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15.01.2014

Greenpeace-Gründer wirbt für Goldenen Reis

Die ursprünglich für dieses Jahr erwartete Zulassung des Vitamin-A-haltigen Goldenen Reis ist erneut verschoben. Greenpeace-Gründer Patrick Moore hat nun eine Kampagne für die gentechnisch veränderte Pflanze gestartet.

Machtkampf um Goldenen Reis: Greenpeace-Gründer startet eigene Kampagne für die gentechnisch veränderte Pflanze.
Machtkampf um Goldenen Reis: Greenpeace-Gründer startet eigene Kampagne für die gentechnisch veränderte Pflanze.
Quelle: 
Teil der Bilderkollektion von IRRI auf flickr.com

Vitamin-A-Mangel führt in Afrika, Asien und Lateinamerika zu echten Gesundheitsproblemen. Der Goldene Reis könnte Betroffene vor Erblindung und Tod schützen. In den Philippinen sollte die gentechnisch veränderte Pflanze eigentlich in diesem Jahr zugelassen werden. Doch daraus wird nichts. 2016 ist nun der neue Zieltermin. Unterdessen erhält das Projekt Unterstützung vom einstigen Greenpeace-Mitgründer Patrick Moore. Mit seiner Kampagne „AllowGoldenRiceNow“ will er die ideologische Macht von Greenpeace gegen den Goldenen Reis brechen. Nun ist die Europatournee gestartet.


Von Natur aus enthalten Reiskörner keine Enzyme, die zur Herstellung des Provitamins A (Beta-Carotin) nötig sind. Um den Vitamin-A-Mangel zu bekämpfen, verteilen Hilfsorganisationen und staatliche Stellen in Entwicklungsländern seit einigen Jahren Vitaminpillen. Da sie nicht alle Menschen erreichen, soll zusätzlich der wegen seiner gelben Farbe „golden“ genannte Reis angeboten werden. Eine 50 Gramm-Portion deckt Studien zufolge immerhin 60 Prozent des Tagesbedarfs. Ursprünglich wurde die Reissorte vom deutsch-schweizerischen Forscherteam Ingo Potrykus und Peter Beyer seit 1992 entwickelt. Inzwischen ist sie in Zusammenarbeit mit zahlreichen humanitären Organisationen für den Einsatz in den Philippen weiter optimiert worden und hat hier alle erforderlichen Feldversuche durchlaufen. Sie enthält ein Gen aus Mais (Phytoensynthase) und eines aus dem Bakterium Pantotea ananatis (Desaturase crtI). Diese wurden auf gentechnischem Wege in den Reis eingebaut, sodass dessen Körner Beta-Carotin herstellen. Eine Zulassung dieser Sorte hatten Potrykus und Kollegen eigentlich bereits 2002 angepeilt. Ende November gab das Internationale Reisforschungs-Institut jedoch bekannt, dass der Zulassungstermin nicht länger im ersten Quartal 2014, sondern erst für 2016 erwartet wird. Vorangegangen waren Diskussionen mit der Regierung, die nun offenbar weitere Studien einfordert.

Moore: Aktionen von Greenpeace sind ein Verbrechen

Gegen weitere Verschleppungen der Marktzulassung gibt es nun Unterstützung von ungewöhnlicher Seite: Patrick Moore, im Jahr 1971 Mitgründer der Umweltorganisation Greenpeace, hat die Kampagne „AllowGoldenRiceNow“ gestartet und ist damit nun auf Tour in Europa. „Der Vitamin A-Mangel hat seit der Entwicklung des Goldenen Reis mehr Menschenleben gekostet als etwa Malaria“, so der studierte Ökologe bei seinem ersten Stopp Mitte Januar in Berlin. Diese Tragödie könne durch den Goldenen Reis beendet werden. Bislang jedoch haben Umweltorganisationen wie Greenpeace mit ihrem massiven Protest eine Zulassung verhindert und alle rechtlichen Register gegen den Versuchsanbau in den Phillippinen und im indischen Bangladesh gezogen. In dieser Zeit seien laut Moore acht Millionen Kinder durch Vitamin A-Mangel erblindet oder gestorben. „Die Aktionen von Greenpeace sind ein Verbrechen gegen die Menschheit und müssen gestoppt werden“, sagte Moore zur Begründung seiner Anti-Greenpeace-Kampagne in Berlin.

Im Fokus: Aufklärung statt Angst

Sein Kampf gleicht dem von David gegen Goliath. Greenpeace gibt einen beträchtlichen Teil der zum großen Teil in Deutschland akquirierten 300.000 US-Dollar Spendengelder für die Öffentlichkeitsarbeit gegen gentechnisch veränderte Pflanzen aus. Dabei wird vor allem damit argumentiert, der Goldene Reis sei ein trojanisches Pferd, um den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen generell zu erleichtern. Zudem wird auf unvorhersehbare Wirkungen der Pflanzen auf die Gesundheit verwiesen. Diese Sicht bezeichnet Moore mit Verweis auf diverse Studien als unwissenschaftlich. In Berlin zeigt er Fotos von Greenpeace-Aktivisten, die sich fälschlicherweise als Bauern ausgegeben haben. „Die Arbeit von Greenpeace hat nichts mehr mit den humanitären Zielen der Organisation zu tun, die einige Pioniere 1971 gegründet haben“, fasst Moore zusammen, der der Organisation in den achtziger Jahren den Rücken gekehrt hatte, weil sie sich für ein Verbot der Trinkwasserchlorierung stark gemacht hatte. „Um die Organisation öffentlichkeitwirksamer zu machen, wurde immer stärker mit Angst gearbeitet. Dabei ist das Ziel aus dem Auge geraten, Mensch und Umwelt zu schützen.“ Nun hält er mit seiner eigenen Kampagne dagegen, wenngleich auf weitaus geringerer Flamme. „Wir haben 6.000 Euro an Spendengeldern akquiriert“, sagt der Berner Forscher Klaus Amann, der die  Europatournee von Moore organisiert hat. Seine Mission, Greenpeace vom Protest gegen den Goldenen Reis abzubringen, führt den Kanadier über Berlin, Hamburg und die Greenpeace-Europazentrale in Amsterdam nach Brüssel, Rom und London. Ideele Unterstützung erhält Moore von wissenschaftsfreundlichen Organisationen wie dem Humboldt-Forum for Food and Agriculture (HFFA) und dem Forum Grüne Vernunft, Industrieunterstützung lehnt Moore ab.

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