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18.06.2020

Die digitale Insekten-Farm

Mit einer IT-Plattform zur Insektenzucht will FarmInsect die Landwirtschaft umkrempeln. Drei Business Angels unterstützen das Münchner Start-up dabei mit frischem Kapital.

Seit 2017 sind sechs Insektenarten, darunter die schwarze Soldatenfliege, in der EU als Tierfutter zugelassen.
Quelle: 
FarmInsect

Insekten sind reich an Proteinen. Mit einem durchschnittlichen Proteingehalt zwischen 35% und 77% könnten die nährstoffreichen Kerbtiere vor allem in der Futtermittelindustrie Fischmehl und Soja ersetzen, die teuer importiert werden müssen. Seit 2017 sind in der EU sechs Insektenarten für die Tierernährung zugelassen, darunter die Schwarze Soldatenfliege. Start-ups wie FarmInsect sind seither dabei, die Insektenzucht in Deutschland aus der Nische zu holen. Das Münchner Start-up hat dabei aber nicht nur die Vermehrung der Insekten im großen Maßstab im Blick. Das Team um Geschäftsführer Thomas Kuehn will die Landwirtschaft revolutionieren.

Tierfutter aus Insekten selbst herstellen

Die Idee: Landwirte sollen ihr eigenes Proteinfutter aus regionalen Reststoffen mithilfe von Insekten herstellen. Auf diese Weise könnten sich Landwirte nicht nur von Importen wie Soja unabhängig machen. Durch die Nutzung von Agrarreststoffen zur Aufzucht der Insekten wird gleichzeitig ein Beitrag zur regionalen Kreislaufwirtschaft geleistet – denn Ressourcen werden effizienter genutzt sowie Kosten und CO2 eingespart. Für diese nachhaltige Geschäftsidee konnte FarmInsect nun neue finanzkräftige Investoren gewinnen. Hilfe kommt von drei Business Angels, die das Münchner Start-up mit einem sechsstelligen Betrag bei der Kommerzialisierung unterstützen. Das frische Kapital wurde im Rahmen einer Seedfinanzierungsrunde eingeworben.

IT-Plattform lotst Landwirte durch die Insektenproduktion

Damit Landwirte Futter aus Insekten herstellen können, entwickelte FarmInsekt eine IT-Plattform, die mit zahlreichen Sensoren verbunden ist und den Landwirt automatisch durch den gesamten Prozess der Insektenproduktion führt. Vorkenntnisse zur Insektenzucht seien nicht nötig, erklärt Geschäftsführer Thomas Kuehn in einem Gespräch mit bioökonomie.de. Von einer Mühle zur Reststoffzerkleinerung bis hin zu einer Klimakammer für die Insektenhaltung decke die Anlage alle Produktionsschritte ab. 

Zum Einsatz kommt die Schwarze Soldatenfliege. „Sie hat ein sehr breites Futterspektrum und ist daher bestens geeignet, Reststoffe zu verwerten“, erläutert Kuehn. Fallobst, Grasschnitt, Kartoffeln, aber auch Biertreber, die als Reststoffe beim Bierbrauen anfallen, können Kuehn zufolge für die Insektenzucht genutzt werden. Aber nicht nur das: „Die Körper der Insekten können wieder als Dünger aufs Feld gebracht werden.“

Pilotanlage in Aquakultur-Betrieb geplant

Mit dem frisch eingeworbenen Kapital will das junge Unternehmen nun östlich von München eine Pilotanlage aufstellen. Nicht der Bauerhof wird hier zum Testfeld für FarmInsect, sondern die Fischzucht. Dafür hat das Start-up bereits mit einem der größten Fischzuchtbetriebe in Bayern einen Vertrag geschlossen. „Die Aquakultur ist ein sehr interessanter Bereich, weil wir dort Fischmehl durch Insekten ersetzen können“, so Kuehn.

bb

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