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18.04.2019

Metaanalyse: Mehr Ertrag, weniger Vielfalt

Höhere Erträge in der intensiven Landwirtschaft gehen zu Lasten der Biodiversität. Zu diesem Schluss kommt eine Metaanalyse unter Leitung von Leipziger Umweltforschern.

Ackerbau-intensive landwirtschaft
Intensive Landwirtschaft führt zu höheren Erträgen, aber auch zum Verlust von Biodiversität.
Quelle: 
Pixabay

Etwas mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands wurde 2016 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes landwirtschaftlich genutzt. Mit modernen Maschinen sowie dem Einsatz von Pestiziden und Dünger versuchen Landwirte die Erträge zu steigern. Studien belegen: Die intensivere Bewirtschaftung geht zu Lasten der Umwelt und bedroht vor allem die Artenvielfalt. Doch welchen Preis die Natur tatsächlich für eine üppigere Ernte zahlt – das zeigt nun eine Metaanalyse.

Unter der Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) hat ein internationales Forscherteam in den vergangenen Jahren etwa 10.000 Studien gesichtet, die sowohl den Ertrag als auch die Biodiversität vor und nach Intensivierungsmaßnahmen beleuchteten. „Der Großteil der Studien ist dabei durchs Raster gefallen. Nur 115 Studien haben tatsächlich beide Parameter auf den gleichen Flächen gemessen und waren damit für uns relevant“, so UFZ-Biologe Michael Beckmann. Die dabei untersuchten Flächen waren nicht nur über die ganze Erde verteilt. Sie lagen in verschiedenen Klimazonen und wurden unterschiedlich lange genutzt.

Bewirtschaftungsfolgen für Artenvielfalt errechnet

Um die unterschiedlichsten Flächen wie Ackerland, Graslandschaft oder Wald vergleichbar und berechenbar zu machen, wurde ein komplexes Rechenmodell entwickelt. Die Folgen der Bewirtschaftung konnten durch die Einteilung in drei Intensitätsklassen – niedrig, mittel oder hoch – erfasst werden. Über die Ergebnisse der Metaanalyse berichten die Forscher im Fachjournal „Global Change Biology“. „Wir konnten zeigen, dass die Intensivierung der Landnutzung im Mittel zu einer Ertragssteigerung von 20% führt, gleichzeitig aber mit einem Artenverlust von 9% einhergeht“, resümiert Beckmann.

Der Studie zufolge wiesen Flächen mit mittlerer Nutzungsintensität nach einer intensiveren Bewirtschaftung mit 85% zwar den höchsten Ertragsanstieg auf, aber auch den größten Artenschwund. Der Verlust der Biodiversität lag hier bei 23%. Auf Flächen, die von jeher intensiv genutzt wurden, gab es hingegen keine signifikanten Artenverluste, während der Ertragsgewinn noch bei 15% lag. „Zunächst klingt das ja ganz hervorragend: Mehr Ertrag ohne Verlust von Arten“, sagt Beckmann. „Doch wo schon zu Anfang durch hochintensive Nutzung nicht mehr viel Biodiversität vorhanden ist, kann natürlich auch nicht mehr viel verlorengehen. Hier ist der kritische Punkt womöglich schon überschritten.“

Holzproduktion ohne Artenverlust

Handlungsempfehlungen liefern die Forscher nicht. Die Metaanalyse macht aber einmal mehr deutlich, dass Biodversität schwindet, wenn landwirtschaftliche Erträge steigen. Doch die Untersuchung brachte auch positive Einzelfälle ans Licht. Hinsichtlich der Folgen für die Umwelt schnitt der Wald im Vergleich zu Ackerland und Graslandschaft viel besser ab. Hier zeigte sich, dass in Einzelfällen wie der Holzproduktion eine Ertragssteigerung nicht zu Lasten der Biodiversität gehen muss.

bb

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