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13.03.2019

Berlin: Erbgut-Veränderungen hören

Mit einer Supermarkt-Installation und Klangexperimenten macht das Naturkundemuseum Berlin erlebbar, wie neue Gemüse- und Obstsorten entstehen.

Die Supermarkt-Illustration im MfN Berlin will Licht ins Dunkel der Debatte um Neue Züchtungsmethoden bringen.
Die Supermarkt-Installation im Berliner Naturkundemuseum will Licht ins Dunkel der Debatte um neue Züchtungsmethoden bringen.
Quelle: 
BIOCOM/bb

Ob Tomate, Apfel oder Kartoffel: Viele Lebensmittel, die im Einkaufskorb landen, sind das Ergebnis jahrelanger Züchtungen. Dass Eigenschaften wie die Süße eines Apfels, die Festigkeit der Kartoffel oder die Haltbarkeit der Tomaten auf bestimmte Veränderungen in ihrem Erbgut zurückzuführen sind, gerät leicht in Vergessenheit. Doch woran orientieren sich Kunden beim Einkauf von Lebensmitteln im Supermarkt? Sind Art und Weise der Züchtung überhaupt bei der Kaufentscheidung relevant? Der Supermarkt „ErbUndGut“ im Berliner Museum für Naturkunde will darauf Antworten finden und zugleich aufklären.

Öffentliche Debatte um Genome Editing fördern 

Die neu eröffnete Supermarkt-Installation ist Bestandteil eines Experimentierfeldes im Naturkundemuseum, das am 7. März seine Pforten öffnete. Die Aktion ist Teil des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projektes GenomELECTION, das sich mit ethischen, juristischen und kommunikationswissenschaftlichen Aspekten der Genom-Editierung befasst. Genome Editing (deutsch: Genom-Editierung) ist der Sammelbegriff für verschiedene molekularbiologische Verfahren, mit denen sich das Erbgut sehr präzise bearbeiten und verändern lässt. Dazu zählt auch die Genschere CRISPR-Cas, die im Sturm die Forschungslabore in Wissenschaft und Wirtschaft erobert hat. „Das Thema Genom-Editierung ist ein politisches Thema. Und ich glaube, dass es wichtig ist, über solche Begrifflichkeiten auch mit der Öffentlichkeit zu diskutieren“, sagt die Leiterin der Abteilung Forschung und Gesellschaft am Naturkundemuseum Berlin, Katrin Vohland.

Hinter die Fassade der Züchtungsmethoden schauen

Mit seinen rund 750.000 Besuchern im Jahr ist das Museum ein geeigneter Ort für solch ein ungewöhnliches Experiment. Im Supermarkt werden am Beispiel von Weizen, Apfel, Kartoffel, Milch und Tomate sowie der Ackerschmalwand als pflanzlicher Modellorganismus, die Geschichte der Züchtung, die Eingriffstiefe verschiedener Züchtungsverfahren, aber auch die Sortenvielfalt und Kennzeichnungspflichten der Lebensmittel genau beleuchtet. „Wir wollen damit eine Möglichkeit bieten, quasi hinter die Fassade zu schauen, wollen Interesse stiften und sensibilisieren“, sagt Julia Diekämper, die das Projekt GenomELECTION leitet.

Das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Gentechnik ist umstritten. Die obersten Richter entschieden, dass Organismen, deren Erbgut mit den neuen Genome-Editing-Methoden wie CRISPR-Cas9 verändert wurden, als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) einzustufen sind. Damit fallen sie unter die strengen Regulierungen des Gentechnikrechts. Die Entscheidung wird seither kontrovers diskutiert.

Genetische Veränderungen hörbar machen

Mit der Supermarkt-Installation will die Projektgruppe die Besucher neugierig machen und zum Austausch anregen, wie Diekämper betont. „Wir merken, dass die Auseinandersetzung, wie sie anlässlich gentechnologischer Verfahren geführt werden, Gefahr läuft, sich zu verhärten. Wir wollen damit eine Debatte stiften, und Menschen miteinander ins Gespräch bringen, und das auf sehr sinnliche Art und Weise.“

Quelle: 
BIOCOM/bb

Die Klangkünstler Kathrin Hunze und Alberto de Campo entlocken Kartoffeln ganz unterschiedliche Töne.

Doch wie können genetische Veränderungen durch Züchtungen sinnlich erlebbar gemacht werden? In Kooperation mit den Projekten PLANT 2030, ELSA-GEA sowie dem Deutschlandfunk Kultur und Künstlern entstand ein einzigartiges Klangexperiment, das zur „Supermarkt-Eröffnung“ Premiere feierte. Die Künstler Kathrin Hunze und Alberto de Campo haben dafür die Kartoffelzüchtung vertont und genetische Ereignisse hörbar gemacht. Im Ergebnis entstand so eine Komposition, die elektrisch-synthetische Klänge basierend auf digitalen genetischen Daten mit Tönen kombiniert, welche von der Kartoffel über analoge Schaltkreise in Form von Schwingungen selbst erzeugt wurden. Zwei weitere Audiostücke, die Erbgutveränderungen bei Weizen und der Ackerschmalwand erfahrbar machen, sind in der Supermarkt-Installation zu hören. 

Die Installation „ErbUndGut - Der Supermarkt im Museum für Naturkunde" ist noch bis Mitte Mai zu sehen. Mehr Informationen gibt es hier:

Mit der Ausstellung wurde zugleich eine Plattform geschaffen, um die Meinung der Besucher zum Thema Genom-Editierung einzufangen. Die Ergebnisse werden Anfang April bei einer Veranstaltung im Naturkundemuseum vorgestellt und im Projekt GenomeELECTION analysiert.

bb

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