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01.03.2019

Unternehmen für Transparenz geehrt

Deutsche Unternehmen kommen der Berichtspflicht zur Nachhaltigkeit nach, wie ein aktuelles Ranking zeigt. Die besten sechs wurden in Berlin ausgezeichnet.

v.l.n.r.: L.Hartmann (Memo), M. Hilmer (BMW), T. Korbun (IÖW), N. Tanaskovic (Rewe), R.Schmachtenberg (BMAS), J. Lorch (Vaude), H. Schatz & M. Walter (Lebensbaum), U. Westermann (Future), B. Klesper (Telekom)
Quelle: 
Gordon Welters / IÖW

Wie nachhaltig agieren deutsche Unternehmen? Wie ernst nehmen sie es mit ökologischen und sozialen Belangen, und wie offen gehen sie damit um? Zum zehnten Mal haben das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und die Unternehmensinitiative Future Großunternehmen sowie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hierzulande auf den Zahn gefühlt und ein Ranking der Nachhaltigkeitsberichte erstellt.

Rewe und Vaude überzeugen bei Transparenz

Reports von insgesamt 69 Großunternehmen und 40 KMUs wurden dabei nach bestimmten Kriterien wie Einhaltung des Umweltschutzes, Berücksichtigung von Arbeitnehmerinteressen im eigenen Betrieb sowie bei Zulieferern oder nach Einhaltung von Lieferketten in der Produktion analysiert. Maximal 700 Punkte konnten erreicht werden. Die besten sechs Unternehmen wurden im Februar für ihre Transparenz vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Berlin ausgezeichnet: Bei den Großunternehmen siegte Rewe mit 512 Punkten. Besonders stark habe sich die Einzelhandelskette beim Bestreben gezeigt, das Produktangebot systematisch an Nachhaltigkeitskriterien wie etwa regionalen Produkten auszurichten, schreiben die Autoren. Auf Platz zwei und drei kommen die Nachhaltigkeitsberichte von BMW und Telekom.

Bei den Mittelständlern siegten Vaude, Lebensbaum und Memo. Vaude konnte dabei mit 671 Punkten fast den Höchstwert erreichen. Der Hersteller von Sportausrüstungen verankere Nachhaltigkeit ganzheitlich in der Unternehmensstrategie und stelle den langfristigen Markenwert über kurzfristige Gewinne, heißt eszur Begründung.

Vorbilder in Sachen Nachhaltigkeit 

„Die prämierten Unternehmen gehen in Sachen Nachhaltigkeit voran. Durch ein transparentes Berichtswesen über ihre ökologische und soziale Verantwortung ermöglichen sie es ihren Kunden und Geschäftspartnern, ihre Leistungen klar einzuordnen und gegebenenfalls auch Verbesserungen einzufordern“, sagte Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, bei der Preisverleihung.

Ranking der Nachhaltigkeitsberichte 2018

CSR-REPORTING VON GROSSUNTERNEHMEN UND KMU IN DEUTSCHLAND
Ergebnisse und Trends im Ranking der Nachhaltigkeitsberichte 2018

Erste Studie zur Entwicklung der Berichtspflicht

Neben dem Ranking präsentierten IÖW und Future erstmals auch eine Studie zur Entwicklung der Berichtspflicht. Seit 2018 sind hierzulande Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 40 Mio. Euro gesetzlich verpflichtet, offenzulegen, wie sie ihre gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmen, die sogenannte Corporate Social Responsibility (CSR), wahrnehmen. Bundesweit waren davon im November 2018 439 Unternehmen betroffen. Für KMUs sind diese Informationen weiterhin freiwillig.

Viele Berichte erfüllen nur Mindestmaß

Die Auswertung ergab: Die Unternehmen kommen der Informationspflicht durchaus nach, allerdings werden dabei oft nur die Mindestanforderungen erfüllt. Was Tiefe und Konsistenz der Informationen betrifft, gebe es große Unterschiede, betonen die Autoren. „Die berichtspflichtigen Unternehmen beschreiben zwar Konzepte, wie sie mit den für sie wesentlichen Belangen umgehen. Angaben zu konkreten Zielen und Ergebnissen sowie damit verbundene aussagekräftige Leistungsindikatoren und Kennzahlen kommen jedoch zu kurz oder entsprechende Zusammenhänge werden nicht deutlich gemacht“, sagte Unternehmensexperte Christian Lautermann vom IÖW.

KMUs als Vorbild für Großunternehmen 

Gerade bei den KMUs stellen die Autoren fest, dass Nachhaltigkeitsberichte immer professioneller und standardisierter werden. „Hier sind diejenigen Unternehmen klar im Vorteil, die teilweise schon seit vielen Jahren freiwillig Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Und auch bei manchen Mittelständlern, die sich seit Langem aus freien Stücken in Transparenz üben, können sich die Großen einiges abschauen“, so Udo Westermann von Future.

Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass es Neulingen in der Berichterstattung durchaus gelingt, nachvollziehbare Informationen zu liefern. Als Beispiel wird Aldi-Nord genannt. Der Discounter nahm 2018 erstmals am Ranking teil und schaffte es geradewegs auf Platz 15.

Messlatte der Rankingkriterien anpassen

Das Ranking der Nachhaltigkeitsberichte wird seit 1994 durchgeführt. „Die Erfahrungen aus zehn Durchläufen unseres Rankings der Nachhaltigkeitsberichte zeigen, dass die Informationsbedürfnisse der Stakeholder sich stetig wandeln. Auch in Zukunft werden wir die Messlatte für gute Berichterstattung an die gesellschaftlichen Herausforderungen anpassen“, so Ranking-Projektleiter Lautermann.

bb

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