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22.02.2018

Tomatenvielfalt durch Züchtung

Ein internationales Forscherteam zeigt erstmals, wie sich durch den Einfluss des Menschen die Tomate und deren Inhaltsstoffe verändert haben.

: Bunte Mischung - Tomatenzüchtung bringt große Vielfalt auf den Teller.
Bunte Mischung - Tomatenzüchtung bringt große Vielfalt auf den Teller.
Quelle: 
Pixabay

Ob rot oder gelb, klein oder groß: Jede Tomate hat seinen eigenen Geschmack. Dass die Frucht auf der Beliebtheitsskala ganz oben rangiert, ist nicht zuletzt dem Einfluss des Menschen zu verdanken. Die einst eher keine und wilde Beerenfrucht wurde bereits vor Urzeiten von den Maya domestiziert. Erst durch die Züchtung wurden die zum Teil bitteren und giftigen Inhaltsstoffe zurückgedrängt und aus den Beeren größere Früchte. Forscher aus China, Amerika, Bulgarien und Deutschland, darunter vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie, haben nun erstmals untersucht, wie sich der Einfluss des Menschen auf das Erbgut der Tomatenfrüchte und deren chemische Zusammensetzung ausgewirkt hat. „Wir haben die genetische und die inhaltliche Zusammensetzung von 610 Tomaten verschiedenen Ursprungs untersucht und miteinander verglichen. Darunter waren 42 Wildarten und 568 Tomaten verschiedener Herkunft“, erläutert Max-Planck-Forscher Alisdair Fernie.

Mehr Inhaltsstoffe durch Züchtung 

Die Forscher stellten fest: Mit der Veränderung der Fruchtgröße wurden gleichzeitig auch mehr und andere Inhaltsstoffe gebildet. Eine Vergrößerung der Früchte muss daher auch die Erbinformation und deren Ablesung sowie Übersetzung in Stoffwechsel-Prozesse geprägt haben, wie das Team im Fachjournal „Cell“ berichtet. Die Veränderung der Inhaltsstoffe ist demnach zum einen auf die Domestizierung, zum anderen auf die Züchtungsphase zurückzuführen, bei der der Ertrag durch die Produktion größerer Früchte verbessert werden sollte.

Fruchtgröße beeinflusst Geschmack

Genom- und Inhaltstoffanalysen zeigen, dass das Zuchtstadium zur Verbesserung der Tomate einen größeren Einfluss auf die stoffliche Zusammensetzung der Früchte hatte als die Domestizierung. „Wir fanden zwei verschiedene Selektionsmechanismen in der Züchtungsphase. Zum einen wurde der Geschmack direkt gezüchtet, indem Früchte mit weniger Bitterstoffen ausgewählt wurden. Darüber hinaus fanden wir Hinweise, dass die Fruchtgröße ganz entscheidend im Zusammenhang mit dem Geschmack stand und er somit indirekt gezüchtet wurde“, erklärt Alisdair Fernie.

Gene im Huckepack

Die Forscher gehen jedoch davon aus, dass die Gene für die Fruchtgröße die Inhaltsstoffe eher  zufällig beeinflussen. Sie vermuten, dass die Gene, die für den Stoffwechsel der Inhaltsstoffe zuständig sind von jenen Genen die im Zusammenhang mit der Fruchtgröße stehen „Huckepack genommen“ und dadurch vererbt werden.

Mit ihrer Studie liefern die Forscher erstmals Hinweise sowohl auf die chemische Zusammensetzung als auch auf die molekularbiologischen Zusammenhänge zwischen Geschmack und Fruchtgröße. Auf dieser Grundlage könnten künftig nicht nur neue Zuchtprogramme die Qualität der Tomate weiter verbessern, sondern auch Kontrollmechanismen des Stoffwechsels der Tomaten noch detaillierter untersucht und so besser verstanden werden.

bb

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