Newsletter

Link versenden
12.06.2017

Klimawandel erhöht Stress für den Wald

Feuer, Dürre oder Insektenbefall sind natürliche Störgrößen des Waldes. Wie diese Stressfaktoren auf den Klimawandel reagieren, zeigt erstmals eine internationale Studie.

Für den Wald ist Stress normal – die Zunahme der Störungen durch den Klimawandel hingegen nicht.
Für den Wald ist Stress normal – die Zunahme der Störungen durch den Klimawandel hingegen nicht.
Quelle: 
BIOCOM AG

Waldbrände sind einerseits Katastrophen, aber auch für den Fortbestand des Ökosystems Wald notwendig. Durch die natürliche Auslese des Feuers erfährt der Wald eine ökologische Verjüngungskur, weil so neue Lebensräume für Pflanzen und Bäume geschaffen werden. Während der Mensch über Jahrhunderte mit gezielten Bränden den Fortbestand mitunter anstoßen musste, scheint die Runderneuerung durch Feuer heute durch den Klimawandel befördert zu werden. Auch andere von der Natur gemachte Störgrößen wie Sturm, Dürre und Insektenbefall erhalten dadurch eine andere Dynamik. Das zeigt erstmals eine internationale Studie, an der neben Deutschland Forscher aus neun Ländern beteiligt waren.

Stressfaktoren durch Klimawandel beeinflusst

Unter Leitung von Potsdamer Klimaforschern wurde erstmals untersucht, wie der Klimawandel auf die natürlichen Stressfaktoren des Waldes wirkt. 600 Forschungsarbeiten der letzten 30 Jahre wurden dafür hinsichtlich der möglichen Klimafolgen durchforstet und ausgewertet. Wie das Team im Fachjournal „Nature Climate Change“ berichtet, zeigt die Analyse, dass in Zukunft mit zunehmenden Risiken für Wälder zu rechnen ist. Der Grund: Die gewohnten Störungen haben sich durch den Klimawandel schon verändert.

Wiederstandsfähigkeit der Wälder bedroht

„Das hat Folgen für die Fähigkeit des Waldes, den Menschen nützlich zu sein – zum Beispiel mit seinem Holz, als Schutz vor Lawinen oder auch einfach als Erholungsraum“, erklärt Projektleiter Christopher Reyer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „Verstärkt der Klimawandel die Störungen immer weiter, ist das ein Risiko für die Widerstandsfähigkeit der Wälder – langfristig könnten sich die Ökosysteme so wie wir sie heute kennen gravierend verändern“. Primär beeinflusst das Klima zwar zunächst das Wachstum von Bäumen und Pflanzen. Doch vom Regen durchtränkte oder weniger gefrorene Waldböden geben den Bäumen bei Sturm weniger Halt und machen sie anfälliger. Zugleich sind tote und absterbende Bäume eine Brutstätten für Insekten und lebendes Holz anfälliger für Insektenbefall.

Forstwirtschaft muss sich anpassen

Fest steht: Das Risiko durch Feuer, Schädlinge und Pilzbefall im Zuge des Klimawandels wird weiter zunehmen. Die verheerenden Waldbrände in Kanada und Russland sind für die Forscher beispielhaft. Die Wissenschaftler rechnen damit, dass diese Stressfaktoren in Nordamerika, Australien und Asien zukünftig eine noch größere Rolle spielen werden. Die Wälder in Nord- und Mitteleuropa werden der Studie zufolge hingegen zunehmend von Stürmen wie Orkan Kyrill in 2007 bedrängt. „Unsere Analyse zeigt sehr deutlich, dass der Klimawandel für die Wälder eine enorme Herausforderung bedeutet – die Forstwirtschaft muss sich anpassen und die Resilienz erhöhen, da Schäden wohl nicht völlig verhindert werden können“, betont Rupert Seidl von der Universität für Bodenkultur in Wien.

bb

Back to top of page