Leibniz-Preise für Bioökonomie-Forschende

Leibniz-Preise für Bioökonomie-Forschende

Ausgezeichnete Spitzenforschung mit Relevanz für die Bioökonomie: Der Leibniz-Preis 2023 geht unter anderem an eine Würzburger Enzymspezialistin, einen Tübinger Umweltbiotechnologen und eine Jenaer Naturstoffforscherin.

Leibniz-Preisträger: Claudia Höbartner, Largus Angenent und Sarah Ellen O’Connor
Leibniz-Preisträger: Claudia Höbartner, Largus Angenent und Sarah Ellen O’Connor

Mit einem Preisgeld von jeweils 2,5 Mio. Euro ehrt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jährlich herausragende wissenschaftliche Leistungen auf den verschiedenen Forschungsgebieten. In diesem Jahr geht die begehrte Auszeichnung an vier Wissenschaftlerinnen und sechs Wissenschaftler. Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises 2023 gehören auch zwei Wissenschaftlerinnen und ein Wissenschaftler aus der Bioökonomie-Forschung.

Umweltforscher Largus Angenent

Den Leibniz-Preis für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Umweltbiotechnologie geht an den Umweltforscher Largus Angenent vom Bereich Bioingenieurwissenschaften der Universität Tübingen. Mit der Auszeichnung würdigt die DFG insbesondere seine Beiträge zur mikrobiellen Elektrochemie. Angenent gehört zu den Begründern des Forschungsgebietes und ist Mitgründer und ehemaliger Präsident der International Society for Microbial Electrochemistry and Technology. „Seine Arbeiten sind mit Blick auf den Klimawandel und die damit verbundene Notwendigkeit einer nachhaltigen Nahrungs-, Chemie- und Energiewirtschaft hochaktuell“, heißt es in der Begründung der Jury.

Angenent entwickelt innovative Verfahren, mit denen organische Abfälle und industrielle Abgase in erneuerbare Kraftstoffe, grüne Chemikalien und nachhaltige Lebensmittel umgewandelt werden können. So produziert er aus recyceltem Kohlendioxid essbares Protein, das als Fleischersatz dienen könnte oder „verfüttert“ Kohlendioxid und Wasserstoff an Mikroben und gewinnt daraus Methan, das in das Gasnetz eingespeist werden kann. Die Jury würdigte zudem, dass dieses Verfahren bereits von zwei Start-ups, darunter von dem in Planegg bei München ansässigen Unternehmen Electrochaea in der Praxis getestet wird und damit „erfolgreich in die Anwendung übertragen“ wurde. Der gebürtige Niederländer ist seit 2017 Humboldt-Professor an die Universität Tübingen und seit 2019 zudem Fellow am Max-Planck-Institut für Biologie in Tübingen.

Naturstoffforscherin Sarah Ellen O’Connor

Für ihre grundlegenden Entdeckungen zur pflanzlichen Naturstoffbiosynthese wird Sarah Ellen O’Connor der Leibniz-Preis verliehen. Die Chemikerin und Biologin erforscht Biosynthesewege in Pflanzen und nutzt die Entdeckung neuer Genfunktionen, die Aufklärung enzymatischer Wirkmechanismen sowie molekulargenetische und genomische Methoden, um die Synthese selbst der komplexesten Naturstoffe, wie etwa krebshemmende oder neuroaktive Stoffe, zu entschlüsseln. So ist es O’Connors Arbeitsgruppe kürzlich gelungen, den Biosyntheseweg von Strychnin vollständig aufzuklären, was auch andere über viele Jahre versucht hatten.

Die dabei gewonnenen Einsichten verwendet die Forscherin auch, um neuartige Verbindungen in Pflanzen herzustellen. „Damit eröffnet sie Möglichkeiten zur optimierten Produktion von Naturstoffen sowie den synthetischen Zugang zu neuen Molekülklassen“, so die Jury. „Ich fühle mich zutiefst geehrt, dass ich ausgewählt wurde, diesen wichtigen Preis zu erhalten“, sagte O‘ Connor nach der Bekanntgabe. „Ich schätze mich sehr glücklich, Teil der dynamischen wissenschaftlichen Gemeinschaft in Deutschland zu sein.“

O’Connor ist seit 2019 Direktorin am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena, seit 2022 Honorarprofessorin an der Universität Jena und Mitglied der European Molecular Biology Organization, 2018 konnte die Forscherin einen ERC Advanced Grant einwerben und wurde unter anderem mit dem Ernest Guenther Award in the Chemistry of Natural Products 2022 der American Chemical Society ausgezeichnet.

Enzymforscherin Claudia Höbartner

Mit dem mit 2,5 Mio. Euro dotierten Leibniz-Preis wird auch Claudia Höbartner von der Universität Würzburg geehrt. Mit der Auszeichnung würdigt das Gremium ihre Forschungsarbeit in den Gebieten der organischen und biomolekularen Chemie funktionaler Nukleinsäuren. „Mit ihrer viel beachteten Veröffentlichung zur Aufklärung der ersten Struktur eines DNA-Enzyms, das eine Verknüpfung von RNA-Strängen katalysiert, hat Höbartner Einblicke in das aktive Zentrum des Katalysators auf atomarer Ebene ermöglicht und damit einen bedeutenden Beitrag zur Chemie katalytisch aktiver Nukleinsäuren geleistet“, begründet die Jury ihre Wahl.

Ihre wegweisende Forschung basiere auf einer Kombination aus kreativen Strategien zur Entdeckung neuer katalytischer Nukleinsäuren, sogenannter Ribozyme und Desoxyribozyme, kombiniert mit der Bestimmung ihrer Strukturen und ihrer Funktionsmechanismen. Darüber hinaus nutze die Forscherin neuartige chemische Verfahren und Elemente der chemischen Biologie zur Synthese und Markierung modifizierter RNA, um die biologischen Funktionen von RNA sowie von natürlichen und künstlich erzeugten RNA-Modifikationen zu untersuchen und sichtbar zu machen. Claudia Höbartner ist seit 2014 Professorin an der Universität Göttingen und seit 2017 Lehrstuhlinhaberin für Organische Chemie an der Universität Würzburg. 2016 erhielt sie einen ERC Consolidator Grant und wurde 2022 als Mitglied in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen.

Der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis wird seit 1986 von der DFG verliehen. Seither wurden insgesamt 364 Wissenschaftler und 71 Wissenschaftlerinnen ausgezeichnet. Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger kommen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, den Natur- und Ingenieurswissenschaften und den Lebenswissenschaften. Die Preisgelder können die Forschenden nach ihren eigenen Vorstellungen bis zu sieben Jahre lang verwenden. Die Auszeichnungen werden am 15. März 2023 in Berlin verliehen.

bb