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07.08.2019

Mais fit machen für den Klimawandel

Pflanzenforscher aus Deutschland haben in einem Verbundprojekt das genetische Potenzial alter Landrassen für die Züchtung robuster Maissorten erschlossen.

Der gelbe badische Landmais ist eine von rund 5.000 europäischen Landrassen.
Der gelbe badische Landmais ist eine von rund 5.000 europäischen Landrassen.
Quelle: 
Universität Hohenheim / Thomas Schmid

Gelber Badischer Landmais, Strenzfelder, Lacaune oder Lizagarotte – in Europa gibt es vom Mais rund 5.000 Landrassen. Sie sind während der rund 400 Jahre des Anbaus ohne systematische Züchtung entstanden. Doch seit rund 50 Jahren existieren sie fast nur noch in Genbanken, und Elite-Zuchtlinien haben ihre Stelle eingenommen. Während letztere auf Ertrag und Qualität optimiert wurden, besitzen die Landrassen andere Stärken: Sie sind robuster, weil sie an unterschiedliche Umweltbedingungen gut angepasst sind. Diese Eigenschaften wünschen sich Züchter in Zeiten der Klimakrise auch für die Hochleistungssorten. Das Forschungsverbundprojekt MAZE, an dem Forscher der Universität Hohenheim maßgeblich beteiligt waren, hat dafür nun die Grundlagen geschaffen.

Zunächst reinerbige Linien erzeugen

„Die genetischen Ressourcen, die in Landrassen schlummern, sind verborgenes Gold, das man allerdings noch schürfen und läutern muss“, erläutert Albrecht Melchinger von der Universität Hohenheim. Denn um leistungsstarke Hybriden zu züchten, benötigt man reinerbige Maislinien. Landrassen sind jedoch gemischterbig. Mit speziellen Tricks haben die Pflanzenforscher daher zunächst aus den Landrassen reinerbige Linien erzeugt.

Kältetoleranz als Schutz vor Dürre

„Das Gold ist damit geschürft. Im zweiten Schritt muss man es läutern“, veranschaulicht Melchinger. „Das heißt die Linien müssen nun im Hinblick auf ihre Kältetoleranz geprüft werden.“ Denn auch wenn es auf den ersten Blick widersinnig klingt: Kältetoleranz kann den Maisanbau in Zeiten des Klimawandels vor Dürreschäden schützen. „Würde der Mais besser mit tiefen Temperaturen klarkommen, könnte man früher aussäen und hätte durch den Wachstumsvorsprung bei der ersten Dürreperiode schon kräftigere Pflanzen“, erklärt Melchinger.

Genetische Vielfalt für Züchtung erschlossen

Gemeinsam mit der KWS Saat AG und der TU München haben die Hohenheimer rund 1.000 Linien auf ihre Kältetoleranz getestet und mit 125 Linien mehrjährige Testkreuzungen durchgeführt, um Ertrag und Qualität zu untersuchen. Immerhin ein Teil der Linien kam der Leistung von Elitesorten dabei nah. „Diese genetische Vielfalt ist nun für die Züchtung erschlossen und steht ihr künftig zur Verfügung“, fasst Melchinger zusammen. Den Luxus, nur auf Ertrag und Qualität abzuzielen, könne die Landwirtschaft sich in Zeiten des Klimawandels nicht mehr leisten. Das Bundesforschungsministerium fördert das MAZE-Projekt mit insgesamt rund 4 Mio. Euro.

bl

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