Newsletter

Link versenden
28.11.2018

Bäume flüchten vor Klimawandel

Ein internationales Forscherteam zeigt erstmals, wie Bäume in den Andenwäldern vor steigenden Temperaturen in höhere und kühlere Gefilde ausweichen.

Artenreicher tropischer Bergregenwald (Reserva San Francisco, Ecuador, 2000m).
Artenreicher tropischer Bergregenwald (Reserva San Francisco, Ecuador, 2000m).
Quelle: 
Dr. Jürgen Homeier

Steigende Temperaturen und Wetterextreme wie Dürren und Überschwemmungen setzen Mensch und Natur gleichermaßen zu. Wie der Mensch versucht auch die Natur, sich an die veränderten Gegebenheiten anzupassen, um zu überleben. Eine internationale Studie, an der Forschende der Universität Göttingen beteiligt waren, zeigt, wie tropische und subtropische Wälder in den südamerikanischen Anden auf die Erderwärmung reagieren.

Andenbäume wandern nach oben 

186 Flächen mit tausenden Hochlandbäumen in den südamerikanischen Anden hatte das Team dafür untersucht. Die meisten Gehölze wuchsen in Höhen von 300 bis 3.000 Metern. In den Anden, die sowohl sonnige und zeitweise trockene Wälder als auch dauerfeuchte Nebelwälder beheimaten, konnte die Forschergruppe beobachten, wie die Vegetation vor den steigenden Temperaturen in höhere Gefilde „flieht". Wie das Team im Fachjournal „Nature“ berichtet, „wanderten“ die Bäume in höhere, kühlere Höhen aus, um dem Temperaturanstieg auszuweichen. „Diese Studie bestätigt erstmals, dass Bäume aus den Anden- und Amazonaswäldern Kolumbiens, Ecuadors, Perus und Nordargentiniens wie viele andere Pflanzen- und Tierarten auf der ganzen Welt nach oben wandern“, sagt Erstautorin Belén Fadrique von der Universität in Miami (USA).

Kälteliebende Arten werden verdrängt 

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Zahl der wärmeliebenden Arten zunahm, während kälteliebende Bäume immer weniger wurden. Dieser Verdrängungsprozess wird als „Thermophilisierung“ bezeichnet und bedeutet, dass Arten, welche Kälte bevorzugen, verdrängt werden oder gar aussterben und wärmetolerante Arten deren Plätze einnehmen. „Dieser negative Klimawandeleffekt wird noch durch weitere direkte und indirekte menschliche Einflüsse wie zum Beispiel hohe Entwaldungsraten und ansteigende Nährstoffeinträge verstärkt“, betont Jürgen Homeier von der Abteilung Ökologie und Ökosystemforschung der Universität Göttingen und Mitautor der Studie.

Biologische Vielfalt der Andenwälder bedroht

Die Migration der Bäume in andere Gefilde ist jedoch keine Überlebensgarantie. Den Experten zufolge kann es sein, dass manche Baumarten, die aufgrund der veränderten Wärmeverhältnisse in höhere Lagen aufsteigen, aufgrund veränderter Regenmengen oder Lichtverhältnisse dort keinen geeigneten Lebensraum vorfinden. Hinzukommt, dass sie zu langsam auf den Klimawandel reagieren. Damit steigt nach Auffassung der Autoren das Risiko, dass die Wälder der Region an biologischer Vielfalt und Funktionalität verlieren. Das Wissenschaftlerteam fordert daher, die Andenwälder in die Liste bedrohter Ökosysteme aufzunehmen. Sie verweisen zugleich auf die Notwendigkeit von Langzeitstudien, um die zugrundeliegenden Mechanismen besser verstehen zu können.

bb

Back to top of page