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31.05.2019

Pflanzen mit Nanokapseln heilen

Die aus der Medizin bekannten Nanowirkstofftransporter wurden erstmals erfolgreich zur Behandlung von Pflanzenkrankheiten eingesetzt – und zwar gegen den gefürchteten Rebenpilz „Esca".

Nanokapseln könnten bald schon Rebstöcke vor der gefährlichen Pilzkrankheit Esca schützen.
Nanokapseln könnten bald schon Rebstöcke vor der gefährlichen Pilzkrankheit Esca schützen.
Quelle: 
Willi Stengel auf Pixabay

Nanoträger, die mit Wirkstoffen beladen sind und diese punktgenau bei erkrankten Zellen freisetzen, sind in der Krebsmedizin bereits im Einsatz. Nun könnte diese Wunderwaffe bald auch Pflanzenkrankheiten heilen. Ein Team um Frederik Wurm vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI) forscht seit einigen Jahren daran, diese Behandlungsmethode auch bei erkrankten Weinreben zu etablieren.

Nanowirkstoff reduziert Krankheitssymptome 

Im Fokus steht eine Therapie gegen die bei Winzern gefürchtete Rebholzkrankheit „Esca“. Weltweit sind etwa zwei Millionen Weinreben davon betroffen. Der Pilz agiert von innen heraus und zersetzt das Holz, was zum Absterben der Rebstöcke führen kann. Im Rahmen des EU-Projektes BIOrescure konnten die Max-Planck-Forscher ihre Nanotherapie erstmals erproben – und das mit Erfolg. „Nach zwei Jahren der Tests in unseren Labors und dann auf Riesling-Weinbergen in Deutschland sieht es so aus, als hätten wir es geschafft, die Symptome der Krankheit zu reduzieren. Weitere Tests werden zeigen, ob die Heilung von Dauer ist“, erklärt Frederik Wurm.

Bioabbaubare Nanokapseln aus Pilzkompost

Nanotransporter bestehen in der Regel aus Polymeren, die aus fossilen Brennstoffen hergestellt werden. Die von Wurm verwendete Nanokapsel hingegen ist biobasiert und biologisch abbaubar. Die kleine Menge eines Fungizides ist hier als Wirkstoff in einer Kugel aus Lignin verpackt. Dieser Stoff wurde wiederum aus Pilzkompost – einem Abfallprodukt der Landwirtschaft – durch chemische Umwandlung gewonnen. „Dies ist das erste Mal, dass wir versuchen, Nanocarrier aus landwirtschaftlichen Rückständen zu entwickeln, was sie zu einem echten Kreislaufprodukt macht“, erklärt Wurm.

Potenzial für zahlreichen Awendungen

Der Forscher ist überzeugt, dass es „nur eine Frage der Zeit ist“, bis seine bioabbaubaren Nanokapseln den Markt erobern. „Über den Agrarsektor hinaus bieten die Kapseln eine Vielzahl weiterer Anwendungsmöglichkeiten, von der Veredelung von Lebensmitteln bis hin zu pharmazeutischen Produkten“, argumentiert Wurm.

Das Projekt BIOrescure wurde vom Bio-based Industries Consortium (BIC) im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020 der Europäischen Union unterstützt.

bb

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