Mit kontrolliertem Pilz zu dekorativem Marmorholz

Mit kontrolliertem Pilz zu dekorativem Marmorholz

Ein spezieller Schlauchpilz prägt feine schwarze Linien ins Holz und macht es so zu einem dekorativen, hochwertigen Material. Schweizer Forschende haben ein Verfahren entwickelt, das die natürliche Veredelung reproduzierbar macht.

Marmorholz mit feinem schwarzen Muster.
Die feinen schwarzen Linien im Marmorholz entstehen durch das natürliche Pigment Melanin, das ein Schlauchpilz beim Besiedeln des Holzes bildet.

Ein kleines Naturwunder im Labor: Mit Hilfe eines Pilzes lässt sich Holz in Marmorholz verwandeln, ein Material, das feine schwarze Linien zeigt und bisher nur zufällig im Wald gefunden wurde. Forschende der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Zürich haben gemeinsam mit einer Schweizer Schreinerei ein standardisiertes Verfahren entwickelt, das die natürliche Veredelung des Holzes reproduzierbar macht. Im Mittelpunkt steht ein Schlauchpilz, der Melanin produziert und damit das charakteristische Muster ins Holz zeichnet, ohne dessen Festigkeit zu beeinträchtigen.

Vom Zufallsfund zur kontrollierten Veredelung

Die Idee begann, als auf einem Holzstück ungewöhnliche, gewellte Linien entdeckt wurden. Der Pilz, der in der Natur nur selten sichtbar auftritt, konnte gezielt genutzt werden. In einem Forschungsprojekt wurden die Bretter zunächst in Vakuumkammern befeuchtet und sterilisiert, bevor der Pilz aufgebracht wird. Anschließend verbringen sie mehrere Wochen in Klimakammern, in denen der Pilz seine Muster ins Holz einprägt. Mit diesem Ansatz lässt sich die Marmorierung gezielt steuern.

Hightech für Holz und Nachhaltigkeit

Nach Abschluss der Pilzaktivität wird das Holz technisch getrocknet, wodurch der Pilz abtötet, das Muster aber bestehen bleibt. Das Verfahren ist nicht nur innovativ, sondern auch nachhaltig: Einheimische Laubhölzer wie Ahorn, Buche oder Esche, die sonst oft energetisch genutzt werden, lassen sich aufwerten und ersetzen potenziell exotische Importhölzer. Eine zentrale Herausforderung war die Sterilität. Pilze und Sporen sind allgegenwärtig, sodass ein kontrolliertes Umfeld nötig war.

Das Beispiel zeigt, wie biologische Prozesse in der Holzverarbeitung genutzt werden können. Ein unscheinbarer Pilz sorgt so für ein dekoratives Muster und macht Holzprodukte reproduzierbar und wertvoller.

hb