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29.05.2018

Reben gegen Pilzbefall impfen

Max-Planck-Forscher haben gegen den bei Winzern gefürchteten Rebenpilz "Esca" einen Nano-Wirkstoff entwickelt und damit erstmals Weinstöcke geimpft.

Weinreben werden mit dem Nano-Wirkstoff geimpft. Die Plastikbecher mit der Injektion werden dafür in Loch gesteckt, damit die Rebe die Nanoteilchen aufnimmt.
Weinreben werden mit dem Nano-Wirkstoff geimpft. Die Plastikbecher mit der Injektion werden dafür in ein Loch gesteckt, damit die Rebe die Nanoteilchen aufnimmt.
Quelle: 
Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Die Pilz-Erkrankung Esca gehört zu den gefährlichsten Rebholzkrankheiten. Durch den Pilz wird das Holz regelrecht zersetzt, was zum Absterben der Rebstöcke führen kann. Bisher gibt es kein Mittel, was wirksam diese Rebenkrankheit bekämpft. Ein Team um Frederik Wurm vom Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung hat hierfür eine Lösung parat. Sie haben eine Nanoträgersubstanz entwickelt, die den Pilz mit seinen eigenen Waffen schlägt. Auf einem Testfeld vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR) in Neustadt an der Weinstraße wurde der Nano-Impfstoff nun erstmals Reben injiziert. Ingesamt 100 Rebstämme wurden damit geimpft.

Fungizid in Holzhülle verpackt 

Der Nanowirkstoff besteht aus einer geringen Menge eines herkömmlichen Fungizids und ist in einer Kugel aus Lignin verpackt, einem Hauptbestandteil des Holzes. Über ein in den Stamm gebohrtes Loch gelangt die präparierte Nano-Kugel direkt in den Stamm der Pflanze. Das Besondere: Der Wirkstoff wird hier mithilfe des Pilzes freigesetzt, da dieser die Holzhülle der Kapsel ebenfalls zersetzt. „Wir setzen dem Pilz quasi ein trojanisches Pferd vor: Er zersetzt die Hülle unserer Nanoträger und setzt damit das Fungizid frei, welches ihn bekämpft“, erklärt Frederik Wurm.

Fungizide einsparen

Ein Vorteil dieser Methode: Der Wirkstoff wird sehr langsam und über einen langen Zeitraum abgegeben. Ein übermäßiges Spritzen der Weinreben mit Fungiziden gegen den Pilzbefall kann so vermieden werden. In wenigen Wochen wird das Team um den Mainzer Forscher wissen, ob der Impfschutz bei den Weinreben tatsächlich wirkt. Entsprechende Tests im Labor waren erfolgreich. Die von Frederik Wurm entwickelte Nano-Impfung wurde bereits zum Patent angemeldet. „Die Winzer sind begeistert. Sie würden die Methode gern sofort anwenden“, berichtet Wurm in einem Gespräch mit bioökonomie.de.

Biopolymere gegen Pflanzenkrankheiten

An dem Projekt waren neben dem Mainzer Max-Planck-Institut auch das Institut für Biotechnologie und Wirkstoff-Forschung in Kaiserslautern sowie das Institut für Pflanzenschutz in Neustadt an der Weinstraße vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR) beteiligt. Im Rahmen eines weiteren Projektes namens NanoProtect will das Team um Frederik Wurm nunmehr Heilmittel für kranke Rebstöcke auf Basis abbaubarer Polymere entwickeln. Das Vorhaben wird von der Volkswagenstiftung gefördert.

bb

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