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14.03.2019

Junge Bäume sind bessere CO2-Speicher

Karlsruher Wissenschaftler haben errechnet, dass Wälder in mittleren und hohen Breiten den Klimawandel stärker bremsen als tropische Wälder. Das triff vor allem auf jüngere Bäume zu.

Wälder binden großen Mengen an CO2 – und wirken so der Klimaerwärmung entgegen.
Wälder binden großen Mengen an CO2 – und wirken so der Klimaerwärmung entgegen.
Quelle: 
Gabi Zachmann, KIT

Pflanzen bilden aus atmosphärischem Kohlenstoff ihre wachsende Biomasse. Klimaforscher messen deshalb Wäldern eine große Bedeutung bei, wenn es darum geht, die Klimaerwärmung zu verzögern. Welche Anteile daran jedoch pflanzenreiche Urwälder im Vergleich zu nachwachsenden Aufforstungen haben, ist umstritten. Ebenso herrscht bislang Unsicherheit, wie sich das Alter der Bäume auf ihre Leistungsfähigkeit als CO2-Senke auswirkt. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat im Fachjournal „PNAS“ dazu einen weiteren Debattenbeitrag geliefert.

Globale Daten in Computermodelle eingepflegt

„Diese Senken, die vom Waldwachstum abhängen, sind grundsätzlich begrenzt. Erreichen die Wälder ein bestimmtes Alter, sinkt ihre CO2-Aufnahme und die so wichtigen Kohlenstoffsenken verschwinden – außer es kommt zu einer weiteren Aufforstung“, resümiert Almut Arneth vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT die Arbeit des Teams. Die Forscher hatten dafür globale Daten über das Alter der Wälder für die Jahre 1981 bis 2010 mit Modellen der terrestrischen Biosphäre und des Baumwachstums kombiniert. So konnten sie unterscheiden, wie groß der Anteil junger beziehungsweise alter Wälder an der Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre ist.

Große Bedeutung junger Aufforstungen

Wälder, die sich nach natürlichen Störungen oder Holzernten durch Aufforstungen erneuern, banden den Berechnungen zufolge in den Jahren 2001 bis 2010 rund die Hälfte mehr Kohlendioxid als tropische Regenwälder oder sibirische Urwälder. Sollten die Wälder der Erde auch künftig im gleichen Maß wie im Untersuchungszeitraum der Studie durch natürliche Störungen, Holzernten und Aufforstungen beeinflusst werden, könnte allein diese demografische Veränderung der Waldpopulationen dazu führen, dass die Wälder zwischen 44 und 131 Millionen Tonnen Kohlenstoff zusätzlich in ihre Biomasse einlagern.

Besondere Bedeutung für den Klimaschutz kommt demnach Landflächen in den östlichen Bundesstaaten der USA zu, die Siedler bis Ende des 19. Jahrhunderts als Ackerland nutzten, sowie Wäldern in Kanada, Russland und Europa, die beispielsweise durch Waldbrände zerstört wurden. Aber auch große Aufforstungsprogramme in China leisten den Forschern zufolge einen wichtigen Beitrag zu dieser Kohlenstoffsenke.

Aufnahmekapazität der Wälder begrenzt

„Die Ergebnisse der Studie sind ein wichtiger Beitrag zum Verständnis des Klimasystems und helfen uns gleichzeitig, fundierte Entscheidungen über die Forstwirtschaft zu treffen“, erläutert Ameth die Relevanz der Ergebnisse. Sie warnt jedoch auch: „Allerdings ist die Menge an Kohlendioxid, die Wälder generell aus der Atmosphäre entfernen können, begrenzt. Deshalb müssen wir unsere Emissionen durch fossile Brennstoffe unbedingt reduzieren.“

bl

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