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05.12.2017

Geteilter Konsum für nachhaltiges Leben

Produkte teilen oder mieten liegt im Trend, ist aber nicht automatisch ökologisch sinnvoll. Zu diesem Ergebnis kommt ein Projekt, welches „Peer-to-Peer Sharing“-Angebote hinterfragt hat.

Mietstationen für Fahrräder oder Autos: Der Trend zum Sharing ist vor allem in Großstädten zu beobachten.
Mietstationen für Fahrräder oder Autos: Der Trend zum Sharing ist vor allem in Großstädten zu beobachten.
Quelle: 
Pixabay

Ob Mitfahrzentralen, Autovermietungen, Wohnungstausch-Portale oder Second-Hand-Läden: Produkte und Güter zu teilen, statt selbst zu besitzen, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Internet und soziale Medien haben der sogenannten Share Economy in den vergangenen Jahren Aufwind gegeben. Vor allem das sogenannte Peer-to-Peer Sharing, das Verkaufen, Teilen und Tauschen von Privat zu Privat über Online-Portale, hat von dieser Entwicklung profitiert, wie eine bundesweite Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zeigt. Danach könnte sich fast jeder Dritte vorstellen, Dinge übers Internet mit anderen zu teilen.

Die Umfrage fand im Rahmen des Projektes „PeerSharing“ statt, das in den vergangenen drei Jahren untersuchte, wie ökologisch sinnvoll Peer-to-Peer Sharing ist, und was Verbraucher motiviert mitzumachen. An dem vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Vorhaben waren neben dem IÖW, das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu), das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) sowie Vertreter der Vermietungsplattform Wimdu, die Secondhand-Plattform Kleiderkreisel, die Autovermieter drivy und das Mitfahrnetzwerk flinc beteiligt.

Sharing-Angebote vorwiegend kommerziell ausgerichtet

Die Ergebnisse des Projektes wurden Ende November in Berlin präsentiert und mit Vertretern aus Forschung, Wirtschaft und Politik diskutiert. Demnach gibt es in Deutschland derzeit 110 Online-Portale, die sich auf das Geschäft mit dem Teilen, Verkaufen und Vermieten spezialisiert haben. Etwa 80% davon sind kommerziell ausgerichtet. Noch sind es zu wenige Anbieter, um von einem grundlegenden Wandel zu sprechen. Doch die Zahl zeigt, wie groß das Potenzial der Sharing-Kultur für die Wirtschaft sein kann. „Viele sehen die digitale Kultur des Teilens als große Chance für eine sozial-ökologische Entwicklung“, sagte Thomas Korbun vom IÖW in seinem Grußwort.

Weltweite Marktdynamik belegt Wachstumsphase

Die weltweite Entwicklung der Share Economy in den vergangenen acht Jahren zeigt Experten zufolge eine hohe Marktdynamik. Waren 2010 noch 0,3% der Start-ups im Sharing-Bereich tätig, lag ihr Anteil 2014 bereits bei 6%, wie Siegfried Behrends vom IZT berichtete. „Sharing ist ein starkes Geschäftsmodell. Hier sind wir nicht mehr in der Gründungswelle, sondern in einer Wachstumsphase.“ Experten prognostizieren der Share Economy im Jahr 2025 Umsätze in Höhe von 335 Mrd. US-Dollar.

Ökonomische Gründe bestimmen digitales Teilen

Die Ergebnisse der im Rahmen der Studie durchgeführten Umfrage machen deutlich, dass bislang ökonomische Motive, also Geld verdienen und sparen, bei den Motiven der Nutzer von P2P Sharing-Diensten dominieren. Erst an zweiter Stelle stehen ökologische Motive wie Umwelt- und Klimaschutz. Soziale Beweggründe, wie etwa neue Kontakte knüpfen, spielen nur eine untergeordnete Rolle. „Das mobile P2P-Sharing boomt. Auch das geteilte Übernachten dürfte zulegen. Bei Kleidung allerdings zeichnet sich eine Sättigung ab, während bei Elektronikprodukten ein Wachstum erkennbar ist“, fasst Behrends zusammen.

Katalysator für nachhaltiges Leben

Im Projekt ging es nicht nur um die Motive der Nutzer, sondern auch um nachhaltige Entwicklungsperspektiven für das Peer-to-Peer Sharing. Dafür wurde untersucht, wie ökologisch sinnvoll das digitale Teilen ist. „Peer-to-Peer-Angebote können ein Katalysator sein, nachhaltiger zu leben“, resümiert Sabrina Ludmann vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg. Ludmann zufolge können Second-Hand-Angebote Neukäufe und Konsum insgesamt reduzieren sowie Carsharing oder Ridesharing-Angebote den Schritt zur Abschaffung eines Autos erleichtern. Das Mieten von Unterkünften über Plattformen wie WIMDU ergab hingeben, dass damit ein Drittel mehr Flugreisen anfallen. „Durch Verkauf und Teilen kann man durchaus CO2 sparen. Aber Sharing ist nicht automatisch ökologisch sinnvoll. Das hängt stark von dem Nutzer ab“, sagt die Forscherin.

Mit dem digitalen Teilen ergeben sich demnach neue Möglichkeiten für einen nachhaltigen Konsum. Die Plattformen ermöglichen eine intensivere Nutzung vorhandener Produkte und Güter, sorgen damit für eine Langlebigkeit und somit Steigerung der Ressourceneffizienz. In Bereichen, in denen viele ungenutzte oder unausgelastete Kapazitäten vorhanden sind, wie etwa bei der Mobilität, ist das P2P-Sharing besonders sinnvoll.

Chance für neue Arbeitsmodelle

„Peer-to-Peer-Sharing ist der Vorbote einer neuen Wirtschaftsform und die Chance für neue Arbeitsmodelle“, sagte Ralph Wilhelm vom Projektträger am Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das dreijährige Projekt PeerSharing wurde über das DLR vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung in der Fördermaßnahme Nachhaltiges Wirtschaften (FONA) unterstützt. 13 Projekte mit einem Fördervolumen von 13,5 Mio. Euro werden über das Vorhaben derzeit gefördert.

bb

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