Weshalb größerer Brokkoli nicht immer besser ist

Weshalb größerer Brokkoli nicht immer besser ist

Hohlräume im Brokkolistängel sind ein verborgenes Qualitätsproblem und führen zu hohen Verlusten entlang der Wertschöpfungskette. Aktuelle Forschung zeigt, dass Sortenwahl und gezieltes Wachstumsmanagement entscheidend sind. 

Hohlstängel in Brokkoli
Hohlstängel sind ein häufiges Qualitätsproblem bei Brokkoli und treten in unterschiedlichen Schweregraden auf, hier gezeigt von mittleren (5) bis sehr starken Ausprägungen (9).

Brokkoli gilt als gesundes Vorzeigegemüse, doch im Inneren vieler Stängel verbirgt sich oft ein Qualitätsproblem: der sogenannte Hohlstängel. Diese unscheinbare Wachstumsstörung führt zu inneren Hohlräumen, mindert die Marktfähigkeit und verursacht erhebliche Verluste. Das Forschungsprojekt BroHoKo+, gefördert vom Bundesforschungsministerium (BMFTR), untersuchte in einer aktuellen, mehrjährigen Feldstudie, wie sich dieses Problem mit nachhaltigen Anbaustrategien gezielt verringern lässt. 

Wenn Größe zum Risiko wird

Die Untersuchung belegt klar, dass Hohlstängel nicht zufällig entstehen, sondern eng an bestimmte Kopfeigenschaften gekoppelt sind. Brokkoliköpfe bleiben nahezu immer gesund, solange sie unter etwa 330 Gramm wiegen und der Stängeldurchmesser unter 3,3 Zentimetern liegt. Werden diese Schwellen überschritten, steigt das Risiko für Hohlräume im Stängel an. Entscheidend ist dabei weniger das schnelle vegetative Wachstum der Pflanze als vielmehr die finale Ausprägung des Brokkolikopfes. Für die Praxis heißt das: Größer ist nicht automatisch besser.

Sortenwahl und Pflanzabstand als Schlüssel 

Besonders wirkungsvoll erwiesen sich zwei agronomische Hebel: die Wahl der Sorte und die Pflanzdichte. Sorten mit leichteren Köpfen und schlankeren Stängeln zeigten deutlich weniger Hohlstängel als wuchtige, kompakte Typen. Gleichzeitig reduzierte eine moderat höhere Pflanzdichte das Problem erheblich, weil Konkurrenz um Licht und Nährstoffe das extreme Dickenwachstum bremst. Zu enge Pflanzabstände sind jedoch keine Lösung, da sie Krankheiten begünstigen und viele Köpfe zu klein für den Markt bleiben.

Weniger Verluste, mehr Nachhaltigkeit

Auch die Rolle der Düngung wurde kritisch geprüft. Eine starke Reduktion der Stickstoffgaben senkte zwar den Anteil hohler Stängel, führte aber zu vielen untergewichtigen Köpfen und ist wirtschaftlich kaum tragfähig. Moderate Stickstoffmengen erwiesen sich hingegen als sinnvoller Kompromiss: Sie hielten die Erträge stabil und reduzierten gleichzeitig überschüssigen Stickstoff im Boden, ein klarer Pluspunkt für Umwelt- und Gewässerschutz. Eine zusätzliche Blattdüngung mit Bor zeigte dagegen keinen Effekt, solange die Böden ausreichend versorgt waren.

Die Ergebnisse machen deutlich: Weniger Verluste lassen sich nicht durch mehr Input, sondern durch kluge Steuerung von Wachstum erzielen. Damit liefert die Studie ein anschauliches Beispiel dafür, wie das bioökonomische Prinzip der Effizienz und Ressourcenschonung ganz konkret im Gemüsebau umgesetzt werden kann.

hb

Lizenzhinweis Titelbild: Frieman et al., Agronomy (16) 2025; https://doi.org/10.3390/agronomy16010042; CC-BY 4.0