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01.07.2019

Pilztenside für die Medizin

Pharmazeuten der Universität Jena haben in den sekundären Naturstoffen eines Jochpilzes hochwirksame oberflächenaktive Peptide - genannt Malpinine – entdeckt.

Die Verschmelzung zweier Gametangien hat den Jochpilzen ihren Namen gegeben. Der Balken im Bild misst 0,1 Millimeter.
Die Verschmelzung zweier Gametangien hat den Jochpilzen ihren Namen gegeben. Der Balken im Bild misst 0,1 Millimeter.
Quelle: 
Jon Houseman and Matthew Ford/Wikimedia; CC-BY-SA-3.0

Die Geschichte der Tenside begann vor mehr als 4.500 Jahren mit der Herstellung der ersten seifenähnlichen Substanz aus Olivenöl und Holzasche. Heute sind die waschaktiven Substanzen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und finden sich in praktisch jedem Wasch- oder Spülmittel. Als Emulgatoren haben sie selbst in Lebensmittel ihren Weg gefunden, denn Tenside verringern die Grenzflächenspannung zwischen zwei Phasen und ermöglichen es, Wasser und Öl fein zu vermengen. Moderne Tenside sind zudem meist biologisch abbaubar.

Wirksamer als SDS

Pharmazeuten der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben nun im Stoffwechsel des Jochpilzes Martierella alpina eine bislang unbekannte Gruppe sekundärer Naturstoffe entdeckt. Die sogenannten Malpinine wirken als starke Tenside. „Schon kleinste Mengen bilden eine regelrechte Schaumkrone auf dem Probengefäß“, schildert der Pharmazie-Doktorand Florian Baldeweg. Ihre Wirkung sei sogar dem in vielen Waschmitteln eingesetzten SDS überlegen, berichten die Jenaer Forscher im Fachjournal „Organic Letters“.

Dr. Markus Greßler (l.) und Doktorand Florian Baldeweg untersuchen eine Pilzkultur von Mortierella alpina. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der Pilz große Mengen eines Tensids produziert.
Quelle: 
Jan-Peter Kasper/FSU

Dr. Markus Greßler (l.) und Doktorand Florian Baldeweg untersuchen eine Pilzkultur von Mortierella alpina. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der Pilz große Mengen eines Tensids produziert.

Arzneistoffe durch Zellmembranen schleusen

Für die Malpinine haben die Jenaer Forscher jedoch andere Pläne. „Wir wollen die Malpinine testen, ob sie aufgrund ihrer Eigenschaften in der Pharmakologie nützlich sein können“, erläutert Arbeitsgruppenleiter Markus Greßler. Die Tensideigenschaften ermöglichen es, biologische Membranen, die zu großen Teilen aus Fetten bestehen, für bestimmte Substanzen durchlässig zu machen. So könne man beispielsweise Arzneistoffe gezielt in Zellen einschleusen, hofft Greßler. Das will seine Arbeitsgruppe nun testen.

Pilz mit großem Potenzial

Der Bodenpilz Martierella alpina ist in der Biotechnologie kein Unbekannter: Er wird bereits genutzt, um langkettige Fettsäuren wie die Arachidonsäure herzustellen, die als Nahrungsergänzung beispielsweise für Babynahrung dient. Allerdings wurden niedere Pilze wie diese bislang kaum als Quelle sekundärer Naturstoffe in Betracht gezogen – wohl ein Irrtum, wie Greßler feststellt: „Genetische Untersuchungen am Erbgut von Mortierella alpina haben gezeigt, dass der Pilz noch viel mehr Naturstoffe produzieren kann, die Malpinine sind lediglich eine kleine Gruppe davon.“

bl

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