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10.04.2019

Studie zur Landnutzung am Dach Afrikas

Welche Folgen hat die Art der Landnutzung in den verschiedenen Klimazonen von Afrikas höchstem Berg? Eine aufwendige Studie am Kilimandscharo gibt Antworten.

Kaffeeanbau im Hochland des Kilimandscharo: Tropische Berge liefern gute Erkenntnisse zum Einfluss von Landwirtschaft und Klima auf die Pflanzen- und Artenvielfalt.
Kaffeeanbau im Hochland des Kilimandscharo: Tropische Berge liefern gute Erkenntnisse zum Einfluss von Landwirtschaft und Klima auf die Pflanzen- und Artenvielfalt.
Quelle: 
Antonia Mayr / Universität Würzburg

Die menschliche Landnutzung in Afrika beeinträchtigt die Ökosysteme der Meeresspiegel-nahen Savannen deutlich stärker als die in den Höhenlagen der Berge. Zu diesem Ergebnis kommt eine großangelegte internationale Studie unter der Leitung der Universität Würzburg. Aus den im Fachjournal „Nature“ veröffentlichten Erkenntnissen lassen sich Folgerungen ableiten, wie der Klimawandel Ökosysteme in anderen Regionen der Welt treffen wird.

Bergökosysteme in 850 bis 4.550 Metern Höhe untersucht

„Bisher war unklar, wie sich die menschliche Landnutzung auf die Biodiversität und ökologische Funktionalität tropischer Bergökosysteme auswirkt“, erläutert Marcell Peters vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg den Hintergrund der Studie. Sechs Jahre lang erfassten deshalb 50 Wissenschaftler aus Deutschland, Tansania, der Schweiz, Dänemark und Südafrika Daten von der Südseite des 5.895 Meter hohen Kilimandscharo. Zwischen 850 und 4.550 Metern Höhe untersuchten sie Pflanzen, Tiere sowie Mikroorganismen und darüber hinaus Ökosystemfunktionen wie den Nährstoffgehalt des Bodens, Bestäubung und die Zersetzung von Laubstreu. Außerdem hielten sie fest, dass im Tiefland überwiegend Mais angebaut wird, während in höheren Lagen Mischsysteme aus Kaffee und Wald oder Grünland für die Weideviehhaltung dominieren.

Lebensgemeinschaften der Höhenlagen anpassungsfähiger

„In der Savannenzone am Fuß des Berges gehen selbst bei moderater Landnutzung bis zu 50 Prozent der Arten verloren und die Funktionalität von Ökosystemen zeigt starke Veränderungen. Die Ökosysteme mittlerer Höhenlagen und mit gemäßigtem Klima sind dagegen etwas robuster“, resümiert Peters die Ergebnisse. Zwar fänden sich in den Höhenlagen ebenfalls große Veränderungen der Lebensgemeinschaften, jedoch seien der Artenreichtum und die ökologische Funktionalität durch menschliche Einflüsse weniger beeinträchtigt als im Tiefland. „Wir hoffen, dass unsere Studie dabei hilft, die Veränderungen in der Biodiversität und die ökologischen Funktionen auf tropischen Bergen besser zu verstehen und die langfristige Erhaltung intakter Bergökosysteme zu sichern“, erklärt der Initiator der Studie, Ingolf Steffan-Dewenter.

Ableitungen für Auswirkungen der Klimawandels

Die Höhenzonen der Berge gelten auch als Abbilder der Klimazonen der Erde: Je nach Höhenlage verändern sich die klimatischen Bedingungen und damit die vorkommenden Pflanzen- und Tierarten. „Unsere Studie zeigt, dass die Auswirkungen der Landnutzung auf die Biodiversität und Funktionalität von Ökosystemen stark vom klimatischen Kontext abhängig sind“, betont Peters. Das sei in Zeiten des Klimawandels doppelt relevant: Studien in verschiedenen Höhenstufen auf Bergen können auch verwendet werden, um die Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf natürliche und vom Menschen genutzte Systeme besser vorherzusagen.

„Unsere Studie legt hier nahe, dass Kräfte des globalen Wandels nicht einzeln betrachtet werden können; die Auswirkungen der Landnutzung werden maßgeblich auch durch die klimatische Situation geprägt und andersherum“, sagt Steffan-Dewenter. Zur langfristigen Aufrechterhaltung der Artenvielfalt und der natürlichen Ökosystemfunktionen sei von größter Bedeutung, dass Landnutzungen nachhaltig und biodiversitätsfreundlich erfolgten.

bl

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