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07.06.2017

Plastik-Baustein Anilin biobasiert produziert

Die Firma Covestro hat Anilin, eine Grundchemikalie für Kunststoffe, erstmals auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt. Nun soll das Verfahren industrietauglich werden.

Im Labor: Mikroorganismen wandeln pflanzlichen Zucker in ein Zwischenprodukt um, aus dem später Anilin gewonnen wird.
Im Labor: Mikroorganismen wandeln pflanzlichen Zucker in ein Zwischenprodukt um, aus dem später Anilin gewonnen wird.
Quelle: 
Covestro

Kunststoffe sind allgegenwärtig, doch die Bausteine der langen Molekülketten stammen meist aus Erdöl. Inzwischen gibt es Bioplastik, bei dem die Grundbausteine zumindest teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Ein großer Anteil der Kunststoffe basiert gegenwärtig auf der Grundchemikalie Anilin, doch dieser Ausgangsstoff wird bislang ausschließlich aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl gewonnen. Das könnte sich nun ändern.

Verbesserte CO2-Bilanz

Dem Werkstoffhersteller Covestro, einer Tochter des Bayer-Konzerns, gelang es, Anilin erstmals aus pflanzlichen Rohstoffen zu produzieren. „Das in der Entwicklung befindliche Verfahren nutzt nachwachsende Rohstoffe und führt im Vergleich zur konventionellen Technik zu einem deutlich verbessertem CO2-Fußabdruck des Anilins“, so Projektleiter Gernot Jäger von Covestro. „Auch unsere Kunden können den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte auf Anilin-Basis klar verbessern.“

Vom Labor zum industriellen Maßstab

Covestro hat gemeinsam mit Partnern ein Verfahren entwickelt, bei dem industrieller Zucker statt Erdöl die Ausgangsbasis ist. Der Zucker kann aus pflanzlichen Rohstoffen wie Mais, Stroh oder Holz gewonnen werden. Durch Mikroorganismen wird er in einem biotechnologischen Prozess zunächst zu einem Zwischenprodukt und dann mittels chemischer Katalyse schließlich zu Anilin umgewandelt. „Hundert Prozent des im Anilin enthaltenen Kohlenstoffes stammen somit aus nachwachsenden Rohstoffen“, betont Jäger. Gemeinsam mit der Universität Stuttgart, der RWTH Aachen und der Bayer AG entwickelt Covestro das Verfahren nun weiter. Ziel ist es, biobasiertes Anilin im industriellen Maßstab herzustellen. Das Forschungsprojekt wird für zweieinhalb Jahre vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert.

Unabhängigkeit von fossilen Ressourcen

Derzeit werden weltweit fünf Millionen Tonnen Anilin pro Jahr produziert, Tendenz steigend. Mit einer Produktion von rund einer Million Tonnen ist Covestro einer der führenden Hersteller. Gibt es neben dem ökologischen auch einen wirtschaftlichen Vorteil von biobasiertem Anilin? „Es besteht am Markt ein hohes Interesse an ökologisch vorteilhaften Produkten auf Basis nachwachsender Rohstoffe“, sagt Markus Steilemann aus dem Covestro-Vorstand und zuständig für Innovation, Marketing und Vertrieb. Anilin aus Biomasse zu gewinnen, sei ein weiterer wichtiger Schritt, um die Chemie- und Kunststoffindustrie unabhängiger von den knappen fossilen Ressourcen und den Marktschwankungen zu machen.

bp

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