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24.05.2019

Angler sorgen für Fischvielfalt

Hobbyangler sind keine Störenfriede: Berliner Forscher zeigen, dass in Baggerseen, an denen Angler die Rute auswerfen, bis zu viermal mehr Fischarten leben als in anglerfreien Seen. 

Anglerinnen und Angler können die Fischartenvielfalt in Baggerseen positiv beeinflussen.
Anglerinnen und Angler können die Fischartenvielfalt in Baggerseen positiv beeinflussen.
Quelle: 
Florian Möllers

Wo einst Kies und Sand abgebaut wurden, locken heute Baggerseen zum Baden und Angeln ein. Die Bedeutung der künstlichen Gewässer als Ökosystem ist bisher jedoch wenig präsent. Doch auch die biologische Vielfalt in Binnengewässern ist bedroht, wie Forscher seit langem beklagen. Mit gezielten Schutzmaßnahmen versuchen Berliner Wissenschaftler im Verbundprojekt Baggersee mit Anglern, dem Biodiversitätsverlust entgegenzuwirken.

Angler als Heger der Gewässer

In ihrer aktuellen Studie brechen die Forscher eine Lanze für die Freizeitfischer. „Angler werden von manchen Naturschützern als Störfaktor an Gewässern angesehen. Unsere Erhebungen zeigen jedoch, dass Freizeitfischer vor allem als Heger von Gewässern wirken, indem sie helfen, artenreiche Fischgemeinschaften in Baggerseen zu etablieren, die denen von natürlichen Seen sehr stark ähneln“, erläutert Sven Matern vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB).

Grundsätzlich siedeln sich Fische in künstlichen Seen nur langsam an. Ein Vergleich zwischen von Anglern bewirtschaften und unbewirtschafteten Baggerseen in Niedersachsen zeigt jedoch: Dort, wo die Petrifischer ihre Angel ins Wasser werfen, ist die natürliche Artenvielfalt der Fische wesentlich höher. Hier zählten die Forscher in der Regel neun bis elf verschiedene Fischarten. In den von Anglern bewirtschafteten Gebieten gab es demnach teilweise sogar bedrohte Raubfische wie Hecht, Barsch und Aal, während in den anglerfreien Baggerseen nur drei bis fünf Fischarten, vorwiegend Kleinfische wie Moderlieschen oder Stichlinge anzutreffen waren.  Nicht-heimische Fischarten wie Graskarpfen oder Forellenbarsche kamen in beiden Seentypen hingegen nur sporadisch vor, wie das Team im „Journal of Fish Biology“ klarstellt.

Kaum fremde Fischarten in Baggerseen 

„Die Ergebnisse sind ein Beleg, dass die anglerische Bewirtschaftung zur Etablierung natürlicher Fischgemeinschaften in Baggerseen beiträgt, nicht hingegen zur Verbreitung nicht-heimischer Arten und auch nicht zur Ausbildung naturferner Fischgemeinschaften. Auch zeigte sich, dass der Baggersee um die Ecke für eine Vielzahl von Fischarten ein geeigneter Lebensraum ist, der dem Rückgang der biologischen Vielfalt ein Stück weit Einhalt gebieten kann“, resümiert Projektleiter Robert Arlinghaus vom IGB und der Humboldt-Universität zu Berlin.

Das Verbundprojekt Baggersee wird von 2016 bis 2022 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms Forschung für Nachhaltige Entwicklungen (FONA) sowie durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert. An der ökologischen Umgestaltung der künstlichen Seen sind neben den Berliner Forschern etwa 160 ehrenamtliche Helfer von Anglervereinen beteiligt. Die Projektergebnisse sollen einen Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung liefern.

Neue Forschungsagenda zum Schutz der Gewässerbiodiversität

Die Biodiversität  der Binnengewässer war auch ein Thema auf dem Nachhaltigkeits-Forum (FONA) Mitte Mai in Berlin. IGB-Forscher machten hier auf den stillen Artenverlust des Ökosystems aufmerksam und stellten die neue Forschungsagenda „Lebendiges Wasser“ vor. Darin wurden Schwerpunkte wie die Forschung und Entwicklung eines zentralen aquatischen Biodiversitätsmonitorings festgeschrieben, welche zum Erhalt sowie zur Verbesserung der Biodiversität des Gewässers beitragen und ihre nachhaltige Nutzung sicherstellen sollen.

 „Wir verfolgen mit unserer Agenda einen ganzheitlichen Ansatz, von der Quelle bis zur Mündung, der das gesamte Einzugsgebiet von Gewässern berücksichtigt“, erklärt Hauptautorin und IGB-Wissenschaftlerin Sonja Jähnig. Der Forscherin zufolge ist die Maßnahme nötig, um Ausmaß, Ursachen und Folgen des Verlustes der biologischen Vielfalt in und an diesen Gewässern zu erfassen, um Schutzmaßnahmen weiterzuentwickeln. An der Forschungsagende sind neben dem IGB weiter 19 Wissenschaftseinrichtungen beteiligt.

bb

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