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04.08.2017

Nisthilfen locken Wildbienen an

Mit einfachen Mitteln haben Würzburger Forscher mehr Wildbienen zur Bestäubung auf Äcker gelockt. Sie platzierten am Feldrand Insektenhotels, die den Tieren die Eiablage erleichtern.

Nisthilfen aus Schilfhalme, die am Rand von Agrarflächen aufgestellt sind, können helfen, die Zahl der Wildbienen auf den Feldern erhöhen.
Nisthilfen aus Schilfhalme am Feldrand können die Zahl der Wildbienen auf dem Acker erhöhen.
Quelle: 
Verena Rieding

Bienen sind für die landwirtschaftlich geprägten Ökosysteme von unschätzbarem Wert. Doch die Artenzahl der Bestäuber ist in einem bedrohlichen Sinkflug: Die Hälfte der insgesamt 561 Wildbienenarten in Deutschland steht bereits auf der Roten Liste. Forscher suchen daher intensiv nach Lösungen, das Bienensterben zu stoppen. Wissenschaftler der Universitäten Würzburg und Wageningen scheinen nun eine einfache wie nachhaltige Methode gefunden zu haben, um mehr Wildbienen auf landwirtschaftliche Nutzflächen zu locken.

Nistplätze am Feldrand

Wie das Team um den Würzburger Biologen Ingolf Steffan-Dewenter im Fachmagazin „Journal of Applied Ecology“ berichtet, stellten sie dafür am Rand von Rapsfeldern mehrere Nisthilfen auf, um die Äcker für die Bestäuber attraktiver zu machen. Die neue Behausung bestand dabei aus gebündelten kurzen Schilfhalmen, wo die Wildbienen ihre Eier ablegen konnten. „Blütenpflanzen sind die einzige Nahrungsressource von Wildbienen – und zwar sowohl der erwachsenen Tiere als auch ihrer Larven.  Die Insekten gedeihen also nur dort, wo auch ausreichend Blütenpflanzen zur Verfügung stehen“, erläutert Ingolf Steffan-Dewenter.

Blütenreiche Habitate als Nachbarn bevorzugt

Während der zweijährigen von der EU finanzierten Studie beobachteten die Biologen dann, wie viele Brutzellen in den Nestern angelegt wurden und um welche Wildbienenarten es sich handelte. Während der Rapsblüte im Mai kamen die Wildbienen jeweils in Scharen, sodass die von ihnen besiedelten Nistplätze geradezu explodierten, wie die Forscher berichten. „Wir konnten zeigen, dass derartige Maßnahmen, aber auch naturnahe Habitate in der Umgebung, die Häufigkeit von Wildbienen auf den Feldern positiv beeinflussen.“ Die Zahl der Wildbienen stieg dabei deutlich an. Das Fazit der Forscher lautet daher: Um eine größere Vielfalt von Bienen anzusiedeln, müssten ausreichend blütenreiche Gebiete in der Nähe der Nistplätze geschaffen werden. „Dazu reichen oft schon schmale Streifen mit Wildblumen“, erklärt Steffan-Dewenter. Wichtig ist aber auch, dass dafür ausreichend Nistplätze für Insekten zur Verfügung stehen.

Von Honigbienen unabhängig machen

Der Studie zufolge könnten sich Landwirte mit dieser einfachen und wirkungsvollen Methode von Honigbienen unabhängig machen, da sich mithilfe von Wildbienen der Ertrag vieler Nutzpflanzen sogar noch steigern lässt. Auf verschiedene Bestäuber zu setzen hätte auch den Vorteil, dass das Risiko von Infektionen oder Parasitenbefall dezimiert werden könnte. Denn die Forscher stellten fest: Je größer die Zahl der Wildbienen war, desto größer war auch der Anteil jener, die von Parasiten befallen wurden. Nachhaltig beeinträchtigen konnte dieser Effekt die Vermehrung der nützlichen Insekten jedoch nicht, wie die Forscher berichten. In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördeten Projekt wird in den kommenden Jahren ebenfalls intensiv nach neuen Lebensräumen für Bienen geforscht.

bb

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