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28.05.2018

Mikroplastik macht Korallen krank

Gießener Forscher zeigen erstmals, wie Mikroplastik Korallen schadet: Sie werden krank, sobald sie mit den Partikeln in Berührung kommen oder mit Futter verwechseln und fressen.

Ein Korallenpolyp nimmt einen Mikroplastikpartikel (in schwarz) auf.
Ein Korallenpolyp nimmt einen Mikroplastikpartikel (in schwarz) auf.
Quelle: 
Jessica Reichert

Korallenriffe sind komplexe marine Ökosysteme. Sie sind der Lebensraum für zahlreiche Tiere wie Fische, Würmer, Schwämme oder Krebstiere, die das Biotop als Unterschlupf, Nahrungsquelle oder „Kinderstube“ nutzen. Doch Klimawandel und Plastikmüll setzen den Korallenriffen und insbesondere deren Siedlern, den Steinkorallen, heftig zu. Vor allem die kaum sichtbaren Mikroplastikteilchen sind für Korallen eine Gefahr, wie Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) nachweisen konnten.

Korallen fressen Mikroplastik

Meeresforscher um Jessica Reichert haben in einer Studie erstmals untersucht, welche Auswirkungen diese kaum fünf Millimeter großen Partikel auf Korallen haben. Wie das Team in der Fachzeitschrift „Environmental Pollution“ berichtet, wählten sie dafür sechs weitverbreitete Korallenarten aus, setzen diese im Labor erhöhten Mikroplastikkonzentrationen aus und dokumentierten dann die Reaktionen der Korallen.

Weiterer Rückgang der Korallenriffe befürchtet

Der Studie zufolge interagierten die Korallen nicht nur mit den Mikroplastikfragmenten. Einige von ihnen verwechselten die Partikel mit Futter und nahmen sie auf. Andere Korallen reagierten darauf mit einer erhöhten Schleimproduktion oder mit Abwehrreaktionen. Auch kam es bei fast allen Korallenarten nach vier Wochen zu ersten gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Bei fünf von sechs Arten registrierten die Forscher Bleiche und das Absterben von Gewebe. „Unsere Studie weist klar darauf hin, dass Mikroplastik einen weiteren menschengemachten Stressfaktor für Korallen darstellt und damit sehr wahrscheinlich zum weiteren Rückgang der Korallenriffe auf der Erde beitragen wird“, sagt Erstautorin Jessica Reichert.

Folgen des Klimawandels im Labor simuliert

Die Studie fand im Rahmen des in Gießen angesiedelten Projektes „Ocean 2100“ statt, das Teil des deutsch-kolumbianischen Exzellenzzentrums für Meeresforschung CEMarin (Center of Excellence in Marine Sciences) ist. Hier werden seit 2010 die Auswirkungen des Klimawandels auf riffbildende Steinkorallen untersucht. Am Interdisziplinären Forschungszentrum (iFZ) der JLU Gießen werden dafür in Versuchstanks verschiedene Parameter wie Temperatur und Säuregehalt des Wassers langsam auf die zu erwartenden Werte eingestellt.

Als Nächstes will das Team um Jessica Reichert untersuchen, ob die Mikroplastikkonzentration im Meer die gleichen negativen Auswirkungen auf Korallen hat und welche Langzeitfolgen damit verbunden sind.

bb

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