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19.07.2019

Innovationspreis für Bielefelder Biotech-Teams

Für die Entwicklung umweltfreundlicher Produktionsverfahren wurden zwei Biotechnologen-Teams der Universität Bielefeld mit dem Jörg Schwarzbich Inventor Award ausgezeichnet.

Zwei Forschungsgruppen der Universität Bielefeld haben den Jörg Schwarzbich Inventor Award gewonnen.
Zwei Forschungsgruppen der Universität Bielefeld haben den Jörg Schwarzbich Inventor Award gewonnen.
Quelle: 
Universität Bielefeld

Mit dem erstmals Anfang Juli vergebenen Jörg Schwarzbich Inventor Award würdigt die Universitätsgesellschaft Bielefeld (UGBi) herausragende Erfindungen von Forschenden der Universität Bielefeld. Der Innovationspreis ist mit 40.000 Euro dotiert und geht in diesem Jahr an die Molekularbiologin Nadja Henke und den Chemiker Harald Gröger. Beide forschen mit ihren Teams am Centrum für Biotechnologie (CeBiTec). Sie haben biobasierte Herstellungsverfahren für chemische Grundbausteine oder Feinchemikalien entwickelt, „die nicht nur ökologisch nachhaltig sind, sondern auch die Nachfrage der Wirtschaft bedienen“, so die Begründung der Jury.

Per Biokatalysator zur Nylon-Vorstufe

Harald Gröger ist am CeBiTech Leiter der Forschungsgruppe Industrielle Organische Chemie und Biotechnologie. Zusammen mit Tobias Betke und Philipp Rommelmann hat er den Grundstein dafür gelegt, den Herstellungsprozess der wichtigen Grundchemikalie Adiponitril zu revolutionieren. Adiponitril ist wichtiger Grundstoff, um in mehreren Schritten Kunststoffe wie Nylon oder Medikamente herzustellen.

Die chemische Industrie setzt für die Herstellung von Nitrilen bislang hochgiftige Blausäure ein. Die Bielefelder Forscher setzen hingegen auf einen Katalysator aus der Natur, ein Enzym namens Aldoximdehydratase. Das Enzym kann mittels Fermentation hergestellt werden und kann Adiponitril in kurzer Zeit und in hoher Raum-Zeit-Ausbeute herstellen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Entwicklung des Prozesses im Rahmen der Initiative Biotechnologie 2020+ unterstützt, in der es um die nächste Generation biotechnologischer Verfahren geht. Das Förderprogramm „NRW-Patent-Validierung“ unterstützt die Weiterentwicklung der damit verbundenen beiden Patente.

Die Preisträger (v. li.): Prof. Dr. Martin Egelhaaf, Herbert Vogel, Dr. Nadja A. Henke, Jörg Schwarzbich, Junior-Prof. Dr. Sabrina Backs, Dr. Philipp Rommelmann, Dr. Tobias Betke und Prof. Dr. Harald Gröger.
Quelle: 
Universitätsgesellschaft Bielefeld/Stefan Sättele

Die Preisträger, Jury und Stifter (v. li.): Martin Egelhaaf, Herbert Vogel, Nadja Henke, Jörg Schwarzbich, Sabrina Backs, Philipp Rommelmann, Tobias Betke und Harald Gröger.

Astaxanthin aus der Zellfabrik

Nadja Henke hat die Jury mit einem mikrobiell hergestellten Farbstoff namens Astaxanthin überzeugt.  Gemeinsam mit Petra Peters-Wendisch und Volker Wendisch hat Henke einen nachhaltigen biotechnologischen Herstellungsprozess für den roten Farbstoff Astaxanthin entwickelt. Das Pigment ist als Antioxidans ein wichtiger Zusatzstoff in der Nutztierfütterung, wird aber auch in der Kosmetik verwendet. Bislang wurde der Farbstoff aus petrochemischen Grundstoffen oder Algen hergestellt.

Das von den Bielefeldern genetisch veränderte Bakterium Corynebacterium glutamicum ernährt sich hingegen von nachwachsenden Rohstoffen oder pflanzlichen Abfallprodukten aus der Landwirtschaft. Zur Vermarktung des Farbstoffes hat Henke hat das Biotech-Unternehmen Bicomer gegründet und ist Geschäftsführerin des Start-ups. Es wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und durch das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Der Bielefelder Unternehmer Jörg Schwarzbich, Geschäftsführer der Rollax-Kugellagerfabrik, fördert den Erfinderpreis über die kommenden zehn Jahre. Der Preis wird in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld ausgelobt.

bl/pg

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