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12.11.2018

Biogener Klebstoff für die Industrie

Drei deutsche Industriepartner haben einen biogenen Klebstoff entwickelt, dessen Inhaltsstoffe zu großen Teilen aus europäischen Pflanzen gewonnen werden kann.

Mais ist einer der nachwachsenden Rohstoffe, aus denen sich die benötigten Komponenten für die  Polyesterpolyol-Herstellung gewinnen lassen.
Mais ist einer der nachwachsenden Rohstoffe, aus denen sich die benötigten Komponenten für die Polyesterpolyol-Herstellung gewinnen lassen.
Quelle: 
PublicDomainPictures/Pixabay; CC0

Ungiftig für Mensch und Umwelt, das waren in der Vergangenheit die zentralen Anforderungen für einen Klebstoff. Heute sind diese Eigenschaften selbstverständlich und Klebstoffe für unzählige Anwendungssituationen verfügbar. Um dennoch ein Alleinstellungsmerkmal vorweisen zu können, setzen viele Hersteller darauf, ihre Rohstoffe nachhaltig zu beschaffen. In dem vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten Projekt „ThermoBIK“ haben drei Industriepartner einen Polyurethan-Dispersionsklebstoff entwickelt, dessen Rezeptur zu mehr als der Hälfte aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. In allen wichtigen technischen Kennwerten liegt er nah beim Marktstandard.

CO2-Fußabdruck ein Viertel geringer

Polyurethan-Dispersionsklebstoffe bestehen aus einer Urethan- und einer Polyesterpolyol-Komponente. Sie sind lösemittelfrei und wasserlöslich und kommen in der Industrie umfangreich zum Einsatz – bei Möbeln ebenso wie im Automobilbau. Die Covestro Deutschland AG hat in Kooperation mit den Klebstoffherstellern Jowat SE und Henkel AG & Co. KGaA die Polyesterpolyol-Komponente auf Basis von Bernsteinsäure, Sebacinsäure, 1,3-Propandiol und 1,4-Butandiol hergestellt. Alle dazu genutzten Biochemikalien lassen sich – zum Teil biotechnologisch – aus den nachwachsenden Rohstoffen Lignocellulose, Stärke, Saccharose, Rizinusöl und Glycerin erzeugen. Sie können zudem – mit Ausnahme des Rizinusöls – aus europäischen Pflanzen gewonnen werden. Der CO2-Fußabdruck des Klebstoffs verringert sich dadurch gegenüber einer Herstellung aus petrochemischen Rohstoffen um rund ein Viertel, wie das Fraunhofer UMSICHT-Institut errechnet hat.

Rohstoffkosten bremsen Kommerzialisierung

Weil der neue Klebstoff technisch den herkömmlichen Klebstoffen ähnelt, kann er problemlos in vorhandene Industrieprozesse integriert werden. Lediglich für den Einsatz in der Schuhindustrie seien noch Optimierungen nötig, schränken die Projektpartner ein. Für Holz, Möbel und Automobil stünden einer kommerziellen Umsetzung eigentlich nur noch die Rohstoffkosten im Weg. „Sie sind bei den biobasierten Chemikalien aktuell noch höher als bei den fossilen Pendants“, erklärt Projektleiter Dr. Martin Melchiors von Covestro. „Mittelfristig können sich diese Preise jedoch angleichen.“

bl

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