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21.01.2014

Allianz für neue Antibiotika-Wirkstoffe

Die Suche nach neuen Antibiotika erhält einen neuen Schub: In Gießen wollen der Pharmakonzern Sanofi und die Fraunhofer-Gesellschaft ein neues Exzellenzzentrum für Naturstoffforschung aufbauen.

Pilzkulturen aus der Sanofi-Naturstoffsammlung in Petrischalen
Pilzkulturen aus der Sanofi-Naturstoffsammlung in Petrischalen
Quelle: 
Sanofi

Immer mehr Menschen sterben an Infektionskrankheiten, weil gängige Antibiotika-Präparate zunehmend keine Wirkung mehr zeigen. Unter dem Dach des neu gegründeten Zentrums für Naturstoffforschung in Gießen wollen der französische Gesundheitskonzern Sanofi und die deutsche Fraunhofer-Gesellschaft die Entwicklung neuer Therapien von Infektionskrankheiten vorantreiben. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit wird die Suche nach natürlichen Substanzen für neue Antibiotika bilden.

Penicillin ist wohl der bekannteste Wirkstoff aus der Natur, um bakterielle Infektionen zu behandeln. Durch die Zunahme von antibiotikaresistenten Erregern haben viele existierende Präparate in den letzten Jahren allerdings ihre Wirkung verloren. Dabei handelt es sich nicht nur um ein nationales, sondern ein globales Problem. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation zählen Antibiotika-Resistenzen zu den „größten Gefahren für die menschliche Gesundheit“. Mit ihrer Allianz wollen sich der deutsch-französische Arzneimittelhersteller Sanofi und das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME) in Aachen nun gemeinsam der Suche nach neuen Wirkstoffen widmen. „Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten ist weltweit ein drängendes Problem mit einem großen medizinischen Bedarf. Besonders in Krankenhäusern gibt es immer mehr schwere, oft lebensbedrohliche Infektionen“, sagt Elias Zerhouni, Konzernvorstand für Forschung und Entwicklung bei Sanofi.

Sanofi öffnet erstmals Naturstoffsammlung

Das Exzellenzzentrum für Naturstoffforschung soll an das ebenfalls neue Zentrum für Insektenbiotechnologie in Gießen angegliedert werden, das bereits für sechs Jahre durch die LOEWE-Initiative des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst unterstützt wird. Von 2014 bis 2016 fördert das Land das Forschungsprogramm des Insektenbiotechnologie-Zentrum mit rund 18 Millionen Euro. Weitere 30 Millionen Euro werden gemeinsam mit dem Bund in einen Neubau investiert, mit dem 2015 begonnen werden soll. In welcher Form sich der Pharmakonzern finanziell am Zentrum beteiligt, darüber gab Sanofi auf Nachfrage keine Auskunft. Zunächst wird das 18-köpfige Forscherteam in den Sanofi-Laboren in Frankfurt/Höchst seine Arbeit  aufnehmen. Der Umzug nach Gießen ist für 2017 geplant.
Schwerpunkt der Allianz ist die Erforschung und Optimierung von in der Natur vorhandenen chemischen und biologischen Substanzen, hauptsächlich für die Behandlung von Infektionskrankheiten. Der Pharmariese wird in die Kooperation erstmals seine Naturstoffstammsammlung – mehr als 100.000 Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien – öffnen und mit den Fraunhofer-Forschern teilen. Damit soll die die Entwicklung neuer Antibiotika vorangetrieben werden – denn schon seit langem sind Neuzulassungen auf diesem Feld Mangelware, wie aktuelle Zahlen des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VfA) belegen. Allerdings ist die Pharmabranche in den letzten Jahren wieder aktiver geworden. So gehört Sanofi neben AstraZeneca, GlaxoSmithKline, Basilea Pharmaceutica und Janssen zu jenen Pharmaunternehmen, die sich bereits seit 2012 im Rahmen der europäischen Innovative Medicines Initiative (IMI) im millionenschweren Forschungsprogramm „NewDrugs4Bad Bugs" für den Kampf gegen antibakterielle Resistenzen einsetzen.

Zentrum nicht nur für Medizin interessant

Die Fraunhofer-Allianz bezieht sich allerdings nicht nur auf Antibiotika. So erhält Sanofi die Exklusivrechte für die Verwertung aller neuen Arzneimittelsubstanzen für Mensch und Tier. Im weiteren Interesse stehen neue Wirkstoffe zur Behandlung von Diabetes oder seltenen Krankheiten. „Das erste Fraunhofer-Zentrum für Naturstoffforschung geht aber auch weit über die Arzneimittelforschung hinaus“, betont Rainer Fischer, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IME. So dürfen die Fraunhofer-Forscher alle Innovationen für die Bereiche Pflanzenschutzmittel und Materialwirtschaft nutzen. Auch für diese Branchen bietet das neue Zentrum „beträchtliche wirtschaftliche Möglichkeiten“, glaubt Fischer.

bb

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