Glossar

Nachhaltigkeitsziele

Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2015 mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung die UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) beschlossen. Die Agenda 2030 formuliert 17 Leitziele für eine nachhaltige globale Entwicklung und umfasst dabei ökologische, ökonomische und soziale Aspekte. Es handelt sich um universelle Ziele, deren Umsetzung auf nationaler Ebene vorangetrieben werden soll, die aber nicht legal verbindlich sind. In Deutschland ist dafür die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung maßgeblich.

Die Bioökonomie adressiert zahlreiche Teilaspekte der UN-Nachhaltigkeitsziele. Besonders hervorzuheben sind die erwarteten Beiträge zu SDG 2 „Kein Hunger“, SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“, SDG 6 „Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen“, SDG 7 „Bezahlbare und saubere Energie“, SDG 8 „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“, SDG 9 „Industrie, Innovation und Infrastruktur“, SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“,  SDG 12 „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“, SDG 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“, SDG 14 „Leben unter Wasser“ sowie zu SDG 15 „Leben an Land“.

 

Nachwachsende Rohstoffe

land- und forstwirtschaftliche Produkte, die nicht als Nahrungs- oder Futtermittel, sondern als Rohstoff für industrielle Produkte oder zum Erzeugen von Energie eingesetzt werden.

Next-Generation-Sequencing (NGS)

Next-Generation-Sequencing bezeichnet eine Gruppe moderner Hochdurchsatz-Sequenziertechnologien, mit denen sich Millionen bis Milliarden von DNA-Fragmenten parallel auslesen lassen. Dadurch können ganze Genome oder große Teile davon schnell und kosteneffizient sequenziert werden. In der Pflanzenzüchtung bildet NGS die Grundlage für dichte genomweite Marker, Referenzgenome, Populationsgenomik und datengetriebene Ansätze wie die genomische Selektion.

Nitrifikation

die mikrobielle Umwandlung von Ammonium (NH4+) über das Zwischenprodukt Nitrit (NO2-) zu Nitrat (NO3-). Dies geschieht beispielsweise durch Bakterien in landwirtschaftlich genutzten Böden und ist Teil des Stickstoffkreislaufs.

Nuklease

Enzym, das Nukleinsäuren (DNA und RNA) abbaut oder zerschneidet.

Nukleotid

Das Nukleotid ist der Grundbaustein der Nukleinsäuren DNA und RNA. Es besteht aus einer Base, einem Zuckerrest und drei Phosphatresten. Unter Abspaltung von zwei Phosphatresten werden bei der DNA- bzw. RNA-Synthese Nukleotide über eine Phosphodiesterbindung miteinander verknüpft.

Ökolandbau

am Prinzip der Nachhaltigkeit orientierte, ressourcenschonende und umweltverträgliche Form der Landwirtschaft. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel schützt die Gewässer und fördert die Biodiversität. Die artgerechte Tierhaltung mit geringerem Antibiotikaeinsatz dient dem Tierwohl. Der Verzicht auf mineralische Stickstoffdünger und die Flächenbindung der Tierhaltung ermöglichen nahezu geschlossene Nährstoffkreisläufe. Durch geringeren Ressourcenverbrauch und den Aufbau von Humus leistet der Ökolandbau einen Beitrag zum Klimaschutz.

Ökosystem

Auschnitt aus der Umwelt, welcher sich aus der Lebensgemeinschaft von Organismen und ihrem Lebensraum zusammensetzt. Die charakteristischen Prozesse im Ökosystem regulieren sich weitgehend selbst.

Ökosystemleistungen

Als Ökosystemleistungen bezeichnet man alle materiellen und nicht-materiellen Leistungen der Natur, von denen der Mensch profitiert, beispielsweise Biodiversität, Bestäubung, Klimaregulation, gesunde Böden und sauberes Wasser.

