Neue Studie beleuchtet den Zustand europäischer Böden

Neue Studie beleuchtet den Zustand europäischer Böden

Pflanzenschutzmittelrückstände finden sich in zwei Dritteln der europäischen Böden und beeinflussen das Bodenleben – erstmals quantifiziert eine Studie umfassend diesen Effekt. Auch die Politik hat dies bereits erkannt und steuert mit Programmen für nachhaltigen Pflanzenschutz dagegen.

Eine Forscherin entnimmt und beschriftet Bodenproben auf einem Feld.
Für die Studie wurden Bodenproben auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und ihre Auswirkungen auf das Bodenleben untersucht. (Symbolbild)

Böden sind weit mehr als nur Untergrund. Sie beherbergen komplexe Lebensgemeinschaften, die für Ernährung, Wasserhaushalt und Klimaschutz eine zentrale Rolle spielen. Eine aktuelle Studie unter Mitwirkung der Universität Zürich zeigt nun: 70 Prozent der europäischen Böden enthalten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Die Forschenden untersuchten 373 Proben aus Feldern, Wiesen und Wäldern in 26 Ländern und stellten fest, dass die verschiedenen Mittel nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Bodenorganismen beeinflussen. Besonders betroffen sind Mykorrhiza-Pilze, Fadenwürmer und bestimmte Bakterien, deren Vielfalt abnimmt und deren Funktionen für den Boden eingeschränkt werden.

Pflanzenschutzmittel verändern das Bodenökosystem

Die Analyse zeigt, dass Pflanzenschutzmittel die Zusammensetzung der Bodenorganismen verändern. Während einige Bakterien von der Verringerung anderer Arten profitieren, leidet die Stabilität des Ökosystems insgesamt. Besonders Pilzmittel wie Bixafen, die auf Getreide eingesetzt werden, wirken sich auf viele nützliche Organismen aus. Rückstände bleiben teilweise über Jahre im Boden und können die natürlichen Nährstoffkreisläufe beeinflussen, was langfristig zusätzliche Düngung erforderlich machen könnte.

Politik fördert nachhaltige Pflanzenschutzlösungen

Die Forschenden empfehlen, Pflanzenschutzmittel künftig nicht nur auf einzelne Arten, sondern auf ganze Lebensgemeinschaften und ihre Funktionen im Boden zu prüfen Auch die Politik reagiert: Das Bundesforschungsministerium (BMFTR) hat bereits Mitte 2025 die Fördermaßnahme „PhytoProtect“ gestartet, die die Entwicklung nachhaltiger Pflanzenschutzstrategien unterstützt. Ziel ist es, biologische Wirkstoffe, innovative Anwendungsformen und intelligente Vorhersagemodelle zu fördern, die die Produktivität landwirtschaftlicher Flächen sichern und gleichzeitig Bodenleben, Biodiversität und Ökosystemleistungen schützen. Zeitnah sollen die ersten Forschungsvorhaben starten, um praktikable, wissenschaftlich fundierte Lösungen für einen ressourcenschonenden Pflanzenschutz zu entwickeln.

hb