Pflanzenwelt aufwerten. Dafür versenken sie tonnenweise Totholz in den Gewässern und setzen Besatzfische aus.

Ein Totholzbündel wird im Baggersee versenkt.
Ein Totholzbündel wird im Baggersee versenkt.
Quelle: 
Anja Gruner

Baggerseen sind die häufigsten Gewässertypen Deutschlands und vielerorts vor allem beliebte Naherholungsorte. Wo einst Kies, Sand oder Braunkohle abgebaut wurde, tummeln sich heute Badelustige, Wassersportler und Angler. Bisher bieten die Meisten dieser künstlich angelegten Seen allerdings Tieren kaum einen Lebensraum. Der Grund: Im Vergleich zu natürlichen Gewässern fehlt es dort sowohl im Wasser als auch am Ufer an Pflanzen oder Wurzeln, die Tieren den notwenigen Unterschlupf bieten.

Artenfielfalt an Baggerseen fördern

Forscher vom Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), der Technischen Universität Berlin und des Anglerverbands Niedersachsen e.V. (AVN) wollen die kleinen Gewässer daher ökologisch aufwerten. Im Rahmen des Verbundprojektes Baggersee sollen durch gezielte Maßnahmen die Artenvielfalt und die Attraktivität der Baggerseen für Angler und Erholungssuchende gefördert werden. „Das Projekt zielt auf die Vereinbarkeit von Schutz und anglerischer Nutzung der Seen. Wir wollen untersuchen, ob von solchen einfachen strukturverbessernden Maßnahmen sowohl der erholungssuchende Mensch als auch der Artenschutz profitieren kann", erklärt Biologe Thomas Klefoth vom AVN.

Larven, Krebse und Fische mit Totholz anlocken

Um Baggerseen ökologisch aufzuwerten wurden in den vergangenen zwei Jahren 100 Bündel Totholz in insgesamt acht künstlichen Gewässern versenkt und mit Kies gefüllten Jutesäcken beschwert, damit sie im See versinken. Die Säcke werden sich innerhalb von zwei Jahren vollständig zersetzen. Das tote Holz soll jedoch in den Gewässern dazu beitragen, dass Libellenlarven und Krebse, Jungfische und andere wirbellose Tiere Schutz und Nahrung finden und sich ansiedeln. In vier der acht Seen wurden zudem die steilen Uferzonen zu Flachwasserzonen umgewandelt, damit sich Wasserpflanzen ansiedeln und von den Tieren zur Eiablage genutzt werden können.

Besetzfische mit Transpondern markiert

Damit die Forscher das bestmögliche Verfahren zur Aufwertung von Baggerseen ermitteln können, werden die Effekte der verschiedenen Maßnahmen mit dem traditionellen Fischbesatz verglichen. Dafür wurden Fische mit kleinen Transpondern markiert und diese in vier weiteren Baggerseen ausgesetzt. Mithilfe der Markierung kann das Projektteam bei den nun folgenden Probenahmen feststellen, ob es sich um besetzte oder die ursprünglichen Fische handelt und ob sich das Vorkommen der Fische zwischen den Vergleichsgewässern und denen mit Totholzeintrag unterscheidet.

Offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Das Verbundprojekt Baggersee wird von 2016 bis 2022 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms Forschung für Nachhaltige Entwicklungen (FONA) sowie durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert. An der ökologischen Umgestaltung der künstlichen Seen sind neben den Berliner Forschern etwa 160 ehrenamtliche Helfer von Anglervereinen beteiligt. Mitte Mai wurde das Vorhaben als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

bb

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