Anklam: Impulse für die Bioökonomie-Region MV

Anklam: Impulse für die Bioökonomie-Region MV

Eine Konferenz-Serie in der Hansestadt Anklam machte deutlich, wie die Bioökonomie die Region bereits prägt und wie dynamisch sie sich dank zahlreicher Innovationsnetzwerke entwickelt.

Bioökonomie-Konferenz Anklam 2023

Die Hansestadt Anklam vor den Toren der Ostseeinsel Usedom ist in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum für das biobasierte Wirtschaften in Mecklenburg-Vorpommern avanciert. Wichtigstes Bioökonomie-Unternehmen vor Ort ist die Zuckerfabrik der Cosun Beet Company, in der jährlich etwa 1,8 Millionen Tonnen Zuckerrüben verarbeitet werden. 2018 eröffnete der Reifen-Konzern Continental das „Taraxagum Lab“, ein Forschungs- und Entwicklungslabor zum Thema Löwenzahn-Kautschuk. Zwei Jahre später wurde das Bioökonomiezentrum Anklam eröffnet. Und fast schon Tradition haben die seit nunmehr einem Jahrzehnt im Zwei-Jahres-Takt stattfindenden Bioökonomie-Konferenzen.

Vorgelagert zur sechsten Ausgabe der Anklamer Bioökonomie-Konferenz hatten die regionalen Akteure in diesem Jahr noch zwei weitere Bioökonomie-Veranstaltungen organisiert: Die 3. Jugend-BioÖkonomie-Konferenz BE2Youth und erstmals auch die FutureFood-Konferenz. Organisiert wurden die Events von der Förder- und Entwicklungsgesellschaft Vorpommern-Greifswald, der IHK Neubrandenburg, der WITENO GmbH und Hochschule Neubrandenburg – und dem BioCon Valley Mecklenburg-Vorpommern e. V.

Bioökonomie-Jugendkonferenz und Anklamer Erklärung

Den Auftakt machte am 24. Oktober die Jugend-BioÖkonomie-Konferenz BE2Youth im Lilienthal-Gymnasium. 60 neugierige junge Leute aus der Region konnten von erfahrenen ausgebildeten Profis lernen, was Bioökonomie ausmacht und welche Berufsperspektiven es in der biobasierten Wirtschaft gibt. An der Universität Greifswald gibt es zum Beispiel einen Masterstudiengang. Auch die Hochschule Neubrandenburg und die Hochschule Stralsund bieten eine ganze Reihe relevanter Studiengänge an. Ein Team der Informationsplattform bioökonomie.de war in der Schule vor Ort – und hatte ein Augmented-Reality-Exponat und innovative biobasierte Produkten zum Anfassen mitgebracht.

Im Oktober 2021 hatten Schülerinnen und Schüler im Wissenschaftsjahr-Projekt „Jugendforum Bioökonomie“ die „Anklamer Erklärung“ erarbeitet, ein Positionspapier, in der Forderungen und Erwartungen für eine bioökonomische Transformation an Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammengefasst wurden. Was zwei Jahre später aus der Initiative wurde, erläuterten Olaf Strauß von der Hochschule Neubrandenburg und Landtagsabgeordnete Sylva Rahm-Präger vor den Jugendlichen.

Beitrag von MV1 zur Jugend-BioÖkonomie-Konferenz BE2Youth 2023

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Alternative Proteinquellen im Fokus

Am 25. Oktober fand im Anklamer Hof die FutureFood-Konferenz statt, ausgerichtet vom ZELT – Zentrum für Ernährung und Lebensmitteltechnologie. Dabei drehte sich alles um die Entwicklung alternativer Proteinquellen (etwa pflanzliche Proteine oder Insekten). Nebst Pitch- und Talkrunden zu neuen Produkten und aktuellen Projekten aus der Region, etwa dem vom BMBF geförderten RUBIN Bündnis MaltFungiProtein wurde auch dem Gaumen etwas geboten, denn zusätzlich gab es einen Ausstellungsraum mit Infoständen und Kostproben.

Auf dem Weg zur eigenen Bioökonomiestrategie

Am 26. Oktober folgte die 6. BioÖkonomie-Konferenz in Räumen des Kantinengebäudes der Zuckerfabrik Anklam. Rund 150 Interessierte waren gekommen. Das Informationsportal bioökonomie.de war auch hier mit einem kleinem Informationsstand vor Ort.

Eric Lohse von BioCon Valley stellte die Arbeit des Bioökonomie-Board Mecklenburg-Vorpommern vor. Das Gremium begleitet die Umsetzung der Regionalen Innovationsstrategie für Mecklenburg-Vorpommern, in der die Bioökonomie als Querschnittstechnologie ausgewiesen ist. Zu dem Gremium gehört auch die Landtagsabgeordnete Sylva Rahm-Präger, die erläuterte, wie weit Mecklenburg-Vorpommern auf dem Weg zu einer eigenen Bioökonomiestrategie bereits gekommen ist. „Es hat drei Jahre gedauert, das Thema Bioökonomie im Landeshaushalt zu verankern“, sagte sie. MV brauche eine Bioökonomiestrategie, betonte Rahm-Präger, aber wichtig sei bei diesem Thema auch immer der Nachhaltigkeitscheck.

Mit Sonnentau gegen Hefepilze

Beatrice Großjohann leitet das vor drei Jahren in einem ehemaligen Schlachthof eröffnete Bioökonomie-Zentrum Anklam. Auf den 13.000 Quadratmetern Fläche haben sich inzwischen 18 Unternehmen angesiedelt, darunter sind viele Firmen aus dem Pharmasektor oder Spezialisten für analytische Dienstleistungen. Unter dem Namen HELIX hat Großjohann ein Unternehmens- und Forschungskonsortium der Bioökonomie für die Gesundheit initiiert. Zudem stellte sie laufende Forschungsprojekte des Zentrums vor. Zusammen mit Consun Beet Company und einem Team der Universität Rostock werden Ansätze erforscht, wie aus Zuckerrüben-Reststoffen Bioethanol in Pharmaqualität werden kann. In dem Projekt „SiAmCa“ wird die antimikobielle Wirkung der Moorpflanze Sonnentau zur Behandlung von Hefepilzerkrankungen untersucht.

Zahlreiche WIR!-Bündnisse zur Bioökonomie

Die Anklamer Bioökonomiekonferenz bot auch eine Plattform für mehrere vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Innovationsnetzwerke. Darunter drei Bündnisse aus der Programmlinie „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“.  Christian Theel von der Universität Greifswald erläuterte, wie das Bündnis Plant³ innovative Strategien zur hochwertigen Veredelung von pflanzlichen Rohstoffen aus Land, Moor und Meer im nordöstlichen Mecklenburg-Vorpommern entwickelt. Er wies auf eine Wanderausstellung zum nachhaltigen Bauen hin, die ab dem 17. November in Greifswald Station macht.

Mark Vehse von der Hochschule Stralsund erläuterte, wie das Bündnis ArtIFARM für die Landwirtschaft technische, KI- und IT-Lösungen für die großen aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel und Ressourcenschutz vorantreibt. In dem Bündnis BiogeniV geht es um die Verwertung biogener Reststoffe – etwa um dezentral Biomethanol oder Biogas zu erzeugen.

Es wurde deutlich, wie facettenreich die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in der Bioökonomie-Region MV sind und wie sie die wirtschaftliche Entwicklung weiter mit prägen werden. Am 5. und 6. November 2025 ist die nächste Anklamer Bioökonomie-Konferenz geplant.

pg