One‑Health‑Ansatz

Ein integrativer Ansatz, der Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt gemeinsam betrachtet und in bioökonomische Strategien einbindet.
 

PAN-Genom

Das PAN-Genom (von griechisch pân = "alles") bezeichnet die Gesamtheit aller Gene und genetischen Varianten, die in unterschiedlichen Individuen einer Art vorkommen. Es umfasst sowohl ein gemeinsames Kern-Genom (Core-Genom) als auch variabel vorhandene Gene (Accessory- (oder Dispensable-) Genom), die nur in einem Teil der Individuen vorkommen (z. B. in bestimmten Linien, Landrassen oder Wildverwandten).

Permafrostböden

Permafrostböden sind dauerhaft gefrorene Böden, die in polaren Regionen und Gebirgen auftreten. In Permafrostgebieten sind die Böden mindestens zwei aufeinanderfolgende Jahre permanent gefroren und tauen nur im Sommer ca. einen halben Meter tief auf. Im Permafrost sind riesige Mengen organischen Kohlenstoffs gespeichert, weshalb das dauerhafte Tauen dieser Böden als ein Kipppunkt des Klimawandels gilt.

PET

Polyethylenterephthalat, ist ein thermoplastischer Kunststoff. Das Polymer besteht aus den Einzelbausteinen Monoethylenglycol (30%) und Terephtalsäure (70%).

Pflanzenvermehrungsmaterial (PVM)

engl.: Plant Reproductive Material (PRM)

Oberbegriff für alles, was zur vegetativen oder generativen Vermehrung von Pflanzen genutzt wird, einschließlich Saatgut, Knollen, Stecklinge etc. Der Begriff taucht vor allem im Kontext der europäischen Agrar-, Umwelt- und Handelsgesetzgebung auf. Er wird verwendet, um Vorschriften für die Zulassung, den Handel und die Kennzeichnung zu definieren, besonders im Hinblick auf gentechnisch veränderte Organismen (GVO).

Pflanzenzüchtung 4.0

Bezeichnung für einen modernen, daten- und technologiegetriebenen Ansatz der Pflanzenzüchtung. Er verbindet genomische Daten, digitale Technologien und Vorhersagemodelle, um die Entwicklung neuer Pflanzensorten schneller, präziser und effizienter zu gestalten. Je nach Definition werden darunter auch verschiedene Züchtungsmethoden wie moderne Genomeditierungsverfahren gefasst, die in datenbasierte Züchtungsstrategien integriert werden können.

Phänotyp

Der Phänotyp ist die Gesamtheit aller äußerlich feststellbaren und physiologischen Merkmale eines Individuums.

Phänotypisierung

Vermessung von Schlüsselfunktionen und Strukturen von Organismen und biologischen Systemen und den zugrunde liegenden physiologischen, molekularen und genetischen Ursachen.

PLA

Polylactid, ein nicht natürlich vorkommender Biokunststoff aus polymerisierter Milchsäure. Wird über eine mehrstufige Synthese aus Zucker hergestellt. PLA ist in industriellen Kompostieranlagen biologisch abbaubar.

Planetare Grenzen

Ökologische Grenzen, die sich daraus ergeben, dass die natürlichen Lebensräume und Ressourcen auf der Erde endlich sind und  bestimmte Zeit benötigen, um sich zu regenerieren. Welche Grenzen es gibt und wo diese genau verlaufen, wird zum Teil noch diskutiert. Unumstritten ist jedoch, dass die Menschheit mit ihrer Wirtschaftsweise die ökologischen Grenzen der Erde in einigen Bereichen bereits überschreitet und damit die eigene Existenzgrundlage gefährdet.

Plattformchemikalien

Plattformchemikalien können mit einer geringen Anzahl von Prozessschritten aus Biomasse gewonnen werden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sich aus ihnen ganze Produktstammbäume von Industriechemikalien ableiten lassen, weshalb sie in großen Mengen benötigt werden.