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25.11.2019

Kläranlagen effizienter machen

Der Ruhrverband erprobt im Sauerland ein neues Verfahren, das 30% Strom einspart und auch Flächenbedarf und Betriebsaufwand verringert.

Kläranlagen haben oft einen hohen Flächenbedarf. Der Ruhrverband erprobt jetzt ein Verfahren, das unter anderem Fläche einspart.
Kläranlagen haben oft einen hohen Flächenbedarf. Der Ruhrverband erprobt jetzt ein Verfahren, das unter anderem Fläche einspart.
Quelle: 
Michael Jarmoluk/Pixabay; CC0

Wenn Fabriken und Kommunen Wasser nutzen, wird es meist verschmutzt. Bevor es in die Umwelt zurückgelangen kann, durchläuft es daher in der Regel eine Kläranlage. Doch gerade für kleinere Kommunen stellen Kläranlagen einen erheblichen Kostenfaktor dar. Der Ruhrverband erprobt daher im Sauerland ein neues Verfahren aus den Niederlanden, das durch eine clevere mikrobiologische Reinigung Flächenbedarf, Strombedarf und Betriebsaufwand deutlich verringert.

Alle biologischen Prozesse in einem Becken

Ursprünglich wurde die Kläranlage in Altena auf 52.000 Einwohner ausgelegt – heute leben dort noch knapp 20.000 Menschen. Die Anlage soll deshalb neu geplant werden. Bislang erfolgte diese nach dem Belebungsverfahren. Im Faulbehälter wird der Schlamm anaerob stabilisiert, dann maschinell entwässert und anschließend einer thermischen Verwertung zugeführt. Künftig will die Kommune für die biologische Reinigung auf das Nereda-Verfahren setzen. Während die reinigenden Mikroorganismen normalerweise Flocken bilden, ordnen sie sich bei diesem Verfahren zu kugelförmigen Granulen an. Der Clou: Im Inneren der Granulen laufen die sauerstoffempfindlichen anaeroben Reinigungsprozesse ab, in ihren äußeren Bereichen die aeroben Prozesse, die auf Sauerstoff angewiesen sind. Auf diese Weise kommt die Kläranlage ohne bewegliche Teile im Becken und ohne zusätzliches Nachklärbecken aus.

Energie, Fläche, Chemikalien und Arbeit einsparen

Neben der Flächeneinsparung hat die Methode weitere Vorteile: Es ist äußerst robust, und der Wartungsbedarf sehr gering. Gesteuert und überwacht wird die Anlage dank moderner Mess- und Regeltechnik aus der Ferne. Die nötige Energie ist um rund 30% geringer als bei herkömmlichen Alternativen, was in Altena zu einer jährlichen CO2-Einsparung von 7,6 Kilogramm pro Einwohner fführen würde. Und durch eine weitgehend biologische Phosphatfällung, mit der der wertvolle Rohstoff zurückgewonnen wird, können drei Viertel des sonst nötigen chemischen Fällmittels eingespart werden.

Pilotprojekt testet Einhaltung der Grenzwerte

Insgesamt betreibt der Ruhrverband für seine Mitglieder über 60 Kläranlagen in Nordrhein-Westfalen und reinigt dort die Abwässer von mehr als zwei Millionen Menschen und zahlreichen Gewerbebetrieben. Das Pilotvorhaben soll beweisen, ob das Nereda-Verfahren auch den besonders strengen Grenzen der Überwachungswerte in Deutschland gerecht werden kann. Bislang ist die Methode nur in Ländern im Einsatz, die höhere Grenzwerte haben oder Mittelwerte der Kontrollen heranziehen. Das Bundesumweltministerium fördert das Pilotprojekt mit rund 1,4 Mio. Euro aus dem Umweltinnovationsprogramm.

bl

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