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31.10.2016

Alarmstufe Rot: Insektensterben stoppen

Das Insektensterben geht ungebremst weiter. Jetzt schlagen 77 deutsche Forscher Alarm. In einer Resolution fordern sie die Bundespolitik zum sofortigen Handeln auf.

Die Mohnbiene ist bundesweit stark im Bestand gefährdet und eine typische Bienenart der Agrarlandschaft.
Die Mohnbiene ist bundesweit stark im Bestand gefährdet und eine typische Bienenart der Agrarlandschaft.
Quelle: 
Rainer Prosi, Crailsheim

Ob Honig- oder Wildbiene: Bienen sind als Bestäuber für Natur und Mensch unverzichtbar. Angelockt von Blütenduft und -farbe tragen sie die Samen von Pflanze zu Pflanze und sorgen damit wesentlich für den Fortbestand des Ökosystems. Doch der Bestand an Wildbienen und anderen Insekten schwindet dramatisch, warnen Experten jetzt in einer Resolution an das Bundesumweltministerium. Darin fordern 77 deutsche Forscher von der Bundespolitik Sofortmaßnahmen, um das Artensterben bei diesen Hautflüglern  zu stoppen. Die Resolution zum Schutz der Insekten wurde Ende Oktober auf der 12. Hymenopterologen-Tagung, einer Biologen-Fachtagung zum Thema Hautflügler, in Stuttgart verabschiedet. „Wir hoffen, dass durch unsere Resolution in der Öffentlichkeit der Ernst der Lage erkannt wird und die Politik Maßnahmen ergreift“, so Lars Krogmann, Wissenschaftler am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.

In China müssen bereits Bäume und Pflanzen per Hand bestäubt werden, weil ganze Landteile auf die tierischen Helfer verzichten müssen. Soweit soll es in Deutschland nicht kommen. Doch neueste Forschungsergebnisse sind alarmierend. Danach ist der Bestand an Wildbienen und anderen Insekten auch hierzulande dramatisch gesunken. „Kollegen aus Nordrhein-Westfalen untersuchen Insektenbestände über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren und beobachten, dass immer mehr Arten aussterben und die Insektenzahl insgesamt zurückgeht“, sagt Entomologe Lars Krogmann.

Stummer Frühling droht

Davon betroffen sind vor allem die Bestände bestimmter Wildbienenarten, die bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen. In einigen Gegenden ist der Bestand danach um bis zu 75 Prozent innerhalb von 10 Jahren zurückgegangen. „Das ist Alarmstufe Rot “, betont Tierökologe Johannes Steidle von der Universität Hohenheim. Die Experten befürchten: Wenn sich der Trend ungebremst fortsetzt, sind die bedrohten Wildbienen-Arten bereits in „weniger als zehn Jahren“ ausgestorben. Damit drohe ein zweiter „stummer Frühling“, fürchten die Experten.

Moderne Landwirtschaft beeinflusst Artenschwund

Neben dem Verlust von Lebensraum infolge zunehmender Flächenversiegelung, dem  Klimawandel und dem Einfluss einwandernder Arten sehen die Unterzeichner vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft als Ursache für den Artenschwund. Insbesondere Überdüngung und Pestizideinsatz aber auch Reduzierung der Strukturvielfalt sind dafür aus Sicht der Biodiversitäts-Experten wichtige Treiber.

Pestizide schwächen Bienen

Auch wenn Neonicotinoide zunächst bei Bienen keinen tödliche Wirkung zeigten. Dennoch gibt es nach Aussage der Forscher mittlerweile zahlreiche Studien, die Langzeitwirkungen des Pestizides aufzeigen und eine Anreicherung von Neonicotioniden in Ackerböden belegen, selbst bei vorschriftsmäßiger Anwendung des Pestizids. Steidle erklärt, welche Auswirkungen bei den Bienen beobachtet wurden: „Ihre Lernfähigkeit ist vermindert, sie können nicht mehr so gut riechen, und es wurde beobachtet, dass bei Honigbienen der Bienentanz gestört ist. Die Folge ist, dass die Populationsgröße immer weiter abnimmt.“

Verbot von Neonicotinoiden gefordert

In ihrer Resolution verlangen die Forscher daher ein komplettes Verbot von Insektengiften der Gruppe der Neonicotinoide bis zum wissenschaftlich Nachweis, dass das Schädlingsbekämpfungsmittel umweltverträglich ist. Außerdem fordern sie Maßnahmen, um die Strukturvielfalt in der Kulturlandschaft wie eine Verbesserung des Blütenangebots zu erhöhen und ein Langzeit-Monitoring von Insekten vor allem bei Wildbienen, um zukünftig gefährdete Bestände besser lokalisieren und und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können. „Wir sehen die Herausforderung darin, eine moderne Landwirtschaft zu entwickeln, die auf Nachhaltigkeit angelegt ist und die Artenvielfalt nicht gefährdet“, so die Experten in ihrer Resolution.

bb

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