Ausgezeichnete Holzinnovation verändert den Bootsbau

Ausgezeichnete Holzinnovation verändert den Bootsbau

Ein mit dem Seifriz-Sonderpreis ausgezeichnetes Projekt vereint Handwerk und Forschung, um den Boots- und Yachtbau nachhaltiger zu machen. Biobasierte Materialien und neue Fertigungstechniken steigern Effizienz und Marktfähigkeit.

Das Team von HNEE und Jan Brügge Bootsbau GmbH erhält den Seifriz-Preis 2026.
Preisverleihung des Seifriz-Sonderpreises „Ganzheitliche Nachhaltigkeit“ für das Projekt BioBasedBoats an der HNEE und die Partner des Holzbootsbaus.

Der Bootsbau steht vor einem Wandel: Während Yachten und Freizeitboote jahrzehntelang vor allem aus Kunststoffen fossiler Herkunft gefertigt wurden, rückt nun ein traditioneller Werkstoff in neuem Gewand in den Fokus: Holz. An der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und bei der Jan Brügge Bootsbau GmbH ist daraus ein Forschungsprojekt entstanden, das Handwerk, moderne Fertigungstechnologien und Bioökonomie miteinander verbindet. Für diesen ganzheitlichen Ansatz wurde die Kooperation mit dem Sonderpreis „Ganzheitliche Nachhaltigkeit“ des Seifriz-Preises – Transfer Handwerk + Wissenschaft ausgezeichnet.

Hightech trifft Handwerk

Im Mittelpunkt des Projekts BioBasedBoats stand die Frage, wie biobasierte Materialien und neue Fertigungsverfahren den Holzbootsbau leistungsfähig und wirtschaftlich konkurrenzfähig machen können. Forschende der HNEE arbeiteten gemeinsam mit dem Bootsbaumeister Jan Brügge an neuen Materialkombinationen aus heimischen Hölzern und biobasierten Verbundstoffen. Ein zentraler Durchbruch war die Übertragung des Vakuuminfusionsverfahrens auf Holz: Statt großer Mengen gesundheitsgefährdender Harze ermöglicht die Methode eine präzisere, schnellere und ressourcenschonendere Verleimung von Bootsrümpfen. Das Ergebnis sind leichtere, stabile und langlebige Strukturen, die sich für eine Serienfertigung eignen.

Von der Forschung aufs Wasser

Die wissenschaftliche Leitung lag bei Prof. Dr.-Ing. Alexander Pfriem, heute Professor für Holztechnologie und holzbasierte Bioökonomie an der TU Dresden. Die entwickelten Verfahren fanden bereits den Weg in die Praxis: Sie bilden die Grundlage für moderne Hochleistungsyachten aus Holz, darunter ein „Daysailer“, der bei den European Yacht of the Year Awards 2026 mit dem Special Award „Newcomer of the Year“ ausgezeichnet wurde.

BioBasedBoats zeigt, wie Bioökonomie konkret wird. Das aus Bundesmitteln geförderte Vorhaben verbindet ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Perspektive. Ziel ist es, Boote aus biobasierten Materialien für einen größeren Markt zugänglich zu machen und gleichzeitig die Nutzungsdauer und Kreislauffähigkeit des Rohstoffs Holz zu erhöhen. Oder, wie Praxispartner Jan Brügge es formuliert: Eine bewährte Technik weiterzuentwickeln, damit nachhaltige Innovation Fahrt aufnimmt.

hb