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31.01.2020

Finnische UPM baut Bioraffinerie in Leuna

Paukenschlag für den Chemiestandort Leuna: Der finnische Konzern UPM investiert 550 Mio. Euro in eine industrielle Bioraffinerie. Hier soll aus Holz grüne Chemie gewonnen werden.

Leuna Chemiepark
Der Chemiepark in Leuna wächst um eine Bioraffinerie.
Quelle: 
InfraLeuna GmbH

Es ist ein Ausrufezeichen auf dem Weg weg vom Erdöl in eine biobasierte Zukunft: Der traditionsreiche Chemiepark Leuna wird Standort einer industriellen Bioraffinerie. Diese Pläne hat der finnische Konzern UPM, einer der weltweit führenden Hersteller von Papier-, Zellstoff- und Holzprodukten, am 30. Januar 2020 bekanntgegeben. Das Unternehmen wird die beeindruckende Summe von 550 Mio. Euro in die Errichtung der Anlage investieren. In der Bioraffinerie sollen Biochemikalien auf Holzbasis hergestellt werden. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann kündigte an, dass die InfraLeuna GmbH zudem rund 100 Mio. Euro in die Infrastruktur des Chemieparks investieren werde. Rund 200 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

220.000 Tonnen Jahresproduktion

Die geplante Bioraffinierie soll mehrere Chemikalien herstellen: Monoethylenglykol für Textilien, PET-Flaschen, Verpackungen und Enteisungsmittel, Monopropylenglykol für Verbundwerkstoffe, Arzneimittel, Kosmetika und Waschmittel, außerdem Füllstoffe als Ersatz für Industrieruß und Silicate sowie Industriezucker. Die jährliche Gesamtproduktion soll bei 220.000 Tonnen liegen. Als Rohstoffe will UPM Reststoffe aus Sägewerken sowie als nachhaltig zertifiziertes Laubholz aus der Region verwenden. „Nachhaltige Chemikalien aus Biomasse sind eines der drei strategischen Wachstumsfelder für unser Unternehmen und zentral für unser Bestreben, Innovationen für eine Zukunft ohne fossile Rohstoffe zu schaffen“, begründete Jussi Pesonen, Präsident und CEO von UPM, die Investition. „Derzeit ist das Angebot an Biochemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen sehr begrenzt.“ Auch aus diesem Grund sei der Markt für nachhaltige Alternativen sehr lukrativ.

Kurze Wege zu Rohstoffen und Kunden

UPM betont neben der offensichtlichen Verbesserung des CO2-Fußabdrucks der sonst erdölbasierten Produkte die regionale und damit nachhaltige Produktion: „Es ist uns auch wichtig, dass wir über eine rein europäische Wertschöpfungskette verfügen“, so Juuso Konttinen, Vizepräsident von UPM Biochemicals. Außerdem könnten die Produkte problemlos in den bestehenden Produktionsverfahren der Kunden eingesetzt und in bestehende Recyclinginfrastrukturen integriert werden. Der finnische Konzern hob die Bedeutung Deutschlands als europäisches Zentrum der chemischen Industrie ebenso hervor wie die Nähe zu wichtigen Kunden und das Angebot an nachhaltiger Waldwirtschaft. Außerdem befindet sich in der Nachbarschaft das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP), ein Bioraffinerie-Forschungszentrum.

Produktionsstart Ende 2022

„Dass sich das finnische Unternehmen für Leuna entschieden hat, ist ein klarer Fingerzeig für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts“, freute sich Minister Willingmann. Auch durch die Investition in die Bioraffinerie werde Sachsen-Anhalt immer mehr zum Land der Zukunftstechnologien. UPM kündigte an, die Ausschreibungen für die Anlage, den Personalaufbau und den Genehmigungsprozess umgehend zu beginnen. Produktionsstart soll Ende 2022 sein.

bl

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