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12.03.2020

Wege in die Bioökonomie gestalten

Wie vollzieht sich bei uns der Wandel in eine Bioökonomie? Das hat ein Team vom Fraunhofer ISI in Karlsruhe untersucht und hat vier Zukunftszenarien entworfen.

Bio-Transformation Bioökonomie-Pfade
Quelle: 
greenleaf123/istockphoto.com

Mit der Nationalen Bioökonomiestrategie will die Bundesregierung den Wandel von einer auf fossilen Rohstoffen basierenden Wirtschaft hin zu einer biobasierten, nachhaltigen Wirtschaft forcieren. Biokunststoffe, Biokraftstoffe, biotechnologische Herstellungsprozesse – in vielen Bereichen hat der Wandel bereits eingesetzt. Aber welche Akteure beeinflussen diesen Wandel, wie sollte sich die Politik verhalten und wie sähe eine echte Bioökonomie aus? Darauf geben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) Antworten in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt „Transformation-Bio“.

Wichtige Wechselwirkungen zwischen den Teilbereichen

Die Forscher um Projektleiter Sven Wydra haben die vorhandenen wissenschaftlichen Publikationen analysiert, aber auch Stakeholder interviewt und Experten-Workshops organisiert. Herausgekommen sind vier Szenarien, wie sich die Bioökonomie bis zum Jahr 2040 entwickeln könnte – und wovon das jeweils abhängt. „Im Projekt zeigte sich, dass es den einen Weg hin zur Bioökonomie nicht gibt, sondern vielmehr ein großes Spektrum an Transformationsmustern, die auch auf Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Bioökonomie-Segmenten zurückzuführen sind“, erläutert Wydra. Diese Segmente seien eng miteinander verwoben, etwa durch technologische Synergien. Politische Entscheidungen, die auf ein Segment gerichtet sind, hätten somit erhebliche Auswirkungen auf die anderen Segmente und damit auf die Gesamtentwicklung der Bioökonomie.

Einfluss der Sektoren Energie und Mobilität

Zwei entscheidende Einflussfaktoren haben die Forscher identifiziert: Zum einen die großen wirtschaftlichen Akteure in den Sektoren Energie und Mobilität, aber auch Material- und Produktionswirtschaft. Ihre Schwerpunktsetzungen bestimmten den Bedarf an den jeweiligen bioökonomischen Produkten. Dabei wurde deutlich, dass in jedem Fall ein steigender Bedarf an Biomasse entstehen wird. Die Forscher empfehlen daher, deren nachhaltige Produktion auszubauen, aber auch die Nutzung effizienter zu gestalten und beispielsweise die Lebensmittelverschwendung zu minimieren.

Transformationspfade zur Bioökonomie

Das Fraunhofer ISI hat die Ergebnisse der Projekts Bio-Transformation in dieser Publikation zusammengefasst.

Politik mit Konsequenz und Weitblick

Zum anderen sei die Politik gefordert. Sie müsse als „Transformationstreiber“ grundlegende Entscheidungen treffen und die Bioökonomie durch geeignete Maßnahmen in die gewünschte Richtung lenken. Dazu gehöre, die Entwicklungen kontinuierlich zu überprüfen, um daraus zu lernen und im Bedarfsfall nachzujustieren. Die Autoren sprechen von "reflexiver Governance". Nicht zuletzt dürfe die Bioökonomie nicht isoliert betrachtet werden, sondern müsse verzahnte mit der Kreislaufwirtschaft und der Rohstoffversorgung gedacht werden. Weiterhin betont das Projektergebnis, dass die Politik zwar bereit zu Experimenten sein müsse, zugleich aber auch langfristig verlässlich.

Information und Dialog

Nicht zuletzt empfehlen die Wissenschaftler den intensiven Dialog mit der Bevölkerung, die umfassend informiert werden solle. Denn zum einen gestaltete diese über die Nachfrage ebenfalls die Entwicklung der Bioökonomie mit, zum anderen sind die gesellschaftlichen Veränderungen so umfassend, dass sie gesellschaftlich breit getragen werden müssen.

bl

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